Stefan Wensing vor seiner mobilen "Firma". Trotz Starts im Corona-Jahr ist der SPS-Programmierer mit seinem ersten Jahr als Unternehmer sehr zufrieden. © Markus Gehring
Elektrotechnik-Spezialist

Stefan Wensing aus Ahaus bringt Maschinen Intelligenz bei

Stefan Wensing kann das, was nur wenige in seiner Berufsgruppe können. Der 39-jährige Ahauser SPS-Elektrotechniker programmiert Industrieanlagen so, dass sie sich „intelligent“ verhalten.

Vor dem Haus Scharfland 14a hat Stefan Wensing seine Firma geparkt. Alles das, was er zwingend für seinen Einsatz als SPS-Techniker braucht, befindet sich nämlich in einem Transporter. SPS – das steht für „Speicherprogrammierbare Steuerung“. Dahinter verbirgt sich ein digitales elektronisches System mit einem programmierbaren Speicher, über das Maschinen gesteuert werden können. Ein Arbeitsfeld, auf dem Stefan Wensing Jahre lang Erfahrungen gemacht hat und mit dem er sich seit einem Jahr selbstständig gemacht hat. Ein Jahr, das er erfolgreich und mit vollen Auftragsbüchern abschließt, wie er sagt. Trotz Corona.

Klassischer beruflicher Werdegang

Der Weg dahin ist ein ganz klassischer: Praktikum bei einem örtlichen Rundfunk- und Fernsehtechniker und anschließende Ausbildung als Elektroniker für Betriebstechnik im Industriebereich beim Ahauser Unternehmen Herholz. Nach drei Gesellenjahren legt er seine Meisterprüfung als Elektrotechniker ab, qualifiziert sich zum SPS-Techniker und ist weltweit im Einsatz.

Als Mitarbeiter verschiedener Firmen in Europa, in Amerika und auch Saudi-Arabien. Er kümmert sich um die Anlagen, schult Personal vor Ort und entdeckt zunehmend das Interesse am Programmieren.

Der Bedarf an Spezialisten wie Wensing und Kollegen ist nämlich enorm. Stefan Wensing erklärt warum: „Jede Maschine im produzierenden Gewerbe hat praktisch so etwas wie ein Gehirn.“ Und das lässt sich, abgestimmt auf den jeweiligen Produktionsablauf ganz individuell steuern.

Dass zum Beispiel ein rotes Licht aufleuchtet, wenn auf dem Band fehlerhafte Produkte erkannt werden. Stefan Wensing nennt ein weiteres Beispiel für die komplexe Agenda von SPS-Technikern: In einer Firma, die Lebensmittel produziert, soll Joghurt oder Pudding passgenau geformt, in Becher gefüllt und diese wieder verschlossen werden.

Selbstständigkeit vor Ort statt Vielreiserei

Immer wieder sind es neue Aufgabenstellungen in verschiedensten Unternehmen und Ländern. 2016 aber gibt es die entscheidende Wende. Da kommt nicht nur das erste der beiden Kindern zur Welt sondern der Wunsch nach mehr Zeit für die Familie wird stärker. Als sich das auch durch einen Stellenwechsel nicht realisieren lässt, folgt nach Elternzeit und nebenberuflicher Tätigkeit als SPS-Programmierer schließlich die Entscheidung für die Selbstständigkeit. „Natürlich habe ich mir wegen Corona zuerst Sorgen gemacht, ob das klappen kann“, sagt der Neuunternehmer nach einem Jahr.

Sorgen, die im Nachhinein unbegründet waren, dank eines Netzwerks ehemaliger Kollegen, Mund-zu-Mund-Werbung und „vieler toller Kunden“, darunter auch ein namhafter Lebensmittel-Produzent, hat sich Stefan Wensing einen Namen auf dem Spezialgebiet gemacht. Bei den Stadtwerken ist er zudem als Elektroinstallateur eingetragen, und nicht nur industrielle Sondermaschinen sondern auch der private Bereich gehört jetzt zu seinem Arbeitsbereich. 80 Prozent ist er im Umkreis von 50 Kilometer unterwegs, die übrigen 20 im Radius von 300 Kilometern.

Seine Jahresbilanz sieht so aus: „Es ist eine bessere Entwicklung als ich sie mir hätte träumen lassen.“ Zum Team gehören jetzt fünf Mini-Jobber. Allerdings bleiben bis auf eine Woche Ende September nur wenige freie Tage. Dafür ist er jetzt aber auch nah bei der Familie.

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