Coronavirus

Schnelltests in Heimen: „Mehrbelastung bleibt an Pflegekräften hängen“

Als Träger von fünf Pflegeheimen muss der Caritasverband die Corona-Regeln des Landes umsetzen. Vorstand Matthias Wittland kritisiert, dass die Mehrbelastung an den Pflegekräften hängen bleibt.
Schnelltests zur Erkennung des Coronavirus (Symbolbild) sollen in Pflegeheimen zuvor geschultes medizinisches Fachpersonal durchführen. In dieser Zeit fehlen die Kräfte in der Pflege, kritisiert Matthias Wittland vom Caritasverband Ahaus-Vreden. © dpa

Größtmögliche Öffnung auch im Lockdown, Abzug von Pflegepersonal für erforderliche Schnelltests von Besuchern – der Caritasverband Ahaus-Vreden, der unter anderem die Seniorenheime St. Friedrich in Wessum, Holthues Hoff und Heinrich-Albertz-Haus in Ahaus, St. Ludgerus in Heek und das Henricus-Stift in Südlohn betreibt, sieht eine zunehmende Verlagerung der Verantwortung und der Arbeit vom Land auf die Pflegeeinrichtungen.

„Das passt nicht“

Matthias Wittland findet deutliche Worte. „Das passt nicht“, wird der Vorstand für das Ressort Pflege beim Caritasverband Ahaus-Vreden in einer Pressemitteilung des Verbands zitiert: Auf der einen Seite die am Sonntag von Ministerpräsident Armin Laschet verkündeten Lockdown-Vorgaben für NRW und auf der anderen Seite die vom Land gewollte, weiterhin größtmögliche Öffnung von Pflegeheimen. „Wie das zusammenpassen soll, das kann ich unseren Mitarbeitern nicht erklären.“

Armin Laschet hatte es sich mit seiner Erklärung am Sonntag relativ einfach gemacht: Es sei gemeinsame Haltung, nicht wieder die Alten und Pflegebedürftigen abzuschotten. „Dabei unterstützen wir ausdrücklich den Wunsch unserer Bewohner, gerade zu Weihnachten, Besuch zu empfangen“, erklärt Matthias Wittland. „Die Erfahrungen im Frühjahr haben gezeigt, dass eine komplette Schließung der Seniorenheime nicht verhältnismäßig war.“

Durchführung der Schnelltests geht zu Lasten der Pflege

Doch die Last der Arbeit verlagert das Land zunehmend auf die Pflegeeinrichtungen, berichtet Matthias Wittland. Besonders deutlich werde das an den in den Heimen durchzuführenden Schnelltests. Laut Testverordnung darf nur medizinisches Fachpersonal, das vorher geschult wurde, diese Tests vornehmen. „Der Alltag sieht so aus: Der Besucher möchte einen Angehörigen besuchen, sollte aber vorher getestet werden. Das Pfortenpersonal muss hierzu im Wohnbereich anrufen. Dort unterbricht ein Mitarbeiter aus der Pflege dann seine Arbeit, um die Testung vorzunehmen.“ Alles zu Lasten der Pflege.

Die durch Quarantäne und Erkrankungen eh schon dünne Pflege-Personaldecke wird durch die Landes-Vorgaben noch dünner. „Dabei könnte das Testgeschehen deutlich entzerrt werden“, sagt Pflege-Vorstand Matthias Wittland. Als Beispiel nennt er, dass sich Lehrkräfte und Erzieherinnen in NRW künftig selbst testen dürfen. „Es würde uns eine Menge erleichtern, wenn wir ähnlich agieren dürfen“, sagt der Caritas-Verantwortliche.

Externe Teams führen die regelmäßigen Tests durch

Dabei ist zwischen Regeltestung und anlassbezogener Testung zu unterscheiden. Die externen Testteams des Caritasverbandes Ahaus-Vreden besuchen alle Dienste regelmäßig und nehmen die Regeltestungen von Mitarbeitern, Bewohnern und Kunden vor. „Anlassbezogene Testungen können nur mit anwesendem Personal vor Ort in den Heimen erfolgen.“

Wie viel Arbeit zusätzlich anfällt, wird bei einem Blick in die neue Allgemeinverfügung des NRW-Gesundheitsministeriums deutlich: Für die regelmäßige Schnelltestung von Besuchern sind zentrale Termine zu vergeben. Dabei sind wöchentlich mindestens vier Termine im Umfang von jeweils mindestens zwei Stunden anzubieten. Davon muss ein Termin am Wochenende liegen und ein weiterer in einem Zeitkorridor von 16 bis 19 Uhr. Zeiten zwischen 16 und 19 Uhr sind auch bei den Besuchen zu berücksichtigen. Bislang plante der Caritasverband bei Besuchen mit einem Zeitkorridor bis 16 Uhr. „Dann ist insgesamt die Arbeitsbelastung geringer.“

Denn es bleibt ja dabei, dass die Besucher über Maßnahmen aufgeklärt werden müssen, dass ein Kurzscreening erfolgt und die Temperatur gemessen wird. Mit der Neuregelung bis 19 Uhr käme man in die „Stoßzeiten“ – die Abendbrotzeit und den Beginn der Abendpflege. „Die neue Verordnung kommt berufstätigen Angehörigen und Besuchern sicherlich entgegen“, sagt Matthias Wittland. „Wie und durch wen jedoch der höhere Aufwand geleistet werden kann, wird nicht geregelt.“

Es wird zu wenig über Mehrarbeit in Pflegeheimen diskutiert

Viel zu wenig werde über die Mehrarbeit in den Pflegeheimen diskutiert. „Hier geht es um die Öffnung von Pflegeheimen. Eine Öffnung, die von Pflegemitarbeitern bewältigt werden muss, die gerade über Weihnachten in reduzierter Team-Besetzung arbeiten.“ Die vom Land gewollte Öffnung der Pflegeheime macht die Personalplanung noch schwieriger, weil die Schichten ohnehin schon enger besetzt sind.

Matthias Wittland, Vorstand für das Ressort Pflege beim Caritasverband Ahaus-Vreden
Matthias Wittland, Vorstand für das Ressort Pflege beim Caritasverband Ahaus-Vreden © Caritas © Caritas

„Wenn es auch für die Mitarbeiter des Caritasverbandes Wünsche zu Weihnachten gäbe, dann steht sicherlich der Wunsch im Vordergrund, dass durch die Besucher alles unternommen wird, um ihre Angehörigen in den Seniorenheimen zu schützen. Besonders wichtig ist das Tragen einer FFP2-Maske während des gesamten Besuches, wie es die neue Verordnung vorsieht“, erklärt Matthias Wittland. „Um Enttäuschungen zu vermeiden, sollten sich die Familien absprechen, da pro Tag maximal zwei Besuche zulässig sind. Vielleicht kann ein längeres Telefonat in diesen Zeiten auch den Besuch ersetzen.“

Keine Frage, der Druck ist hoch. Matthias Wittland sieht vor allem eine Verlagerung des Drucks auf die Pflege – um den Druck von Angehörigen auf die Politik zu nehmen. Von den NRW-Landespolitikern gab es in den vergangenen Monaten viele Worte der Wertschätzung für die Arbeit in der Pflege. „Die Arbeitsbedingungen verbessert hat leider keines davon.“

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