Sipex steht ein Jahr nach dem Großbrand wieder gesund da

Glück im Unglück

Genau ein Jahr ist der Großbrand bei dem Pulverbeschichter Sipex im Gewerbegebiet an der Siemensstraße an diesem Mittwoch, 13. April, her. Ein Jahr, in dem das Unternehmen zwar ins Straucheln geraten ist, sich am Ende aber doch retten konnte. „Wir haben gedacht, alles ist vorbei“, erinnert sich Sascha Bitterlich, einer der beiden Geschäftsführer des Pulverbeschichters. Am Jahrestag der Katastrophe können beide wieder lächeln.

13.04.2016, 07:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Kay Weyck (l.) und Sascha Bitterlich, die beiden Geschäftsführer von Sipex Pulverbeschichtung, können ein Jahr nach dem großen Feuer wieder lächeln.

Kay Weyck (l.) und Sascha Bitterlich, die beiden Geschäftsführer von Sipex Pulverbeschichtung, können ein Jahr nach dem großen Feuer wieder lächeln.

„Letzten Endes hatten wir eine Menge Glück im Unglück“, sagt Bitterlichs Geschäftspartner Kai Weyck. Natürlich, die ersten Tage nach dem Feuer seien sie am Boden zerstört gewesen. „Alles, was wir uns über Jahre aufgebaut hatten, war mit einem Schlag weg. Das nimmt einen schon mit“, sagt Bitterlich, „aber noch während die Feuerwehr gelöscht hat, haben wir gesagt, dass wir weitermachen und dass wir niemanden entlassen wollen.“ Und daran haben sie sich gehalten.

Auch Dank der Versicherung, die sie gut unterstützt habe. Ein Bereich des Geschäftsbetriebs, den sie vorher eher nachlässig behandelt haben. Natürlich schließe man eine Versicherung ab, „doch wer kümmert sich da schon wirklich?“, fragt Sascha Bitterlich. Der Versicherer jedenfalls habe den Fall ohne Probleme abgewickelt.

Kunden sind treu geblieben

Doch wie ging es abseits der Finanzen weiter? „Erst einmal brauchten wir einen Moment Zeit. Man hat uns gesagt, dass die ersten 20 Entscheidungen sowieso nichts taugen werden“, erzählt Bitterlich. Und so sei es dann auch gewesen. Erst nach ein paar Tagen konnten sie ihre Geschäfte nach und nach ordnen: „Unsere wichtigsten Kunden sind uns treu geblieben“, sagt Weyck.

Ein Punkt, für den beide sehr dankbar sind. Genau wie für die nachbarschaftliche Hilfe nach dem Feuer: „Schon zu den Industrietagen hat man uns enorm unter die Arme gegriffen“, sagt Bitterlich.

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Nach den Industrietagen und dem ersten tiefen Luftholen, ging es für Sipex langsam wieder zurück in den Alltag. „Zunächst haben wir unsere gesamte Produktion zu einem langjährigen Geschäftspartner nach Hattingen ausgegliedert“, erzählt Weyck. Das sei natürlich gerade für die Angestellten eine immense Fahrerei gewesen. „Die haben aber gut mitgezogen“, sagt er.

Neue Heimat in Alstätte

Parallel haben sie sich nach einer Alternative für die Zukunft umgesehen – und sie in Alstätte gefunden. In einer Halle des Unternehmens AL-Metalltechnik. „Die hatten hier ihre Oberflächenbehandlung. Den Bereich haben wir im Juli 2015 für die übernommen“, sagt Weyck. AL habe immer Oberflächenbehandlung machen müssen, darin aber nie ein Kerngeschäft gesehen.

„Dann haben wir als Mieter hier angefangen“, sagt Sascha Bitterlich. Zunächst nur mit der Lackiererei, mit dem sie praktisch einen zusätzlichen Geschäftszweig etablieren konnten. „Zum 1. Januar sind wir dann mit unserem eigentlichen Geschäft, der Pulverbeschichtung, wieder gestartet“, sagt Bitterlich.

Jetzt blicken beide zuversichtlich in die Zukunft

Unter dem Strich war Großbrand und Umzug für das Unternehmen Sipex die Gelegenheit, sich neu aufzustellen: „Wir wären sowieso in den nächsten fünf Jahren in ein neues Gebäude gezogen“, sagt Sascha Bitterlich. „Aber das hätten wir natürlich gerne etwas ruhiger vorbereitet“, fügt Kai Weyck hinzu.

Mit der neuen Halle konnten Abläufe vereinfacht und kleinere Fehler der Vergangenheit ausgemerzt werden. „Eine leere Halle ist ja auch eine Chance. Wir konnten noch einmal von vorne anfangen“, erklärt Sascha Bitterlich. Und so sei das Unternehmen leistungsstärker als zuvor aus der Katastrophe hervorgegangen.

Mitarbeiterzahl fast verdoppelt

Der Erfolg scheint ihnen Recht zu geben: Vor einem Jahr hatte das Unternehmen acht Anstellte. Aktuell sind es 14. Und weiteres Wachstum sei in der Halle in Alstätte noch möglich – und vorgesehen. Auch der Umsatz habe sich wieder normalisiert. „Gerade sind wir dabei, den Mehrschichtbetrieb aufzubauen“, sagt Kai Weyck.

Im Gegensatz zu früher habe sich das Unternehmen nun stärker auf die Serienfertigung spezialisiert: „Früher haben wir auch Einzelstücke sofort beschichten können. heute setzen wir mehr auf größere Stückzahlen“, erklärt Sascha Bitterlich. Kerngeschäft seien Stücke aus Maschinenbau und Agrartechnik.

Ein Blick zurück 

Ein Mitarbeiter der Firma Sipex hatte am frühen Abend des 13. Aprils vor einem Jahr das Feuer entdeckt – weil plötzlich der Strom ausgefallen war. Die Flammen breiteten sich dann in Windeseile auf drei Hallenteile sowie auf benachbarte Betriebe aus. Weit über Ahaus hinaus war die riesige Rauchsäule zu sehen. Zwischenzeitlich ging die Feuerwehr sogar von Explosionsgefahr aus. Insgesamt waren damals 260 Einsätzkräfte der Feuerwehr vor Ort. Alle Löschzüge aus Ahaus sowie Feuerwehren aus Gronau, Legden, Stadtlohn und Heek waren im Einsatz. Erst am Nachmittag des Folgetages konnten die letzten Feuerwehrleute ihr Material zusammenpacken.

Hans-Georg Althoff, erster Beigeordneter der Stadt, zeigte sich noch am Abend des Feuers erleichtert: „Wir können froh sein, dass der Wind günstig stand und der Rauch nicht in die Stadt zog, sondern aufs Land hinaus“, sagte er. Noch einmal einen Tag später zog dann auch die Polizei Bilanz: Rund 1,5 Millionen Euro Schaden schlugen zu Buche. Von den Hallen der Firma an der Siemensstraße war nichts mehr zu retten. Gleichzeitig kam aber die große Erleichterung: Ein technischer Defekt hatte das Feuer ausgelöst. Langwierige Untersuchungen der Staatsanwaltschaft blieben so aus. Und auch die Versicherung sprang schnell ein.

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