Die Sparkasse Westmünsterland will Spiele der heimischen Amateur-Ligen aufs Handy, den PC oder Fernseher bringen. Die Vereine werden dafür über einen Zeitraum von drei Jahren unterstützt.

von Bernd Schlusemann, Josef Barnekamp

Ahaus

, 16.03.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die Fußballspiele der heimischen Vereine, von der A-Jugend bis zu den Alten Herren, als Livestream aufs Handy, den heimischen Fernseher oder PC, das will die Sparkasse Westmünsterland den heimischen Vereinen mit einer attraktiven Anschubfinanzierung ermöglichen. Wilhelm Nassmacher, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Sparkasse, stellte die Initiative seiner Bank am Freitag (15.3.) im Rahmen der Jahrespressekonferenz des Kreditinstitutes vor.

Um Spiele und Zusammenfassungen von den heimischen Sportplätzen aufzuzeichnen und als Stream bereitstellen zu können, ist die Bank eine Kooperation mit soccerwatch.tv eingegangen. Das ist ein Anbieter, der den Amateurfußball live von den Sportplätzen überträgt. Die Technik dafür ist eine Video-Kamera, die das Spielgeschehen auf den Sportplätzen automatisch verfolgt.

Sparkasse fördert Livestream von den heimischen Sportplätzen

Der Vorstand der Sparkasse Westmünsterland (v.l.): Wilhelm Nassmacher, (stellvertretendes Vorstandsmitglied), Dr. Raoul G. Wild (Vorstand), Heinrich-Georg Krumme (Vorstandsvorsitzender), Jürgen Büngeler (Vorstand) und Norbert Hypki (Vorstand). © Bernd Schlusemann

Soccerwatch bietet dazu den Livestream, den Ausblick aufs Wochenende oder eine Zusammenfassung. Interessant für Vereine ist auch das Trainertool, das zum Beispiel eine Spielanalyse liefern kann. Automatisch bereitgestellt werden etwa Angaben wie Ballbesitz, Zweikampfquote oder Anzahl der Torschüsse. Auch die Wahl zum Tor der Woche ist möglich, schilderte Wilhelm Nassmacher die Möglichkeiten des von dem Start-up entwickelten Angebotes.

Der Vertrag mit dem Anbieter sei in dieser Woche unterschrieben worden, jetzt gehe die Sparkasse aktiv auf die 139 Fußballvereine im Westmünsterland zu, erklärte Wilhelm Nassmacher das weitere Prozedere. Jeder Verein, der mitmache, erhalte die technische Ausrüstung für die Übertragung der Spiele auf einem seiner Sportplätze.

139 Fußballvereine im Westmünsterland

Zahlt ein Verein normalerweise rund 80 Euro monatlich für TV-Technik und Übertragung, will die Sparkasse den Vereinen das erste Jahr komplett bezahlen, so das Vorstandsmitglied der Sparkasse Westmünsterland. „Wir wollen die Vereine in den ersten drei Jahren finanziell unterstützen“, ergänzte Heiko Hüntemann, Bereichsleiter im Vorstand der Bank, dass die monatliche Förderung der Bank nach dem ersten Jahr langsam abnimmt. Die Vereine hätten so Zeit, sich beispielsweise um ein weiteres Sponsoring ihrer Livestreams zu kümmern.

Starten soll das Angebot im Sommer. Vereine, die Interesse an soccerwatch haben, können sich aber schon jetzt bei der Sparkasse melden.

Die Sparkasse Westmünsterland hat genau 100 Filialen in den 28 Kommunen, in denen sie vertreten ist, berichtete Vorstandsvorsitzender Heinrich-Georg Krumme zum Auftakt der Pressekonferenz. Dass das Westmünsterland eine „Wachstumsregion“ sei, machte er unter anderem daran fest, dass seine Bank im vergangenen Jahr allein 6200 neue Kunden gewinnen konnte. 50 Prozent der Konten würden inzwischen online genutzt.

Die eigentliche Direktbank

Krumme bezeichnete die Sparkasse Westmünsterland als Marktführer in ihrer Region. Auf die zunehmende Konkurrenz durch Online-Banken angesprochen, rückte Jürgen Büngeler einen Slogan der Banken gerade: „Die, die sich Direktbank nennen, sind im Grunde Distanzbanken. Die Direktbank sind wir, direkt vor Ort und direkt ansprechbar“, betonte das Vorstandsmitglied.

Gleichwohl verstärke die Sparkasse Westmünsterland ihre Online-Aktivitäten, wie Vorstandsmitglied Norbert Hypki erklärte. Echtzeit-Überweisungen seien eine erst 2018 eingeführte Innovation. Schon im Einführungsjahr wurden 125.000 Transaktionen verzeichnet. Gerade eingeführt wurde das mobile Bezahlen mit dem Smartphone. „Das Smartphone ist der Dreh- und Angelpunkt für unser interaktives Leben“, schilderte das Vorstandsmitglied, dass auch die Sparkasse ihre Aktivitäten in diesem Bereich ausweitet. Aber: „Komplexes persönlich, die einfachen Dinge online“, stellte Hypki die Beratung durch einen Mitarbeiter weiterhin als wichtigen Bestandteil der täglichen Arbeit heraus.

Steuererklärung über das Girokonto

Vorstandsvorsitzender Heinrich-Georg Krumme wagte einen Blick in die nähere Zukunft und sah das Girokonto auf dem Weg zur „digitalen Schaltzentrale für die Kunden“. „Denkbar ist, dass ein Kunde seine Steuererklärung aus dem Giro-Konto heraus erstellt“, sieht Krumme weitere Möglichkeiten für die Digitalisierung. Wichtig ist ihm auch der „Schutz der Kunden vor den Datenkraken“. Beispielsweise komme die Sparkasse mit einer digitalen Signatur, die von den Kunden genutzt werden könne. Damit müssten diese ihre Daten „nicht irgendwo“ preisgeben, sondern könnten den Identifikationsdienst der Sparkassen nutzen. Dadurch werde es „deutlich einfacher“, im Internet einzukaufen und Verträge abzuschließen, ergänzte Norbert Hypki.

Acht-Milliarden-Marke in diesem Jahr überschreiten

Die Sparkasse Westmünsterland ist auf dem Weg dazu, bei der Bilanzsumme die Acht-Milliarden-Marke zu knacken. „Das ist dieses Jahr das Ziel“, betonte Vorstandsvorsitzender Heinrich-Georg Krumme gestern bei der Bilanzpressekonferenz in Dülmen. Dort stellte er mit seinen Vorstandskollegen die Zahlen für 2018 vor. „Wir sind gut zufrieden. Unsere Sparkasse ist kerngesund“, so Krumme. Die Sparkasse bleibe die drittgrößte unter den 60 Sparkassen in Westfalen-Lippe und größtes Geldinstitut in der Region. Deutschlandweit gehöre man zu den 100 größten Kreditinstituten.

Mit einer Bilanzsumme von 7,9 Milliarden Euro (plus 294 Millionen Euro), neu vergebenen Krediten in Höhe von 1,3 Milliarden Euro (plus 99 Millionen) und einer Summe aller Geschäfte in Höhe von 13,8 Milliarden Euro (plus 377 Millionen Euro) sowie bei der Zahl der Konten (380.000, plus 6200) gab es bei vielen Kennziffern ein Plus. Der Jahresüberschuss lag mit 14,7 Millionen auf dem Vorjahresniveau, die gezahlte Gewerbesteuer bei 11,3 Millionen Euro (minus 200.000 Euro). Und weil die Sparkasse ungeachtet der Niedrigszinsphase ordentlich Geld verdient hat, konnte sie im Vorjahr 41 Millionen Euro ins Eigenkapital stecken. Das ist auf 868 Millionen Euro angewachsen.

6,3 Milliarden ausgeliehen

Bei den Krediten an Kunden entfielen laut Sparkasse im Vorjahr rund 60 Prozente auf Unternehmen, 40 Prozent auf Privatpersonen. Insgesamt hat die Sparkasse rund 6,3 Milliarden Euro ausgeliehen. Neu als Anlage bei der Sparkasse eingezahlt haben die Kunden 265 Millionen Euro (plus 90 Millionen Euro). Davon wurden rund 80 Millionen in Form von Wertpapieren, der Rest zumeist als kurzfristige Anlagen eingezahlt. Insgesamt ist die Summe dessen, was Kunden bei der Sparkasse Westmünsterland angelegt haben, um 132 Millionen Euro auf 7,5 Milliarden gestiegen.

Was die Mitarbeiter (rund 1400) und Geschäftsstellen (rund 100 Filialen in 28 Kommunen) angeht, so blieben die Zahlen in etwa gleich hoch. Zu den in 2018 eröffneten zwei neuen Beratungszentren in Heek-Nienborg und Lüdinghausen kommen 2019 zwei weitere hinzu (Coesfeld-West, Borken-Hovesath). Fünf mit Personal besetzte Filialen wurden in den vergangenen vier Jahren in Selbstbedienungs-Stellen umgewandelt. Fünf Millionen Euro will die Sparkasse in diesem Jahr in ihre Standorte investieren. Mit 55 neuen Auszubildenden ist die Zahl der Bank-Azubis auf rund 140 gestiegen. Man sei damit größter Ausbilder in der Region, betonte Krumme.

Zusätzlich zur Gewerbesteuer flossen rund 7,2 Millionen an Spenden, Ausschüttungen und Sponsoring in die Region.

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