Stefanie Schmickler und Michael Pietsch sind Unternehmer des Jahres 2019

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Dr. Stefanie Schmickler vom Augen-Zentrum-Nordwest und ihr Bruder Dr. Michael Pietsch von der Unternehmensgruppe Pietsch erhalten die Auszeichnung „Unternehmer des Jahres 2019“.

Ahaus

, 31.12.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 5 min

Ihr Terminkalender ist proppenvoll, doch für dieses Gespräch haben sich Dr. Michael Pietsch und Dr. Stefanie Schmickler einen Vormittag Zeit genommen.

Wir treffen die beiden im Büro von Michael Pietsch an der Von-Braun-Straße. Der 57-Jährige führt die Unternehmensgruppe Pietsch mit Hauptsitz in Ahaus. Das mittelständische Großhandelsunternehmen ist im Bereich Sanitär, Heizung, Klima und Lüftung tätig.

Die 55-jährige Stefanie Schmickler leitet gemeinsam mit ihrem Kollegen Olaf Cartsburg in Ahaus das Augen-Zentrum-Nordwest am Domhof und die Augenklinik am St.-Marien-Krankenhaus. So unterschiedlich diese beiden Unternehmen sind, so gibt es doch eine ganz große Gemeinsamkeit der beiden Firmenchefs: Michael Pietsch und Stefanie Schmickler sind Geschwister.

Nicht nur das. Sie sind in diesem Jahr die Preisträger der von der Münsterland Zeitung und der Sparkasse Westmünsterland vergebenen Auszeichnung „Unternehmer des Jahres 2019“.

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Unternehmer des Jahres 2019

Beide haben sich in ihrer Branche einen Namen gemacht. Die Unternehmensgruppe Pietsch deckt mit fast 90 Standorten große Teile Norddeutschlands ab und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 340 Millionen Euro. „Wir sind in NRW, Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein tätig“, sagt Michael Pietsch. Hinzu kommen Aktivitäten in Sachsen.

Das Augen-Zentrum-Nordwest und die zugehörige Augenklinik am St.-Marien-Krankenhaus decken das gesamte Spektrum der Augenheilkunde nicht nur operativ, sondern auch konservativ ab. Hinzu kommen elf externe Praxen im Münsterland, im Emsland und in der Grafschaft Bentheim.

Dr. Stefanie Schmickler im Augen-Zentrum-Nordwest am Domhof.

Dr. Stefanie Schmickler im Augen-Zentrum-Nordwest am Domhof. © Christian Bödding

„Wir behandeln Patienten mit jeglichen Augenerkrankungen“, sagt Stefanie Schmickler – jährlich immerhin fast 130.000. Die Bandbreite reicht von der Bindehautentzündung bis zur Hornhautverpflanzung. Das Augen-Zentrum-Nordwest gehört zu den größten inhabergeführten Augenkliniken Deutschlands. Stefanie Schmickler holt seit einer Dekade Top-Platzierungen auf der Focus-Ärzteliste.

Familienunternehmen

Unser Gespräch beginnt mit der Frage, warum die beiden nicht zusammen im Familienunternehmen Pietsch tätig sind. „Mein Vater sah Schwierigkeiten, wenn mehrere Familiengesellschafter das Unternehmen führen“, erklärt Stefanie Schmickler. „Er hat sehr früh mit uns besprochen, dass nur ein Kind die Firmennachfolge antreten kann. Das war in Abstimmung mit der Familie mein Bruder.“

Eine Arztkarriere hat Michael Pietsch nie in Betracht gezogen. „Blut sehen, das war früher nicht mein Ding. Ein wirtschaftlicher Beruf war naheliegend.“

Für seine Schwester war der berufliche Einstieg alles andere als einfach. „Ich wurde 1989 fertig mit dem Studium und kam voll in die Ärzteschwemme.“ Stefanie Schmickler lebte damals mit ihrem Mann in Münster. „Ich hatte gehofft, um die Ecke in der Uniklinik eine Stelle zu bekommen, aber daraus wurde nichts.“

Die junge Ärztin schrieb über 50 Bewerbungen, letztendlich führte sie der Weg zurück nach Ahaus, zunächst in die Augenklinik Ahaus. „Für meinen beruflichen Lebensweg war es dann doch die richtige Entscheidung.“

Berufliche Anfänge

Mit dem Kauf der augenärztlichen Gemeinschaftspraxis von Dr. Gerl im Domhof ging es für Stefanie Schmickler beruflich steil nach oben. Ende der 2000er-Jahre folgte die Loslösung von den Klinikräumen am Schlossgraben und der Bezug der Augenklinik vom Augen-Zentrum-Nordwest am St. Marien-Krankenhaus.

Michael Pietsch stieg 1992 in das Familienunternehmen ein und arbeitete bis 1995 an Standorten in Sachsen. „Ich bin als junger Mann von der Uni ins kalte Wasser gesprungen. Das hat mir hier in der Zentrale später den Einstieg erleichtert.“

Dabei zeichneten sich die unterschiedlichen Lebenswege schon sehr viel früher ab. „Meine Schwester hatte immer andere Interessen“, erinnert sich Michael Pietsch an seine Kindheit und Jugend. Ab und zu flogen zwischen Bruder und Schwester die Fetzen. „Das härtet ab fürs Leben“, sagt Stefanie Schmickler heute dazu.

Manchmal half sie dem Bruder in jungen Jahren beim Baumhaus-Bau, denn Michael Pietsch zog es als Kind viel nach draußen. „Damals sah die Gegend hier noch ganz anders aus“, sagt er. „Da stand noch das alte Freibad als Ruine,“ unweit des Firmengeländes an der Von-Braun-Straße. „Das war die Spielecke für mich und die Nachbarsjungen. Da war meine Schwester nicht so dabei.“

Treffen der Familie

Heute sehen sich die beruflich voll eingebundenen Geschwister im privaten Kreis etwa einmal pro Monat, wenn die Großfamilie zusammenkommt. „Früher waren wir mit unserem Vater immer beim Italiener“, berichtet Stefanie Schmickler. „Da war der Italiener schon das Wohnzimmer unserer Familie.“

Ihr Vater, Dr. Fritz-Dieter Pietsch, starb vor drei Jahren. Wie sehr hat er seine Kinder unternehmerisch geprägt? „Da sind die Gene in uns beiden ganz gut gelegt worden“, antwortet Michael Pietsch. „Die Firma hat auch zu Hause am Mittagstisch stattgefunden oder am Kaminfeuer.“ Das brachte nicht nur Nachteile. „Ich habe viele Geschäftsfreunde meines Vaters in jungen Jahren kennengelernt. Man wird offener für Menschen und neue Ideen.“

Stefanie Schmickler erinnert sich daran, dass ihr Vater mitunter auch Sorgen aus dem Betrieb mit nach Hause nahm. „Für mich war es gut, so früh zu erleben, dass das Leben tagtäglich neue Herausforderungen an uns stellt und diese Herausforderungen bewältigt werden müssen.“

Die Pietsch-Zentrale an der Von-Braun-Straße in Ahaus.

Die Pietsch-Zentrale an der Von-Braun-Straße in Ahaus. © Matthias Höing

Die beruflichen Herausforderungen stemmt Michael Pietsch heute gemeinsam mit über 1300 Mitarbeitern. Stefanie Schmickler stehen rund 230 Mitarbeiter zur Seite. Beide Firmenchefs wissen, dass Menschen der Schlüssel zum Erfolg sind.

Ein Blick in das Pietsch-Zentrallager in Ahaus

Ein Blick in das Pietsch-Zentrallager in Ahaus © Pietsch

Für seine Mitarbeiter sieht sich Michael Pietsch in der Verantwortung. Zumal dann, wenn sie persönliche Schicksale erlebt haben und es gilt, sie aufzufangen, ihnen Hilfestellung und eine „Heimat“ im Unternehmen zu geben. „Eine Zeit lang für sie da zu sein, wenn die Arbeitsleistung mal nicht passt“, erklärt der Firmenchef.

„Wir haben einen Leitsatz: Menschen machen den Unterschied“, sagt der 57-Jährige. „Uns ist wichtig, dass wir zu unseren Kunden einen vernünftigen, zwischenmenschlichen Kontakt haben. Wir müssen das, was wir versprechen, auch halten. Da spielt der Mensch eine große Rolle.“

Lange Arbeitstage

Ähnlich formuliert es seine Schwester. „Bei uns steht der Patient im Mittelpunkt. Wichtig ist, dass unsere Mitarbeiter freundlich zu den Patienten sind, das beginnt schon mit der Telefonzentrale.“

„Beginnen“ ist ein gutes Stichwort. Für Stefanie Schmickler beginnt der Tag um 5.30 Uhr. Ihr Mann und sie frühstücken gemeinsam, die ausführliche Lektüre der Münsterland Zeitung gehört dazu.

„Gegen 6.30 Uhr checke ich meine Mails, die über Nacht reingekommen sind, das dauert bis gegen 6.50 Uhr.“ Nach einer Runde mit dem Hund fährt sie um kurz nach sieben Uhr zur Arbeit. „Im OP oder in der Praxis bin ich bis 13.15 Uhr.“

Nach der Mittagspause werden erneut Mails gecheckt, „meistens bin ich noch bis 20 Uhr im Augen-Zentrum.“ Feierabend hat Stefanie Schmickler dann immer noch nicht. Bis weit nach 23 Uhr sitzt sie daheim am Schreibtisch und kümmert sich als Ärztin und Geschäftsführerin um Organisatorisches. „Es sind lange Tage, aber ich mache es gerne.“

Das Augen-Zentrum-Nordwest am Domhof in Ahaus.

Das Augen-Zentrum-Nordwest am Domhof in Ahaus. © Christian Bödding

Für ihren Bruder Michael Pietsch beginnt der Tag um 6.30 Uhr mit dem morgendlichen Schwimmen. Die Zeit kann variieren, „das hängt davon ab, ob ich in Ahaus, auf Tagungen oder auf Geschäftsreisen bin.“ Ist er in Ahaus, sitzt er nach dem Frühstück spätestens um 8 Uhr in seinem Büro am Schreibtisch. „In der Regel bis 18 Uhr.“

„Man lebt für den Beruf“

Lange Arbeitstage sind das, Arbeitstage, die Ausdauer und Disziplin erfordern. Das sind auch gleich zwei der drei Tugenden, die Stefanie Schmickler als Schlüssel zum Erfolg benennt. Hinzu kommt noch Fleiß. „Ich kann mir nicht unter der Woche erlauben, eine große Feier mitzumachen, wenn ich am nächsten Tag operiere“, nennt sie ein Beispiel. „Man lebt für den Beruf.“

Disziplin ist es auch, die Michael Pietsch als Schlüssel zum Erfolg sieht. „Hinzu kommt konsequentes Arbeiten und das Setzen der richtigen Prioritäten in der Branche, in der sie tätig sind.“ Auf einem hart umkämpften Markt habe er vieles besser gemacht als die Mitbewerber, sagt Michael Pietsch in aller Bescheidenheit. Die Unternehmensgewinne seien kontinuierlich in das Unternehmen investiert worden.

Dr. Fritz-Dieter Pietsch, der Vater der beiden Preisträger.

Dr. Fritz-Dieter Pietsch, der Vater der beiden Preisträger. © Boedding, Christian

Jüngst erwarb Michael Pietsch das Bremer Traditionsunternehmen Thiele und Fendel. Für die Unternehmensgruppe Pietsch war das die Chance, sich geografisch auszuweiten. „Wir können unsere Kunden von Ahaus bis zur Küste beliefern.“

Ahaus – das ist der Dreh- und Angelpunkt. Wobei der ländliche Standort in Sachen Mitarbeitergewinnung durchaus seine Schwächen habe, sagt Stefanie Schmickler. Dabei habe Ahaus doch auch reichlich Vorteile. „Die Stadt bietet für junge Familien eine ganze Menge“, sagt sie.

Die Stadt sei über die Autobahn gut angebunden und auch für Bahnfahrer attraktiv. „Ahaus ist als Standort für unser Augen-Zentrum ein Glücksgriff“, fasst die Augenärztin zusammen. „Ich glaube, ich hätte in einer Stadt wie Berlin nie so erfolgreich tätig sein können. Hier zählen noch die Werte der Menschen.“

Ihr Bruder fasst es in einem Satz zusammen: „Ahaus ist unsere Drehscheibe, an der die Zentralabteilungen ihren Sitz haben.“

Ihr Engagement vor Ort bringt den Geschwistern nun die gemeinsame Auszeichnung zum Unternehmer des Jahres. „Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass man meine Arbeit als Ärztin, die ein 230 Mitarbeiter starkes Unternehmen führt, auch mal von der wirtschaftlichen Seite anerkennt“, sagt Stefanie Schmickler.

Michael Pietsch freut sich über die Würdigung des eigenen unternehmerischen Handelns in der Öffentlichkeit. „Unternehmer sein definiert sich auf Dauer nur über eine erfolgreiche Tätigkeit, sonst werden sie irgendwann vom Markt verschwinden.“

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