Schreckschusswaffen sind immer gefragter

"Man muss sich doch schützen!"

Sie heißen Walther, Little Joe, Röhm oder auch Derringer. Wer sie kauft, hat Angst. Und er hofft, dass ihn diese kleinen Knarren schützen. Irgendwie. Vor irgendwem. Das Problem: Derzeit sind Schreckschuss-, Gas- oder Signalwaffen so gut wie ausverkauft. Und unumstritten sind sie auch nicht.

AHAUS/HEEK

22.01.2016, 19:24 Uhr / Lesedauer: 2 min
Josef Elsbernd: „Ich könnte zehn Mal soviel verkaufen.“ Doch derzeit ist kaum noch was auf Lager.

Josef Elsbernd: „Ich könnte zehn Mal soviel verkaufen.“ Doch derzeit ist kaum noch was auf Lager.

Köln. Immer wieder Köln. Die Silvesternacht am Hauptbahnhof der Domstadt hat viel verändert. In ganz Deutschland. Das merkt auch Josef Elsbernd vom Ahauser Großfachmarkt Bettings Mühle. Er ist Abteilungsleiter im Sortiment Waffen. Wie kaum ein Zweiter kennt er sich aus mit Jagdgewehren, Sportwaffen, „scharfen Waffen“ – und eben auch mit Gaspistolen oder Schreckschusswaffen.

„Ich könnte gerade zehn Mal soviel von diesen kleinen Waffen verkaufen wie sonst üblich. Wenn es denn ginge“, sagt er. Es geht aber nicht: „Ich warte dringend auf neue Lieferungen.“ Er steht nicht nur den Großhändlern permanent auf der Matte. Auch bei den Herstellern selbst hat er schon Druck gemacht. „Ich lass mich ganz bestimmt nicht abwimmeln, dazu bin ich schon lange genug im Geschäft“, versichert Elsbernd.

Man glaubt es ihm, und dennoch: „Wer jetzt solche Waffen kaufen will, muss einfach mit Wartezeiten rechnen.“ Ein, zwei Wochen. Mindestens. Im Sortiment hat der Mann von Bettings Mühle derzeit gerade noch eine gute Handvoll Walther und andere Schreckschusswaffen. Auch von den Patronen ist nicht mehr viel da.

Das ist aber immerhin noch deutlich mehr als beim Pfefferspray. Da ist derzeit absolut Ebbe in den Verkaufsregalen. „Auf meiner Warteliste stehen bestimmt 100 Personen. Sobald das Spray wieder da ist, ruf ich sie an“, sagt er. Ein paar Kilometer weiter, in Heek, sieht es zumindest beim Pfefferspray noch ein wenig besser aus. „Ich habe schon vor Monaten einen Vorrat für mein Geschäft angelegt“, sagt Ingo Elsbernd. Er ist der Cousin von Josef Elsbernd und verkauft in seinem Geschäft ebenfalls Waffen, spürt genau wie in Ahaus die stark gestiegene Nachfrage.

Sorgen um Sicherheit

Ingo Elsbernd sagt es klipp und klar: „Ich habe es geahnt, dass da was anrollt. Da kommen jetzt so viele junge Männer zu uns.“ Vor allem Frauen seien es, die nach Pfefferspray fragen, oder aber Männer, die sich Sorgen um die Sicherheit ihrer Ehefrauen und Töchter machen.

Die meisten Kunden nähmen beim Kaufwunsch das Wort „Flüchtlinge“ nicht in den Mund, so Josef Elsbernd. „Sie sagen nur: Man muss sich doch schützen.“ Natürlich schaut er genau hin, wer da Waffen kaufen will. Aber: „Grundsätzlich kann das jeder, der 18 Jahre alt ist.“

Der Preis ist erschwinglich, gute Schreckschuss-, Gas- oder Signalwaffen kosten zwischen 60 und 200 Euro, sagt Elsbernd. Noch: „Bei dieser Nachfrage ist nicht unwahrscheinlich, dass die Preise schon bald anziehen.“

Abschreckende Wirkung

Ob diese Waffen die Sicherheit wirklich erhöhen – da macht sich der Fachmann so seine eigenen Gedanken. Josef Elsbernd: „Sicher haben sie abschreckende Wirkung. Sie sehen scharfen Waffen täuschend ähnlich, und der Angreifer weiß ja nicht, ob die nicht auch echt sind.“ Und natürlich könne man Angreifer im Notfall mit der Spezialmunition aus Gas oder Pfefferspray sehr wohl außer Gefecht setzen.

Risiken gebe es aber auch, sagt er: „Wer eine Waffe trägt, kann vom Angreifer auch entwaffnet und dann selbst damit bedroht werden. Und wenn der Gegner als Reaktion eine echte Waffe zückt, dann wird es ganz, ganz gefährlich.“ 

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