Richter glaubt nicht an Sinneswandel bei 23-jährigem Betrüger aus Ahaus

mlzHandys online verkauft

Wieder stand ein 23-jähriger Ahauser vor Gericht – dieses Mal wegen Betrugs. Er entschuldigte sich und gab sich reuig – bis der Richter das Urteil sprach. Da zeigte er sein anderes Gesicht.

Ahaus

, 09.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mindestens sieben Handys hat ein 23-jähriger Ahauser per Internet verkauft, obwohl er sie gar nicht hatte. Seine Beute: 2040 Euro. Vor dem Amtsgericht Ahaus wurde er deswegen zu einer empfindlichen Strafe verurteilt: ein Jahr und sechs Monate Haft.

Denn der Angeklagte war für den Richter schon fast ein alter Bekannter: Gleich zwölf Eintragungen haben sich seit 2014 in seinem Zentralregister angehäuft.

Letztes Urteil im Oktober 2019

Im Juli 2018 wurde er zuletzt wegen Betrugs in zehn Fällen – auch damals hatte er online Handys verkauft, die er nie besessen hatte – zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Die Bewährung wurde 2019 aufgehoben, weil er zu weiteren Strafen wegen Erschleichens von Leistungen verurteilt wurde. Noch vor Haftantritt begannen die erneuten Betrügereien.

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Wegen sieben Taten stand er jetzt vor Gericht. „Hier sind aber noch weitere ähnliche Zahlungseingänge“, sagte der Richter beim Blick in die Kontoauszüge des Mannes. „Das sieht für mich so aus, dass ihnen vor Haftantritt alles egal war und sie einfach so weitergemacht haben. Oder wollen Sie mir sagen, dass das Zufall war“, fragte der Richter.

Entschuldigungen kommen beim Richter nicht an

Mehrfach versuchte es der 23-Jährige im Gerichtssaal mit einer Entschuldigung. Das Geld habe er wegen seiner Spielsucht gebraucht. Er habe nun eingesehen, dass er etwas falsch gemacht habe und bereue die Tat. Beim Richter traf er damit auf taube Ohren. „Das habe ich schon zu oft von Ihnen gehört“, wiegelte der ab. Ob der Angeklagte denn konkret etwas vorweisen könne, das seinen Sinneswandel bestätige?

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Erst antwortete der noch, dass er es jetzt eben verstanden habe. Dass er erwachsen geworden sei und nun „keine Scheiße mehr bauen“ wolle. Auf nochmaliges Nachfragen des Richters reagierte er schließlich dünnhäutig. „Ich sage da jetzt auch nichts mehr zu“, machte der 23-Jährige deutlich.

Verteidiger fordert Bewährung

Der Verteidiger forderte eine Bewährungsstrafe. Sein Mandat benehme sich im Strafvollzug vorbildlich und habe auch damit begonnen, seinen Schulabschluss nachzumachen. Das wolle er außerhalb der JVA weitermachen. Gleichzeitig besuche er eine regelmäßige Gruppe gegen Spielsucht. Er solle nun eine Chance bekommen, sich außerhalb der Haft zu bewähren.

Doch das war mit dem Richter nicht zu machen. „Dass es Betrug war, ist ja wohl unstrittig. Auch ohne Ihr Geständnis hätten wir Ihnen alle Taten nachweisen können, weil Sie es so dilettantisch gemacht haben“, sagte der Richter. Der junge Ahauser hatte bei jedem Betrug seine eigene Kontoverbindung, seinen Klarnamen und zum Teil sogar ein Foto seines Personalausweises an die Opfer geschickt. Auch für eine Bewährungsstrafe gebe es laut Aktenlage und auch nach der Verhandlung keine Begründung.

„Ich glaube nicht an die positive Sozialprognose“, sagte der Richter. Das Verhalten des Angeklagten in der Vergangenheit spreche eine andere Sprache.

Auch die Schule könne er von der JVA aus ja weiter besuchen. Das halte er auch für eine sehr gute Idee. „Zeigen Sie durch Ihr Verhalten, dass Sie es verstanden haben“, schärfte der Richter dem jungen Mann ein. Und natürlich habe er noch die Möglichkeit zu Einspruch oder Revision.

Eskalation nach dem Urteil

„Das wird auf jeden Fall gemacht“, schimpfte der 23-Jährige da plötzlich in einem ganz anderen Ton. „Sie sind ja dafür bekannt, zu harte Urteile zu fällen“, wütete er in Richtung Richter, stand auf, knallte die Tür gegen die Wand und verließ den Gerichtssaal.

„Das ist das, was ich meine“, rief der Richter ihm noch hinterher. Der Großvater des 23-Jährigen hatte den ganzen Prozess aus dem Zuschauerraum beobachtet. Er zuckte nur mit den Schultern. „Ist schon richtig so“, sagte er mehr zu sich selbst als zum Richter.

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