Jens Spahn (r.) und sein Mann Daniel Funke haben in Berlin eine Villa gekauft. Der Kaufpreis wurde offenbar komplett von der Sparkasse Westmünsterland finanziert. © picture alliance/dpa
Umstrittene Finanzierung

Sparkasse Westmünsterland finanzierte Jens Spahns Villa komplett

Medienberichten zufolge hat die Hausbank von Gesundheitsminister Jens Spahn den kompletten Kaufpreis der Villa über einen Kredit finanziert. Eigenkapital war also hier nicht nötig.

Jens Spahn, hat offenbar einen noch höheren Kredit von der Sparkasse Westmünsterland bekommen als bisher angenommen. Das berichtet der Tagesspiegel am Mittwoch.

Dem Medium liegen eigenen Angaben zufolge die Grundbuchunterlagen für die Berliner Villa vor, die der gebürtige Ottensteiner Jens Spahn und sein Mann im vergangenen Sommer gekauft haben. Daraus geht hervor, dass die Sparkasse Westmünsterland im Juli 2020 eine Grundschuld von 1,75 Millionen Euro hat eintragen lassen. Kurz nach den ersten Medienberichten folgte im August eine zweite Grundschuld in Höhe von 2,5 Millionen Euro.

Das macht insgesamt eine Summe von 4,25 Millionen Euro. Der Kaufpreis der Villa liegt bei 4,125 Millionen Euro. Heißt: Die Sparkasse hat den kompletten Kaufpreis über einen Kredit finanziert. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und sein Mann mussten also kein Eigenkapital investieren.

Sparkasse verweist auf das Bankgeheimnis

Die Sparkasse Westmünsterland antwortet auf eine Presseanfrage nicht im Detail. Sie erklärt nicht, ob es das normale Vorgehen ist, die Grundschuld in zwei Schritten eintragen zu lassen. Sie äußert sich auch nicht dazu, warum in diesem Fall auf das sonst übliche Eigenkapital verzichtet wurde.

Robert Klein von der Pressestelle verweist stattdessen auf das Bankgeheimnis. Deswegen könne er keine Auskünfte zu bestehenden oder früheren Kundenbeziehungen machen. Er könne nicht einmal sagen, ob es überhaupt eine Kundenbeziehung zwischen der Sparkasse und Jens Spahn gibt.

Jens Spahn zahlt lieber Kredit ab als Miete

Das allerdings bestätigt das Büro von Jens Spahn. „Herr Spahn ist seit seiner Kindheit Kunde der Sparkasse in seiner Heimat“, heißt es in einer schriftlichen Antwort auf die Frage, warum der Gesundheitsminister sich den Kredit nicht bei einer Bank in Berlin genommen hat. Seit über 18 Jahren sei zudem bekannt, dass der gebürtige Ottensteiner aus beruflichen Gründen einen Wohnsitz in Ahaus und einen in Berlin habe.

Eine Bestätigung über die Höhe des Kredites gibt es vom Büro nicht, ebenso wenig wie eine Antwort auf die Frage, ob Jens Spahn die Aufregung um das Thema verstehen kann. Nur so viel: „Als gelernter Bankkaufmann zahlt er lieber einen Kredit für seine eigenen vier Wände ab, als Miete zu bezahlen. Denn dieser private Raum ist ihm sehr wichtig.“

Jens Spahn war Mitglied im Verwaltungsrat

Seine Ausbildung hat Jens Spahn übrigens nicht bei der Sparkasse vor Ort gemacht, sondern bei einer anderen Bank in Münster. Allerdings saß er von 2010 bis 2015 im Verwaltungsrat der Sparkasse Westmünsterland, kennt also das Bankinstitut und den Vorstand gut.

Eines stellt Pressesprecher Robert Klein aber klar: „Es gibt bei der Sparkasse Westmünsterland keine Sonderkonditionen für aktive oder ehemalige Mitglieder des Aufsichtsorgans. Dies gilt auch für deren Ehegatten, Lebenspartner und Kinder.“

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Victoria Garwer

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