Vorsitzender Klaus Thesseling präsentiert den Jubiläumsband. Die eigentlich geplante Gala zum 125-jährigen Bestehen des Spielmannszugs muss ausfallen. Sie soll im kleinen Rahmen nachgeholt werden, wenn es wieder möglich ist. © Oliver Kleine
125 Jahre Spielmannszug

Spielmannszug Ahaus muss große Jubiläums-Gala abblasen

Auf sein 125-jähriges Bestehen blickt der Spielmannszug Ahaus 1896 zurück. Grund genug, groß zu feiern. Darauf müssen die Musiker schweren Herzens verzichten. Nun geben sie ein Buch heraus.

125 Jahre: So ein stattliches Jubiläum möchten die Mitglieder eines der Traditionspflege verpflichteten Vereins natürlich gebührend feiern. Zapfenstreich, Galaabend in der Stadthalle, Sternmarsch mit 30 Spielmannszügen, 15 Schützenvereinen sowie weiteren befreundeten Vereinen, Konzert im Schlossgarten: so die Kurzversion des geplanten Jubiläumswochenendes. Aber die Corona-Pandemie macht all die schönen Pläne zunichte.

Mitglieder des Spielmannszugs Ahaus beim Festumzug im Rahmen der Heimatwoche 1928. Im Jubiläumsband hat der Verein viele Bilder aus der langen Geschichte zusammengetragen.
Mitglieder des Spielmannszugs Ahaus beim Festumzug im Rahmen der Heimatwoche 1928. Im Jubiläumsband hat der Verein viele Bilder aus der langen Geschichte zusammengetragen. © privat © privat

„Wir hätten sehr gerne gefeiert. Aber das ist leider unmöglich“, sagt der Vorsitzende, Klaus Thesseling. Also hat man im Vorstand nach Alternativen gesucht.

Stattdessen gibt es nun einen prächtigen Jubiläumsband mit vielen Fotos und Informationen über Geschichte und Gegenwart des Spielmannszuges. Stundenlang haben die Ersteller des Buches die Archive nach Fotos und Berichten über das Vereinsleben durchforstet. Ihre Fundstücke präsentieren sie auf 164 gebundenen Seiten. Das Buch ist beim Verein zum Preis von 20 Euro erhältlich.

Döner essen für den guten Zweck

Auch einen Film hat der Verein drehen lassen. Spielmann Erich Bakker führt die Zuschauer in rund 20 Minuten durch 125 Jahre Vereinsgeschichte.

Und eine kleine Jubiläums-Aktion gibt es am Pfingstsamstag, 22. Mai, obendrein. Dann steht eine kleine Abordnung der Spielleute am Dönerwagen auf dem Parkplatz eines Discounters an der Alten Coesfelder Straße.

„Wir beantworten Fragen und haben den Jubiläumsband dabei“, erklärt Thesseling. Und das Beste: Von jedem von Veysis „Döner to go“ verkauften Döner geht an diesem Tag ein Euro an die Jugendabteilung des Spielmannszuges. Das Geld könne man wirklich gut gebrauchen, betont Thesseling. „Wir haben während der Coronazeit keine Einnahmen. Die haben wir sonst vor allem durch Schützenfeste. Aber die sind ja alle ausgefallen.“

Ein Gruppenbild aus der Zeit vor der Corona-Pandemie. Aktuell ruhen fast alle Aktivitäten des Spielmannszugs Ahaus.
Ein Gruppenbild aus der Zeit vor der Corona-Pandemie. Aktuell ruhen fast alle Aktivitäten des Spielmannszugs Ahaus. © privat © privat

Auch die Proben des rund 30-köpfigen Spielmannszuges ruhen seit mehr als einem Jahr. „Wir haben aber für die Jugend Online-Proben organisiert, um sie bei der Stange zu halten.“ Rund 30 Mitglieder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren zählt die Jugendabteilung. Zweieinhalb Jahre dauert ihre Ausbildung. Dann werden sie in den Hauptzug aufgenommen. Der wird von Fall zu Fall noch von der Alten Garde, in der zwischen 15 und 20 Senioren musizieren, unterstützt. Insgesamt zählt der Verein 130 Mitglieder.

Herausgelöst aus den Riegen der Turner

Als Gründungsstunde des Spielmannszuges Ahaus gilt eine Versammlung im Vereinshaus des Turnvereins Ahaus im Herbst 1896. Diese beschloss die Herauslösung der Spielleute aus den Vereinsriegen der Turner in eine gesonderte Abteilung, die den Namen „Spielmannszug des Turnvereins Ahaus“ erhielt.

Die Uniformen der Spielleute bestanden aus langen weißen Turnerhosen und einem dunklen privaten Rock, an dessen Ärmelansatz die sogenannten Schwalbennester, Kennzeichen der Militärmusiker beim Heer, angenäht wurden. Eine Studentenmütze diente als Kopfbedeckung.

Nach 1945 wurde die Abteilung unter dem Namen „Spielmannszug des TuS Eintracht Ahaus“ neu aufgebaut.

Am 1. Januar 1963 trennte der sich endgültig vom Turnverein und besteht seither als selbständiger Verein. Von 1955 bis 1996 leitete ihn Heinz Kock. Sein Nachfolger Bernhard Kleinsmann führte den Verein bis 2009. Seitdem ist Klaus Thesseling Vorsitzender.

Seit 40 Jahren feiert der Spielmannszug ein eigenes Schützenfest. Dies und viele weitere Aktionen werden von den Mitgliedern schmerzlich vermisst. Thesseling hofft, dass man bald wieder durchstarten kann. Und dann noch alle mit an Bord sind. Sobald es die Coronalage zulässt, soll das Jubiläum vereinsintern nachgefeiert werden.

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