Süße Träume mit bitterem Nachgeschmack

Letzte Theaterring-Vorstellung

Die Suche nach dem (Lebens-)Glück ist wohl eine der ursprünglichsten der Menschen. Manche wollen gleich das ganz große Glück, andere, bescheidenere Menschen sind schon mit weniger zufrieden. Die Suche nach diesem ganz persönlichen Glück, nach einer glücklichen Zukunft, ist auch das Thema des Theaterstücks „Bitterer Honig“, das den Theaterring A am Mittwochabend als letzte Vorstellung vor dem Umbau der Ahauser Stadthalle beschloss.

AHAUS

von von Denise Perrevort-Elkemann

, 14.04.2011, 14:53 Uhr / Lesedauer: 1 min
Süße Träume mit bitterem Nachgeschmack

Obwohl die damals achtzehnjährige Shelagh Delaney ihr Drama bereits im Jahre 1958 schrieb, ist die Thematik der Glückssuche ebenso zeitlos wie bedrückend. „Bitterer Honig“ skizziert Charakterstudien von Menschen, die ihr Glück suchen, aber es nie wirklich finden. Zum einen ist da die siebzehnjährige Jo, hervorragend dargestellt von Jenny-Joy Kreindl. Sie, die Tulpenzwiebeln mit sich herum trägt, um sich die ständig wechselnden Wohnungen hübsch herrichten zu können, tappt von einem Unglück ins nächste. Immer wieder von der Mutter, einer Gelegenheitsprostituierten, im Stich gelassen, sucht sie Halt und Geborgenheit: Erst bei einem Matrosen, dann – schwanger und verlassen von diesem – beim schwulen Kunststudenten Geoffrey.

Auch ihre Mutter, wunderbar von Diana Körner verkörpert, sucht ohne wirklich zu finden. Mit dem Ausspruch „Als ob ich je den Anspruch hatte, eine gute Mutter zu sein“, lehnt sie jede Verantwortung für ihre Tochter und deren Glück ab und versucht stattdessen ihre eigene Sehnsucht in den Armen eines reichen Mannes zu stillen. Doch auch dies misslingt. „Bitterer Honig“ ist ein stark gespieltes Stück voller Emotionen. Der Versuch zweier Menschen, aus ihrem tristen Leben auszubrechen, und das Scheitern dieses Versuchs erschrecken durch die soziale Kälte auf der einen und amüsieren durch die manchmal derben Witze auf der anderen Seite. Körner und Kreindl, auch im wahren Leben Mutter und Tochter, gelingt es, die Mischung aus sozialem Elend und familiärem Beziehungsgeflecht glaubhaft und menschlich zu präsentieren. Auch wenn es den Protagonisten nicht gelang, ihr Glück zu finden, die Zuschauer gingen ob der schauspielerischen Leistung glücklich nach Hause.

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