Staatsanwältin fordert lebenslange Haft

Mordprozess

Mit „Heimtücke“ und aus „niederen Beweggründen“ soll der wegen Mordes angeklagte Asylbewerber aus Nigeria die Ahauser Flüchtlingshelferin umgebracht haben. Am Mittwoch wurden vor dem Landgericht in Münster die Plädoyers gehalten

AHAUS/MÜNSTER

von Klaus Möllers

, 20.09.2017, 16:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Das war keine Spontan-Tat. Sie war lang geplant“, warf die Staatsanwältin im Verfahren am Landgericht dem 28-Jährigen aus Nigeria vor. Der abgelehnte Asylbewerber, der in einer Ahauser Unterkunft am Kalkbruch wohnte, soll die 22 Jahre alte Studentin in der Nacht auf den 11. Februar am Hessenweg mit 22 Messerstichen getötet haben.

Die Staatsanwältin sprach sich am Ende der Beweisaufnahme für eine Verurteilung des Mannes zu lebenslanger Haft wegen Mordes aus – so war die Tat auch angeklagt. Darüber hinaus solle das Gericht die besondere Schwere der Schuld feststellen. In dem Fall wäre es für den Angeklagten ausgeschlossen, dass er nach frühestens 15 Jahren vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen würde.

Beziehung beendet

„Eine kurze sexuelle Beziehung“ hätten der 28-Jährige und die Studentin der Sozialarbeit im Sommer vergangenen Jahres gehabt, so die Anklagevertreterin. Die Frau beendete sie. Zum einen war sie mit ihrem festen, langjährigen Freund zusammen, zum anderen wollte sie sich offenbar „ausprobieren“, wie es der Anwalt ihrer Angehörigen formulierte. Die 22-Jährige fing laut den Erkenntnissen des Gerichts eine Affäre mit einem anderen Mann an und hatte die Sache mit dem Angeklagten für beendet erklärt. „It‘s over“ („Es ist vorbei“) hatte sie dem 28-Jährigen per Handy geschrieben.

„Dafür, dass sie nicht mit ihm zusammen sein wollte, wollte er sie bestrafen“, sagte die Anklagevertreterin. Und: „Diese kurze Sequenz im Leben der Frau hat er zum Anlass genommen, über sie zu bestimmen und dass sie sich ihm zu fügen hat.“

Nach der Tat waren sowohl Blutspuren des Angeklagten an der Kleidung der Getöteten gefunden worden als auch Blutspuren von ihr an Kleidungsstücken von ihm. Der Mann hatte vor seiner Flucht in die Schweiz blutverschmierte Sachen in der Asylbewerberunterkunft zurückgelassen.

„Extreme Brutalität“

Der Nebenklagevertreter sprach von „extremer Brutalität“ des kräftigen 28-Jährigen gegenüber dem 1,53 Meter großen und lediglich 47 Kilo schweren Opfer. Er habe ein Messer und einen Koffer bei sich gehabt. Darin habe er die verblutende Frau fortbringen und Spuren beseitigen wollen.

Der Verteidiger des 28-Jährigen forderte eine mildere Bestrafung wegen Totschlags. Zum Beispiel sei „Eifersucht als „niederer Beweggrund“ und damit als Mordmerkmal „nicht feststellbar.“

Die getötete Studentin hatte zwei Praktika in der Unterkunft absolviert und arbeitete ansonsten als Ehrenamtliche mit. Wie es in der Nacht vom 10. auf den 11. Februar überhaupt zu der Begegnung zwischen der Studentin und ihrem Mörder kam, ist nicht klar.  Es habe eine Verabredung sein können, Zufall oder dass ihr der Täter auflauerte, hieß es während der Beweisaufnahme und in den Plädoyers.

Hinsichtlich des Angeklagten sei bekannt, dass er der Frau wochenlang immer wieder nachstellte und sie laut Zeugen einmal abends am Arm festhielt, um mit ihr sprechen zu können. Das Urteil im Verfahren will das Gericht am 11. Oktober verkünden.

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