Schlägerei vor Ahauser Kneipe endet vor Gericht mit Freispruch

mlzWallstraße

Ein 29-Jähriger wird vor einer Kneipe in Ahaus niedergeschlagen. Der vermeintliche Täter, das Opfer und mehrere Zeugen sind da aber so betrunken, dass sie sich an nichts erinnern können.

Ahaus

, 30.06.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine klare Erinnerung hatte keiner der Beteiligten mehr an jenen Abend im August 2019. Klar ist nur, dass ein heute 29-jähriger Ahauser mitten in der Nacht auf der Wallstraße mindestens zwei Schläge ins Gesicht bekam und zu Boden ging. Seinen Verletzungen nach muss er auch noch einen Tritt abbekommen haben, als er am Boden lag.

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Dem 19-jährigen Ahauser, der am Montag als Angeklagter vor Gericht stand, konnten allerdings weder Schläge noch Tritte nachgewiesen werden. „Ich schließe nicht aus, dass das passiert ist, kann mich aber an den ganzen Abend nicht erinnern“, sagte der zu Beginn der Verhandlung. Ab 20 Uhr habe er damals getrunken. Ein Kasten Bier und eine Flasche Korn können es insgesamt wohl gewesen sein, erklärte er auf Nachfrage des Richters.

Opfer kann sich ebenfalls nicht an den Abend erinnern

Auch das Opfer konnte sich nicht an viel erinnern: Einen Schlag habe er von hinten an die Schläfe und einen von vorne erhalten. Kurz zuvor habe er an der Wallstraße eine Kneipe verlassen. Streit habe es dort aber nicht gegeben. „Das ging alles so extrem schnell“, sagte er. Auch er sei stark angetrunken gewesen. „Fünf bis sechs Korn-Cola, etwa zehn Pils und vielleicht vier oder fünf Wodka“, zählte er auf. Auf der am Amtsgericht geläufigen Richter-Skala zwischen 0 (nüchtern) und 10 (volltrunken) sortierte er sich bei 8 ein. „Sonst könnte ich mich ja an den Abend erinnern“, erklärte er.

Zeugen haben nichts gesehen

Zwei Zeugen brachten ebenso wenig Licht ins Dunkel: Ein 28-jähriger Bekannter des Opfers hatte aus der Entfernung die Schläge gesehen. Er sei dann wieder hereingerannt, um Hilfe zu holen. Als er wieder herauskam, lag sein Bekannter am Boden. Dem habe er dann geholfen. Währenddessen seien die Täter weg gerannt. „Den Schläger würde ich aber nicht wiedererkennen“, sagte er. In der Kneipe sei er später gewarnt worden, sich nicht mit ihnen anzulegen.

Auch ein weiterer Gast der Kneipe, ein 23-jähriger Ahauser, konnte nur wenig aussagen. Ebenfalls angetrunken habe er vor der Kneipe eine Zigarette geraucht. Er habe den Schlag nur gehört und den Angeklagten dann neben dem am Boden liegenden Opfer stehen sehen. Von weiteren Tätern habe er nichts mitbekommen.

Wirt erscheint nicht vor Gericht

Der Wirt war ebenfalls geladen, erschien aber nicht vor Gericht. „Seine Aussage würde uns aber auch nicht viel weiterbringen“, erklärte der Vertreter der Staatsanwaltschaft. Das Ergebnis der Verhandlung nach einer knappen Stunde: Im Zweifel für den Angeklagten. Freispruch.

Der Richter gab dem Angeklagten aber noch mit auf den Weg, dass er sich in Zukunft mit dem Alkohol zurückhalten solle. „Sie konnten ja nicht ausschließen, dass Sie zugeschlagen haben“, sagte er.

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