Matthias Büter (31) bringt gerade die „Charge-Garage" auf den Markt: Eine Ladestation für Pedelecs und E-Bikes die komplett ohne Stromanschluss auskommen soll. Bei den aktuellen Verkaufszahlen für E-Bikes eine lohnende Perspektive. © Stephan Rape
E-Mobilität

Reichweite für E-Bikes: Ahauser entwickelt Ladestation ohne Stromanschluss

Immer mehr Radfahrer sind mit E-Motor und Akku unterwegs. Für sie baut Matthias Büter aus Ahaus neue Ladestationen. Der Clou: Sie kommen ohne eigenen Stromanschluss aus.

Ladestationen für Pedelecs und E-Bikes sind nichts Neues. Doch diese Ladestationen brauchen einen Netzanschluss. Matthias Büter geht einen Schritt weiter. Der 31-jährige Ahauser hat eine Ladestation für Fahrräder entwickelt, die komplett ohne eigenen Stromanschluss auskommen soll. „Charge Garage“ hat er sein Produkt genannt.

Nach seiner Ausbildung als Elektroniker in Ahaus und einem abgeschlossenen Masterstudium in E-Technik arbeitet er seit zehn Jahren in der Industrie. Aktuell bei einem Hersteller von Stromspeichern: Und das ist auch die Idee für die „Charge Garage“: Auf dem Dach des großzügigen Fahrradständers befinden sich 1,22 KW starke Photovoltaik-Module, die den Strom erzeugen. In der Säule ist ein großer Stromspeicher verbaut. Über verschiedene Anschlüsse – normale Steckdosen oder fest verbaute Stecker für Shimano- oder Boschmotoren – können die Räder geladen werden. Dazu kommen Staufächer, Beleuchtung und weiteres mögliches Zubehör.

30 Zwischenladungen pro Tag sind möglich

Mit dem ersten Modell sei pro Tag eine Zwischenladung für 30 Pedelecs möglich. Bei sechs Stellplätzen. Dabei sind die einzelnen Anlagen erweiter- und koppelbar. „Sie können beliebig nebeneinander oder Rücken an Rücken ergänzt werden“, erklärt er. Stromproduktion und -verbrauch würden sich dabei fast automatisch die Waage halten: „Bei gutem Wetter wird viel Strom produziert und viele Fahrradfahrer wollen ihre Akkus aufladen“, sagt Matthias Büter. Bei schlechtem Wetter werde weniger Strom benötigt und produziert. Durch den Zwischenspeicher sei aber auch dann eine Versorgung möglich.

Anfang 2021 hat er dafür eine eigene Firma gegründet. Bei der IAA Mobility (Internationale Automobil Ausstellung) in München will er seine Entwicklung ab dem 7. September präsentieren und auf den Markt bringen. Gerade wurde der erste Prototyp fertig montiert und getestet.

Verkehrswende fängt im Kleinen an

Denn dem Ahauser geht es um mehr als nur ein paar Ausflugsfahrten mit dem E-Bike. „Wir können in Zukunft nicht jedes Auto elektrisch betreiben“, sagt er. So könne die Verkehrswende nicht gelingen. Doch für jeden Nutzungszweck gebe es das passende Fahrzeug. Und dabei spiele eben auch das E-Bike eine gewichtige Rolle: Etwa beim Weg zur Arbeit. Wenn die Ladeinfrastruktur stimmt. In diese Kerbe will er mit der „Charge Garage“ schlagen.

Ein ganzer Kreis von Kunden käme für ihn in Frage: Städte und Gemeinden, die öffentliche Abstellanlagen anbieten wollen, Unternehmen, die den Fuhrpark ihrer Mitarbeiter laden wollen, Gastronomie, die auf die komplizierte Installation einer Ladestation verzichten will, abgelegene, touristische Ziele oder Pausenplätze an Radrouten, die nicht ans Stromnetz angeschlossen sind. „Die Anwendungsmöglichkeiten sind breit gestreut“, sagt er. Laut Liste sollen die Stationen rund 15.000 Euro kosten.

Erste Ideen sind zwei Jahre alt, seit November 2020 wird es konkret

Die Idee trage er seit knapp zwei Jahren mit sich herum. Seit November 2020 arbeitet er an der genaueren Planung. Dabei geht es ihm nicht darum, schnell eine große Firma aufzubauen. Er will sein Produkt auf den Markt bringen. „Mit möglichst wenig Mannstärke in einer möglichst großen Skalierung“, wie er es nennt. Die Fäden laufen auf dem heimischen Schreibtisch im Jutequartier zusammen. Produktion, Montage und Vertrieb vergibt er an andere Unternehmen.

Für die Zukunft gibt es jetzt schon neue Ansätze: „Erste Gedankenspiele gehen etwa in Richtung Carports für E-Autos“, sagt Matthias Büter. Doch bis die ersten Autos über Photovoltaik geladen werden, dauert es noch. Erst einmal konzentriert er sich jetzt auf E-Bikes und Pedelecs. Und auf die Präsentation ab dem 7. September.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
Zur Autorenseite
Stephan Rape

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.