Über 50 Jahre hat Hans-Josef Pirec als Schornsteinfeger gearbeitet. Vielen hat er Glück gebracht, dafür sind Schornsteinfeger schließlich bekannt. Doch Glück hat er selbst auch gebraucht.

Ahaus

, 09.06.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Viel lieber wäre er Fernsehmechaniker geworden, sagt Schornsteinfegermeister Hans-Josef Pirec. „Aber damals konnte ich keine Lehrstelle bekommen. Ich glaube, zu der Zeit gab es in Ahaus zwei Fernsehmechaniker. Da sagte mein Vater: Willst du nicht auch Schornsteinfeger werden? Und so bin ich Schornsteinfeger geworden.“

Hans-Josef Pirec trat in die Fußstapfen seines Vaters und wurde also Schornsteinfegermeister. Doch jetzt geht der bald 67-Jährige in den Ruhestand. Seinen Kehrbezirk „Borken 9“ mit gut 2600 Haushalten (Ahaus östlich der Bahnhofstraße und ein Teil von Legden) übernimmt zum 1. Juli der 40-jährige Dirk Merschformann aus Rosendahl-Holtwick. Er ist dann der zuständige bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger.

1967 mit der Lehre angefangen

Als Hans-Josef Pirec seine Lehre bei seinem Vater anfing, 1967, änderte sich gerade das Berufsbild des Schornsteinfegers: Es wurde weniger gekehrt und mehr gemessen. „Früher wurden die Schornsteine vier- fünfmal im Jahr gefegt. Als in den 60er-Jahren dann die ersten Ölheizungen installiert wurden, fingen die Messungen an. Davor hatte es ja hauptsächlich Koksheizungen gegeben.“ Als nach der Ölheizung die Gasheizung kam, nahmen die Messtätigkeiten nochmal zu. „Es entstanden durch die neue Technik in den Anlagen weniger Ruße bei der Verbrennung, das reduzierte die Kehrhäufigkeiten.“

Ruß und Staub und Dreck, die Arbeit eines Schornsteinfegers ist nicht gerade die sauberste. Wie wird man da am Abend wieder sauber? „Durch ganz intensives Waschen“, sagt Hans-Josef Pirec. „Ich brauche nach der Kehrtätigkeit unter der Dusche eine halbe Stunde, bis ich wieder sauber bin.“ Früher seien vor allem die Finger besonders dreckig gewesen. „Nach der Arbeit haben wir unsere Hände mit Kupferlappen gereinigt, viel gescheuert und gebürstet, manchmal tat es wirklich weh.“

Arbeitshandschuhe waren früher verpönt

Heute gibt es Arbeitshandschuhe – doch die waren bei den „Alten“ verpönt. Dirk Merschformann ging auch bei seinem Vater in die Lehre: „Als ich Handschuhe anzog, da fragte er mich: Bist du Handschuhfeger?“ Auch Socken waren früher bei den Schornsteinfegern verpönt. „Man stieg barfuß in seine Schuhe“, erklärt Hans-Josef Pirec. „Kletterte man dann in den Schornstein, hatte man mit den Zehen besseren Halt im Schuh.“ Von einem älteren Kollegen weiß Pirec, dass derjenige an kalten Wintertagen und Touren mit dem Rad vor dem Kehren erst einmal auf der Tenne seine Füße in Kuhdung steckte, um sie aufzuwärmen.

Socken und Handschuhe gehören heute zur Grundausstattung. Ein wenig anders verhält es sich mit einem weiteren Utensil, für das Schornsteinfeger bekannt sind: ihrem Zylinder. Früher mag es praktische Gründe gehabt haben, das man ihn trug. „So konnte man Brieftasche und Arbeitsbuch unterm Zylinder mit sich führen“, sagt Hans-Josef Pirec. Heute sei der Zylinder eher unpraktisch. „Man stößt ihn ja dauernd kaputt.“ Zudem sei es auch eine Kostenfrage, sich ständig eine neue Kopfbedeckung zu kaufen. Ein Zylinder koste schnell mal 300 Euro.

Zylinder gehört dazu

Früher, da hat er jedes Jahr ein Exemplar verschlissen. „Aber da gab es hier in Ahaus noch einen Hutmacher, der hatte Leihzylinder für die Sargträger bei Beerdigungen. Da habe ich mir immer für kleines Geld die Zylinder abgeholt.“ Als das Geschäft schloss, kaufte Hans-Josef Pirec dem Hutmacher sämtliche Zylinder in der für ihn passenden Größe ab.

Vom Zylinder zum Glück, das der Schornsteinfeger bringen soll. Um Glück wird Hans-Josef Pirec fast täglich gebeten. Aber brauchte er selbst schon mal Glück im Berufsleben? „An sich jeden Tag“, antwortet er. Einmal fiel er vom Dach. „Da hatte ich das Pech, dass ich den Schornstein noch nicht gefegt hatte.“ Dabei war er fast oben am First angelangt, als es passierte. „Ich bin auf Taubenkot ausgerutscht.“ Pirec segelte runter vom Dach – und hatte großes Glück. „Ich bin weich in einem Fliederbusch gelandet.“ Er schüttelte sich einmal und stieg die Leiter wieder hoch. „Den Schornstein musste ich ja immer noch fegen.“

Keinen schlimmen Sturz im Berufsleben erlebt

Als das Krankenhaus noch an der Bahnhofstraße stand, kehrte Pirec die Häuserzeile vom heutigen China-Restaurant bis zur Ecke Steingrube. „Da winkten immer Patienten von Zimmer 110 und riefen mehr als einmal: „Wir halten dir schon mal ein Bett frei!“ Dazu ist es für den Schornsteinfegermeister nie gekommen. Tja, Glück muss man haben.

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