200 Kinder erkunden Quantwicker Bauernhof – und stellen auch kritische Fragen

mlzTag des offenen Hofes

Beim „Tag des offenen Hofes“ gewähren Wüllener Landwirte Schülern Einblicke in landwirtschaftliche Abläufe – und das schon zum 25. Mal. Auch kritische Fragen waren kein Tabu.

Ahaus

, 10.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Mittlerweile ist es schon eine echte Tradition: Seit 25 Jahren öffnet in der Woche vor den Sommerferien ein Wüllener Bauernhof seine Türen und gewährt Ahauser Schülern einen authentischen Einblick in die landwirtschaftlichen Abläufe. Am Dienstagmorgen waren es gleich 192 Schüler und 7 Lehrer der Irena-Sendler-Gesamtschule, die jede der insgesamt sieben Stationen auf dem Hof Upgang in Quantwick unter die Lupe nahmen: Pflanzen-/Ackerbau, Düngung, Smart-Farming, Bullenmast, Hühnermast, Wald/Tiere und die Imkerei/Honig.

„Wir möchten, dass die Kinder nicht nur aus Schulbüchern Dinge über die Landwirtschaft erfahren, sondern sich selbst einen Eindruck verschaffen“, erklärt Daniel Hemker-Thiemann, Ortsvereins-Vorsitzender der Wüllener Landwirte. Auf der Rückseite seines Polo-Shirts steht der Slogan: „Redet mit uns, statt über uns.“ Hemker-Thiemann glaubt: „Wenn die Schüler in jungen Jahren ein Interesse für die Landwirtschaft zeigen, gibt es später wenig Raum für Vorurteile.“

Schüler präsentieren sich gut vorbereitet

Die Schülergruppen präsentieren sich an den Stationen gut vorbereitet. Als der Wüllener Ortslandwirt Andreas Kersting den Fünftklässlern verschiedene Pflanzen zeigt, kommen die Antworten wie aus der Pistole geschossen. Selbst über Runkelrüben und Buchweizen stolpern die Schüler nicht. „Das ist außergewöhnlich. Da muss man auch ein Lob an die Biologie-Lehrer aussprechen“, so Kersting.

200 Kinder erkunden Quantwicker Bauernhof – und stellen auch kritische Fragen

Auch die ausgestopften Tiere zogen die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich. © Johannes Schmittmann

An der nächsten Station steht die „rollende Waldschule“ mit zahlreichen ausgestopften Tieren. Von Berührungsängsten oder gar Ekel: nichts zu spüren. Stattdessen werden der Fuchs und das Wildschwein gestreichelt und Fotos zur Erinnerung gemacht. „Bei denen ist der Veganer-Trend offenbar noch nicht angekommen“, sagt Andreas Kersting und lacht.

Im Hühnerstall ist der Anzug Pflicht

Ganz besondere Vorfreude gibt es bei den Schülergruppen auf die ganz frisch geschlüpften Küken im Hühnermastbetrieb. Um Bakterien draußen zu halten, müssen Schüler und Lehrer extra in einen sterilen Schutzanzug steigen. Näher als bis zur Scheibe dürfen die Gruppen allerdings trotzdem nicht.

200 Kinder erkunden Quantwicker Bauernhof – und stellen auch kritische Fragen

Das Futter für die Küken schmeckte auch den Schülern der Irena-Sendler-Gesamtschule. © Johannes Schmittmann

„Wir sollten die erst zwei Tage alten Küken nicht überfordern. Das wäre zu viel für sie“, erklärt Hofbesitzer Markus Upgang. Für die elfjährige Chiara-Sophie Böcker trotzdem ein ganz besonderes Erlebnis: „Die kleinen Küken sind sehr süß. Es war spannend zu erfahren, wie und womit sie gefüttert werden.“ Den Schutzanzug packt sie sich als Erinnerung in den Rucksack.

Schüler zeigen Detailwissen im Bereich Landwirtschaft

Dass die Zehn- bis Elfjährigen auch schon über Detailwissen im Bereich der Landwirtschaft verfügen, zeigt sich gleich an mehreren Stellen. So gibt es kritische Anmerkungen zum Zerschreddern von männlichen Küken, Fragen nach der Dürre des Sommers und dem Bienensterben.

Nicht nur an den Stationen entwickeln sich Gespräche, sondern auch beim großen Frühstück mit selbst gebackenem Brot von den Landfrauen und frischer Milch vom Nachbarhof. Am Ende des Tages überwiegt bei den Schülern die Faszination. „Es war spannend zu sehen, wie die Bauern mit einer Drohne ihre Felder beobachten“, sagt Ole Eßling.

200 Kinder erkunden Quantwicker Bauernhof – und stellen auch kritische Fragen

Frischer Honig und lebendige Bienen sorgten für große Augen. © Johannes Schmittmann

Lutz Lübbering haben es vor allem die lebenden Bienen angetan: „Bisher kannte ich Honig nur aus der Plastikflasche. Man hat sofort geschmeckt, wie viel besser frischer Honig vom Imker schmeckt.“ Eine ganz besondere Botschaft auf einem Zettel hinterließen Jana, Meryem, Kim Phoebe und Zoe aus der Klasse 5d: „Liebe Landwirte, wir haben uns sehr über eure Freundlichkeit und über das Essen gefreut. Es ist super hier, Danke!“ Schon jetzt scheint damit klar, dass die 25. Auflage des „Tag des offenen Hofes“ nicht die letzte war.

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