Dr. Stephan Gutermann (l.) impfte Ende vergangenen Jahres die Bewohner und Mitarbeiter des Senioren- und Pflegezentrums St. Ludger Vreden. Die Impfquote lag nicht nur hier bei über 90 Prozent. Im Bild der älteste Impfling Luise Weymann (96) und Wohnbereichsleiter Norbert Schöpe. © Christiane Nitsche-Costa
Coronavirus

Riesige Impfbereitschaft bei hiesigem Pflegepersonal und Heimbewohnern

Seit Tagen ist die Impfbereitschaft des Pflegepersonals in Deutschland ein Thema. In Ahaus und Umgebung sehen die Zahlen überwiegend glänzend aus. Unabhängig vom Träger der Einrichtungen.

Heftiger Gegenwind – selbst aus den eigenen Reihen – schlug dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder entgegen, als er in diesen Tagen eine Impfpflicht für Pflegepersonal in den Raum stellte. Aus heiterem Himmel kam dieser Vorschlag aber nicht.

Denn immer wieder geistern Zahlen durch die (sozialen) Medien, die zeigen sollen, dass ausgerechnet bei Pflegerinnen und Pflegern die Bereitschaft zur Impfung gegen das Coronavirus besonders gering sei. Von unter 50 Prozent war teilweise die Rede. Ein eventuell fatales Signal für den Rest der Bevölkerung im Kampf gegen die Pandemie.

Doch wie sieht es in den hiesigen Senioren- und Pflegeheimen aus? Dort stellt sich das Bild komplett anders dar. Christiane Nitsche-Costa, Öffentlichkeitsreferentin des Pflegenetzes Westmünsterland, erklärt auf Anfrage: „Mich wundern diese Statistiken ehrlich gesagt immer. Das spiegelt nicht wider, was wir vor Ort erleben.“

Impfquote beim Pflegenetz bei über 90 Prozent

Als letzte der sechs stationären Einrichtungen erhielten am Mittwoch, 13. Januar, die Bewohner und Pfleger des St.-Georg-Senioren- und Pflegezentrums Vreden ihre erste Impfdosis gespritzt. Die Gesamtquote dort lag bei über 90 Prozent. Das deckt sich mit den Erfahrungen aus den anderen Einrichtungen. „Im Schnitt war die Bereitschaft zur Impfung durchweg hoch. Beim Personal waren es rund 90 Prozent, bei den Bewohnern sogar 95 Prozent“, sagt Christiane Nitsche-Costa.

Beim Caritasverband Ahaus-Vreden hat man ähnliche Erfahrungen gemacht. „Die Impfbereitschaft ist enorm groß“, heißt es auf Anfrage der Redaktion. In fast allen Seniorenheimen des Verbandes liege die Impfquote zwischen 96 und 98 Prozent.

„Es ist erstaunlich, wie impffreudig Bewohner und Mitarbeiter sind“, berichtet Uwe Bröcker, Bereichsleiter Pflege beim Caritasverband. Das gelte zum Beispiel für die Seniorenheime St. Friedrich, Holthues Hoff und Heinrich-Albertz-Haus in Ahaus. Einen Ausreißer gibt es aber auch. Im Henricus-Stift in Südlohn liegt die Impfquote derzeit beim Personal etwas niedriger. Zu den gut 80 Prozent, die sich bisher geimpft haben, könnten bei einem Nachholtermin aber noch weitere hinzukommen.

Träger nennen verschiedene Gründe

Auf der Suche nach Gründen für die hohe Bereitschaft werden die Träger an unterschiedlichen Stellen fündig. Christiane Nietsche-Costa sagt für das Pflegenetz: „Die Kommunikation ist sehr wichtig. Wir haben sehr früh begonnen, Informationsmaterial vom Ministerium zu verteilen. Aber bei vielen war auch schon vorher ein großer Eigenantrieb da.“

Beim Caritasverband Ahaus-Vreden glaubt man, dass auch die Ausbrüche in den Senioren- und Pflegeheimen eine Rolle gespielt haben. „Das ist sehr genau beobachtet worden und hat bei Bewohnern und Mitarbeitern sicher dazu beigetragen, sich impfen zu lassen“, erklärt Bereichsleiter Uwe Bröcker. Auch vonseiten der Angehörigen habe es ein großes Interesse gegeben. Sie hätten teilweise gefragt, „wann es endlich losgeht“.

Die Massenimpfungen mussten aber akribisch vorbereitet werden. Als „enorm“ bezeichnet Bröcker den Aufwand, der dafür betrieben werden muss. „Räume müssen vorbereitet und die Abfolge genau geplant werden.“ Es gelte, die Betroffenen in Kenntnis zu setzen, der Anamnesebogen, die Einwilligungserklärung sowie der Impfnachweis müssten in doppelter Ausfertigung ausgefüllt werden. „Zudem braucht es für die Kassenärztliche Vereinigung jeweils noch eine Kopie der Unterlagen. Mindestens zwei Mitarbeiter sind über den Tag der Impfung hinweg mit der Bearbeitung und der Organisation beschäftigt.“

Info:

  • Der Biontech-Impfstoff wird drei Tage vor dem geplanten Impftermin über eine entsprechende Internetseite bestellt und in Trockeneisboxen tiefgekühlt per Spedition angeliefert.
  • Der Impfstoff wird dann sofort in einem zuvor sorgfältig gereinigten Kühlschrank bei Temperaturen zwischen 2 und 8 Grad Celsius gelagert.
  • Nachdem der Impfstoff das Lagerungszentrum verlassen hat, darf er noch 120 Stunden genutzt werden.
  • Jede Ampulle – in der sechs Impfdosen enthalten sind – wird mit 1,8 Millilitern Flüssigkeit aufgelöst und jeweils 0,3 Milliliter werden auf Spritzen aufgezogen.
  • Der aufgelöste Impfstoff muss innerhalb von zwei Stunden verimpft werden.
Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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Johannes Schmittmann

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