Stadtverwaltungen reagieren abwartend auf mögliches Rückfahr-Verbot

Müllfahrzeuge

Dürfen Müllfahrzeuge in Stichstraßen bald gar nicht mehr rückwärts fahren? Werden Anwohner in Sackgassen verpflichtet, ihre Abfalltonnen zu Sammelpunkten zu rollen? Ahaus, Heek, Legden, Stadtlohn, Südlohn und Vreden reagieren abwartend auf diese neu erhobene Forderung der Unfallkasse.

AHAUS/KREIS

, 18.01.2016, 18:09 Uhr / Lesedauer: 2 min
Stadtverwaltungen reagieren abwartend auf mögliches Rückfahr-Verbot

Wenn das Rückwärtsfahrverbot für Müllfahrzeuge durchgesetzt wird, können in Sackgassen nicht mehr alle Abfalltonnen direkt vor der Haustür entleert werden.

Rückwärtsfahrten von Entsorgungsfahrzeugen sind in Ahaus ohnehin die Ausnahme, erklärte gestern Stefan Hilbring, Pressesprecher der Stadt Ahaus. "Seit 25 Jahren werden die Wendehämmer so ausgelegt, dass auch größere Fahrzeuge nicht mehr rückwärts fahren müssen." In einigen älteren Straßen aber sei das noch der Fall. "Aber es läuft zurzeit reibungslos. Wir warten daher ab, wie sich die Gesetzgebung entwickelt."

Aus Heek und Stadtlohn gab es gestern nur ein kurze Auskunft: "Diese Frage ist aktuell bei uns noch nicht thematisiert worden", erklärte Uwe Wigger aus dem Heeker Rathaus. Und Stadtlohns Pressesprecher Günter Wewers sagt: "Die Problematik ist bei uns noch nicht aufgetaucht. Unfälle und Schäden hat es noch nicht gegeben."

Kein neues Thema

Für Legdens Bürgermeister Friedhelm Kleweken ist das Thema nicht neu. "Wir haben schon vor Jahren mit unserem Entsorger kritische Stellen unter die Lupe genommen und Lösungen gesucht. Dort, wo Rückwärtsfahrten nicht zu vermeiden sind, helfen technische Hilfsmittel wie Rückwärtsfahrkameras."

Auch Vreden hat das Problem schon länger im Blick: "Wir bemühen uns schon seit Jahren darum, Rückwärtsfahrten weitestgehend zu vermeiden", erklärt Christine Grünewald-Tentrup. In einigen Sackgassen würden Abfalltonnen von den Anwohnern zu Sammelpunkten gebracht. Grünewald-Tentrup: "Das klappt auch."

Sicherheit der Kinder

Ausschlaggebend sei dafür nicht allein die rechtliche Lage. "Uns liegt die Sicherheit der Kinder am Herzen. Das ist das Entscheidende." Aber: Auch in Vreden gebe es in Einzelfällen noch Stichstraßen, in denen die Müllfahrzeuge zurücksetzen müssten.

In Südlohn sei das Problem nicht drängend, sagt Bürgermeister Christian Vedder. "Wir haben nur sehr wenige Sackgassen, in denen die Fahrzeuge nicht wenden können." Sicherheit, so Vedder, müsse immer Vorrang haben. Möglicherweise könne sie ja auch durch technische Lösungen gewährleistet werden.

Kameras und Schulungen

Das meint auch Dr. Georg Grüber, Geschäftsführer des Unternehmens Stenau, das in Ahaus, Stadtlohn, Heek und Legden die Abfalltonnen leert. "Rückwärtsfahrkameras sind bei uns in allen Fahrzeugen Standard." Es gebe darüber hinaus auch Nachbarschaften, die freiwillig zentrale Sammelpunkte für Abfalltonnen verabreden. Grüber: "Für solche Lösungen sind wir immer offen."

Michael Schneider, Pressesprecher des Unternehmens Remondis, das in Vreden die Tonnen leert, erklärte gestern: "Ich kann den Wunsch nach mehr Sicherheit nachvollziehen." Er sagte aber auch: "In den neun Jahren, in denen ich für Remondis arbeite, ist mir noch kein Unfall durch Rückwärtsfahren bekannt geworden - und das bei einigen tausend Fahrzeugen." Die Berufskraftfahrer würden ständig in Sicherheitsfragen weitergebildet. Eine Gesetzesvorlage mit generellem Rückfahrverbot geht nach seiner Ansicht an der Realität vorbei - "aber das mit besten Absichten".

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