So gelingt es, gute Vorsätze langfristig einzuhalten

Interview mit Fachärztin

Anfang Februar ist von den guten Vorsätzen, die viele am Jahresanfang gefasst haben, meist nicht mehr viel übrig. Doch warum ist das so? Die Ahauser Fachärztin Nikola Aufmkolk weiß die Antwort.

Ahaus

, 03.02.2018, 05:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Gute Vorsätze kann man das ganze Jahr über fassen, diese fünf zeigen eine kleine Auswahl.

Gute Vorsätze kann man das ganze Jahr über fassen, diese fünf zeigen eine kleine Auswahl. © dpa

Mehr Sport, mehr Zeit für die Familie, ab sofort keine Zigaretten mehr – meist ist von den guten Vorsätzen, die viele zu Silvester fassten, Anfang Februar nicht mehr viel übrig. Warum das so ist und wie man es schafft, gute Vorsätze einzuhalten, darüber sprach Redakteur Christian Bödding mit der Ahauserin Dr. Nikola Aufmkolk, Fachärztin für Psychiatrie, Psychotherapie und Klinische Hypnotherapeutin.

Warum gelingt es nur selten, die guten Vorsätze, die wir uns am Jahresanfang vorgenommen haben, dauerhaft in die Tat umzusetzen?

Weil häufig Vorsätze gefasst werden, die viel zu hoch angesetzt sind, die man gar nicht erreichen kann. Nehmen Sie den Vorsatz, innerhalb von drei Monaten 20 Kilogramm abzunehmen. Der Vorsatz muss realistisch sein und er muss zu einem passen. Drei Kilogramm in drei Monaten, das wäre realistisch.

Was wäre ein unrealistischer Vorsatz?

Wer sich vornimmt, jeden Monat ein Buch zu lesen und dafür gar keine Zeit hat. Es ist völlig unrealistisch, diesen Vorsatz in einen engen Zeitplan zu packen. Die zweite Sache ist, dass wir Gewohnheitsmenschen sind und immer wieder in unsere alten Gewohnheiten zurückfallen. Was wir gewohnheitsmäßig machen, das geht uns leicht von der Hand, zum Beispiel Fahrradfahren. Es ist schwierig zu lernen, aber irgendwann machen wir es automatisch. Genauso ist das bei den Dingen, die wir verändern wollen. Wir müssen sie automatisieren.

Automatisch ab sofort ins Fitness-Studio zu gehen ist gar nicht so einfach. Meist gewinnt der innere Schweinehund und ich bleibe auf der Couch. Warum?

Oft lautet der Vorsatz fürs neue Jahr, mehr Sport zu treiben. Man meldet sich im Fitness-Studio an, geht zwei Monate unregelmäßig hin und dann verläuft das Ganze wieder im Sand. Wir dürfen uns nicht jeden Tag fragen: Gehe ich heute oder gehe ich nicht? Wir müssen uns jeden Tag sagen: Am Donnerstag gehe ich ins Fitness-Studio. Was wir gewohnheitsmäßig machen, dafür brauchen wir weniger Energie. Wenn ich jeden Donnerstag nach der Arbeit zum Sport fahre und meine gepackte Tasche steht schon im Auto auf dem Beifahrersitz, dann ist das einfacher, als wenn ich nach der Arbeit erst nach Hause fahre und dort noch meine Tasche packen muss.

Dr. Nikola Aufmkolk weiß, wie man es schafft, Vorsätze auch einzuhalten.

Dr. Nikola Aufmkolk weiß, wie man es schafft, Vorsätze auch einzuhalten. © FOTO: Christian Boedding

Gute Vorsätze könnte ich auch im Sommer fassen. Funktioniert das schlechter?

Vorsätze funktionieren während des Jahres nicht schlechter als Anfang des Jahres. Den meisten Erfolg haben die Leute, die gar nicht auf ein besonderes Erlebnis warten, sondern ihre Vorsätze direkt umsetzen. Dabei gilt, im Falle eines Scheiterns nicht zu streng mit sich zu sein. Der Rückfall gehört dazu, das ist nicht schlimm. So lange sie wieder anfangen, ist das kein Problem. Das innere Aufgeben ist das Problem.

Warum lernt der Mensch nicht aus seinem Scheitern?

Der Wille des Menschen ist schwach. Es ist anstrengend, neue Wege zu gehen. Normales Verhalten ist wie eine Autobahn. Neue Wege müssen erst ausgetreten werden. Wenn wir eine Verhaltensänderung haben wollen, müssen wir an unseren Strukturen etwas ändern.

Welche Rolle spielt das Elternhaus? Wenn die Eltern rauchten oder die Mutter immer befahl: Junge, iss den Teller leer!

Viele, die stark übergewichtig sind, haben gar keinen Genuss am Essen. Sie essen alles auf, weil sie es von klein auf nicht anders kennen. Es geht darum, diese Verhaltensweise aufzulösen. Sie müssen sich bewusst machen, dass sie das von zu Hause gelernt haben und nun umlernen wollen. Das geht nur, wenn man bewusst neue Verhaltensweisen trainiert, wie zum Beispiel sich bewusst zu sagen: „Ich nehme erst nur einen Löffel. Oder sich immer wieder während des Essens zu fragen „bin ich schon satt?“.

Sollte man sich zwischendurch selbst belohnen, als Ansporn, durchzuhalten?

Unbedingt. Aber man muss aufpassen, womit man sich belohnt. Bei der Gewichtsabnahme eben nicht mit Essen, sondern mit einem Ausflug oder mit neuen Sachen.

Was wären häufige oder seltenere Vorsätze in Ihrer Praxis?

„Häufig“ wäre der Vorsatz, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, „selten“ wäre zum Beispiel der Vorsatz, sich weniger von außen beeinflussen zu lassen.

Das Letztere ist aber sehr abstrakt. Wie geht das konkret?

Sich weniger von außen beeinflussen zu lassen, das spielt zum Beispiel für Menschen mit Burn-out eine Rolle. Sie arbeiten viel und achten wenig auf ihre Bedürfnisse. Mit dieser Patientengruppe kann man die Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse üben, damit diese neue Vorsätze für sich entwickeln können, wie zum Beispiel weniger Überstunden zu machen, sich ein neues Hobby zum Ausgleich zu suchen.

Was halten Sie davon, Vorsätze mit Hilfe von Hypnose in die Tat umzusetzen?

Das ist eine sehr gute Methode, aber man darf sie nicht überfrachten. Ich kann das Ziel überprüfen oder die Motivation stärken. Das geht unter anderem mit einer Zukunftsprojektion. Ich lasse dabei zum Beispiel einen Raucher anschauen und fühlen, wie es wäre, nicht mehr zu rauchen. Wie fühlt sich die Lunge an? Wie sieht die Haut aus? Ich arbeite dabei mit Bildern und Gefühlen.

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