Schulschließung durch Corona-Fälle: Hausaufgaben gibt es trotzdem

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Die Irena-Sendler-Gesamtschule ist durch zwei Corona-Fälle bis zum 20. März geschlossen. „Corona-Ferien“ gibt es aber nicht. Die Schüler bekommen von ihren Lehrern Aufgaben übers Internet.

Ahaus

, 11.03.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Gähnende Leere in den Klassen, im Lehrerzimmer, auf dem Schulhof: Noch bis zum 20. März bleibt die Irena-Sendler-Gesamtschule verwaist. Die Schule ist wegen der Corona-Infektion zweier Schülerinnen vorübergehend geschlossen worden. Also „Corona-Ferien“ für 1200 Schüler und 100 Lehrer? Von wegen.

Auch ohne Schule geht die Schule weiter. Sollten Schüler der Gesamtschule aktuell auf die Frage „Was habt Ihr heute auf“ mit „Nichts“ antworten, dann könnte das durchaus geflunkert sein.

Die Erklärung gibt es von Margot Brügger, der Leitenden Gesamtschuldirektorin: „Wir sind digital ganz gut aufgestellt.“ Die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern laufe über IServ. Dabei handelt es sich um ein pädagogisches Netzwerk mit Modulen wie Kommunikation, Organisation und Unterricht. „So können die Schüler zuhause arbeiten“, sagt Margot Brügger.

E-Mail und Speicherplatz

Bei IServ befindet sich ein Server in der Schule. Die Schüler haben eine E-Mail-Adresse und Zugang über ein Passwort. „Ihnen steht Speicherplatz für alle Unterlagen zur Verfügung, die im Kontext zur Irena-Sendler-Gesamtschule stehen“, erklärt Margot Brügger.

Die Schulleiterin macht am Telefon einen gefassten Eindruck. Dabei war sie seit Donnerstagabend vergangener Woche und dem Bekanntwerden der Coronavirus-Infektion zweier Schülerinnen als Schulleiterin ganz besonders gefordert – auch emotional.

Es gab zahlreiche, von Sorge um ihre Kinder geprägte Anfragen von Eltern. „Jeder möchte Sicherheit gewinnen, das ist doch klar“, sagt die Schulleiterin dazu. Sie habe alles mögliche getan, den Eltern möglichst schnell Antworten zu all ihren Fragen zu geben.

Ernstfall an der Schule

Margot Brügger hatte vor dem Ernstfall an ihrer Schule viel in den Medien wahrgenommen, wie sich das Virus verbreitet. „Wenn man aber dann die Nachricht erhält, dass Schüler der eigenen Schule betroffen sind, das geht einem nahe.“

Ihre Sorge galt und gilt der betroffenen Familie und der Schulgemeinschaft. Doch neben aller Fürsorge, „die Sachlichkeit muss wieder rein“, sagt die Leitende Gesamtschuldirektorin. „Wer muss in diesem Fall beteiligt werden, was ist zu organisieren, zu koordinieren.“ Sie und ihre Stellvertreterin Patricia Cürlis hätten dem Krisenstab des Kreises Borken zugearbeitet. Dabei galt es, das Schulleben nicht außer Acht zu lassen.

Bis Ende kommender Woche, dem 20. März, findet im Schulgebäude an der Straße Hof zum Ahaus kein Unterricht statt. Doch lernen müssen die Schüler trotzdem – mit IServ.

Die über die Internetplattform an die Schüler verschickten Aufgaben können zeitlich befristet werden. Der Start- und der Abgabetermin lassen sich festlegen. „Die Schüler leiten die Aufgaben nach erfolgter Bearbeitung über ein Modul zur Durchsicht oder Korrektur zurück an den Lehrer“, erläutert Margot Brügger.

Schüler sollen E-Mails checken

Die Schüler seien angehalten, einmal am Tag ihr Mail-Postfach zu checken. Margot Brügger: „Es gibt dafür aber keine feste Tageszeit. Da ist jeder Schüler selber in der Verantwortung.“ Das gelte ebenso für die Bearbeitung der Hausaufgaben. Der Schüler könne sie am Mittag, Nachmittag oder auch am Abend erledigen.

„In der Fläche haben wir das mit allen Schülern noch nicht gleichzeitig erprobt“, berichtet Margot Brügger über den durch das Corona-Virus eingetretenen Ernstfall. IServ sei aber für die Oberstufenschüler gängige Praxis. Das Verfahren werde für alle Schulfächer genutzt.

Dass manche Schüler die an sie gerichteten Aufgaben vielleicht von anderen lösen lassen, dem Vorbehalt begegnet Margot Brügger so: „Wenn der Schüler für sich positive Lerneffekte erzielen möchte, dann sollte er die Aufgaben auch selber lösen.“ Das Verfahren biete zudem die Möglichkeit, auch digital einmal nachzufragen, wie die Mitschüler die Aufgaben angegangen seien – Stichwort Lerngruppe.

Neue Termine für Klausuren

Lösungen hat die Irena-Sendler-Gesamtschule auch für die wegen der Schulschließung nicht geschriebenen Klassenarbeiten und Klausuren gefunden. „Keinem Schüler wird ein Nachteil wegen fehlender Vorbereitungszeit entstehen“, sagt Margot Brügger. Die neuen Termine für die Klassenarbeiten wurden schon im Kalender auf der Homepage der Schule veröffentlicht.

Die von einer Schulschließung durch das Coronavirus betroffene Irena-Sendler-Gesamtschule ist kein Einzelfall. Wie an Schulen in Nordrhein-Westfalen ganz allgemein mit Ausfällen – beispielsweise Lernstandserhebungen, Klausuren, Zentralen Prüfungen sowie dem Abitur – umgegangen wird, will das NRW-Schulministerium bis Freitag, 13. März, in einer Schulmail mitteilen.

Keine Anweisung vom Ministerium

Aktuell gebe es keine Anweisung des NRW-Schulministeriums, dass Schüler online betreut werden sollen, erklärte am Dienstag eine Sprecherin der Bezirksregierung Münster auf Anfrage unserer Redaktion. Begründung: Eine solche Betreuung würde bei Schülern sowie Lehrkräften entsprechende private Kommunikationsmittel voraussetzen. Doch könne nicht davon ausgegangen werden, dass diese bei allen vorhanden seien.

Laut Schulministerium entstehen den Schülern bei Unterrichtsausfall durch Schulschließung keine Nachteile in Bezug auf ihre Benotung. Auf der Homepage des Ministeriums heißt es dazu: „Leistungsbewertung bezieht sich immer nur auf die im Unterricht vermittelten Kenntnisse und Fähigkeiten.“

IServ: Der im Jahr 2000 in Braunschweig entwickelte Schulserver IServ wurde im Dezember 2017 in der Irena-Sendler-Gesamtschule installiert, berichtet die Pressestelle der Stadt Ahaus auf Anfrage. IServ sei seitdem „produktiv im Einsatz“. Inzwischen würden alle städtischen Schulen in Ahaus mit IServ arbeiten. Bundesweit ist das System an über 2300 Schulen im Einsatz, es gibt mehr als 1,4 Millionen Benutzer.


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