Vom Rathaus zogen die Demonstranten zu Fuß vom Rathaus aus durch die Fußgängerzone und radelten von dort weiter auf ihrem Protestzug über Heek nach Schöppingen. © Elvira Meisel-Kemper
Hilfe für Flüchtlinge

„Sicherer Hafen Münsterland“: Seebrücke fordert Ahaus zu Solidarität auf

Die Seebrücke will Ahaus zu einem sicheren Hafen für geflüchtete Menschen machen. Diese Forderung untermauerten sie mit einer Fahrraddemo: Rund 50 Teilnehmer zogen am Samstag durch die Stadt.

Anfang 2021 hat sich eine Gruppe überwiegend junger Leute in Ahaus zusammengefunden unter dem Namen des bundesweit agierenden Bündnisses „Seebrücke“. Sie setzt sich ein für Flüchtlinge und deren Aufnahme in die EU. Am Samstag machten sie mit einer Fahrraddemo, die vor dem Rathaus startete, darauf aufmerksam. Motto: „Sicherer Hafen Münsterland. Münsterland hat Platz! – Brücken bauen! Hafen werden, Leben retten!“.

Rund 50 Teilnehmer nahmen in Ahaus daran teil. Sie wurden durch die Polizei durch die Innenstadt geleitet Richtung Heek und danach nach Schöppingen. Die Demo endete an der Zentralen Unterbringungseinrichtung in Schöppingen, wo die Ahauser auf eine Gruppe traf, die sich aus Gronau auf den Weg gemacht hatte.

„In jeder Stadt können noch Flüchtlinge aufgenommen werden“

„In jeder Stadt können noch Flüchtlinge aufgenommen werden. Wir wollen mit der heutigen Aktion die Aufmerksamkeit darauf richten,“ betonte Paula Temming, zusammen mit Jule Bärmann Mitbegründerin des Bündnisses „Seebrücke Ahaus“, bei de Demo. Auf Solidarität spielte Jule Bärmann an: „Solidarität hört nicht an Landesgrenzen auf. Wir wünschen uns Solidarität mit den flüchtenden Menschen. Es gibt ein Menschenrecht auf Asyl, das setzt auch nicht durch die Corona-Pandemie aus.“

Jule Bärmann (r.) und Paula Temming (l.) bei der Eröffnung der Demo.
Jule Bärmann (r.) und Paula Temming (l.) bei der Eröffnung der Demo. © Elvira Meisel-Kemper © Elvira Meisel-Kemper

Seit 2016 seien mehr als 13.000 Menschen bei ihrer Flucht im Mittelmeer ertrunken, skizzierte Jule Bärmann in ihrer Motivationsrede. Die zivile Seenotrettung habe im Jahr 2020 allein 3500 Menschen vor dem Ertrinken gerettet. Manche würden gewaltsam zurückgeschickt oder ihrem Schicksal überlassen. Kritik richtete sie besonders an die EU und an Deutschland, da Innenminister Horst Seehofer selbst nach dem Brand des Flüchtlingslagers in Moria nur 150 Kinder nach Deutschland reingelassen hatte.

Mit Bezug auf Ahaus lobte Bärmann die Unterstützung der Kirchengemeinden, um Flüchtlingen speziell in Ahaus einen „sicheren Hafen“ zu bieten. Ein Antrag der Seebrücke an den Rat wurde kürzlich von der UWG, der SPD und den Grünen unterstützt, von der CDU und der WGW abgelehnt.

Die Mitglieder der Seebrücke Ahaus vor dem Rathaus: Sie hatten zur Demo aufgerufen.
Die Mitglieder der Seebrücke Ahaus vor dem Rathaus: Sie hatten zur Demo aufgerufen. © Elvira Meisel-Kemper © Elvira Meisel-Kemper

„Wir fordern die CDU Ahaus und die WGW auf, sich zu geltenden Menschenrechten und der Genfer Flüchtlingskonvention zu bekennen und den Antrag Ahaus zum sicheren Hafen zu machen und zu unterstützen. Ahaus ist bunt, Ahaus ist weltoffen und Ahaus steht solidarisch mit flüchtenden Menschen!“, rief Jule Bärmann auf.

„Uns geht es gut hier“

Die Brüder Alexander (23) und Christoph (21) aus Ahaus sahen das ähnlich, weshalb sie als Teilnehmer an der Demo bis nach Schöppingen mitfuhren. Alexander Eing, aktives Mitglied der Kolpingjugend Wessum, drückte das so aus: „Uns geht es gut hier. Wir möchten den Flüchtlingen zeigen, dass sie hier willkommen sind.“ Und sein Bruder Christoph, Mitglied der Grünen, ergänzte: „Wir haben die Umweltkatstrophe mit verursacht. Sie ist neben den Kriegen ein Grund mit für die Fluchtwelle.“

Anmerkung der Redaktion: Entgegen der Darstellung im Rahmen der Demonstration am Samstag in der Ahauser Innenstadt, wurde der Antrag bisher noch nicht abgelehnt. Im Ausschuss für internationale Beziehungen, Gleichstellung und Integration vereinbarten die Mitglieder am Mittwoch zuvor einstimmig, dass zunächst eine Arbeitsgruppe prüfen soll, ob die Ziele der Initiative Seebrücke in Ahaus umgesetzt werden können. So lange wurde der Antrag vertagt. Die Arbeitsgruppe soll noch vor den Sommerferien das erste Mal zusammenkommen.

Über die Autorin
Freie Journalistin
Elvira Meisel-Kemper ist freie Kunsthistorikerin und Journalistin. Sie hat Erfahrung als Autorin, Kunstvermittlerin, Projektbegleiterin und in der Fotografie. Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeiten liegt in der Kunstszene des Münsterlandes.
Zur Autorenseite
Elvira Meisel-Kemper

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.