Reparieren kommt auch in Ahaus wieder in Mode

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Das Reparaturcafé öffnete erstmals in Ahaus seine Pforten. Im Karl-Leisner-Haus wurde repariert, was man unter den Arm nehmen kann. Das Angebot soll eine ständige Einrichtung werden.

von Susanne van den Bosch

Ahaus

, 18.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Rudolf Schmitz in der Stadtlohner VHS das Reparaturcafé besuchte, stand sein Plan fest: „So etwas braucht Ahaus auch.“ Gesagt, getan. Am Samstag fand zum ersten Mal das Reparaturcafé in Ahaus im Karl-Leisner-Haus statt.

„Wir wollen Dingen, die nicht mehr funktionieren, neues Leben einhauchen und somit verhindern, dass sie einfach weggeworfen werden“, erläutert Rudolf Schmitz. „Wir wollen Nachhaltigkeit praktizieren. Dies hier ist keine Reparaturwerkstatt. Hier kann man bei Kaffee und selbst gebackenem Kuchen sein Anliegen vortragen und wird dann von einem der anwesenden Freiwilligen zu dem entsprechenden Reparateur gebracht.“ Die „Reparateure“ sind im Raum verteilt, sitzen hinter Tischen, auf denen sie ihr eigenes Werkzeug ausgebreitet haben. Zur Orientierung wurden kleine Schilder aufgebaut, die erkennen lassen, welche Hilfen derjenige anbietet. So gibt es beispielsweise den Mechaniker, den Elektroniker, den Kleber und die Näherin.

Kleine Spieluhr

Die erste Kundin, Birgit Lübbering, erscheint auch schon, direkt nachdem das Café geöffnet wurde. In der Hand hält sie eine kleine Spieluhr. „Ich habe sie zu meinem ersten Weihnachtsfest 1966 von meinen Eltern bekommen. Jetzt ist ein Bäumchen abgebrochen und sie spielt nicht mehr“, berichtet sie. Die Spieluhr wird zu einem der Mechaniker gebracht. In Nullkommanichts ist die kleine Spieluhr auseinandergebaut, die Mechanik gesäubert und geölt und voilà: sie dreht sich wieder. Am nächsten Tisch werden sorgfältig die kleinen Kleberreste des abgebrochenen Bäumchens entfernt und wieder befestigt. Birgit Lübbering strahlt: „Das ging ja schnell. Ich bin überglücklich.“ „Der Preis für die Reparatur liegt im Ermessen des Kunden“, erklärt Silke Rath. Sie ist eine derjenigen, die freiwillig ihren freien Samstag opfern, um zu helfen. Garantien können und werden nicht gegeben, Neuteile nur nach Rücksprache mit den Kunden bestellt.

Hilfe beim Start

„Die Kunden sollen hier nicht einfach ihre Geräte abgeben und dann zum Shoppen verschwinden. Nein, es ist ausdrücklich erwünscht, dass die Kunden bei der Reparatur dabei bleiben und zusehen“, erklärt Rudolf Schmitz. Um ihm den Start zu erleichtern, sind zahlreiche Handwerker aus Bocholt und Borken erschienen. „Wenn das Reparaturcafé gut läuft, wollen wir es jeden dritten Samstag im Monat öffnen“, sagt Rudolf Schmitz. „Wir versuchen alles zu reparieren, was man unter den Arm nehmen kann, also bitte keine Waschmaschinen anschleppen.“

Reparieren kommt auch in Ahaus wieder in Mode

Wilhelm Richters entfernt Kleberreste. © Susanne van den Bosch

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