Stefan Bratz hat sein Ahauser Taxiunternehmen 1993 gegründet - jetzt fragt er sich, wie lange er sich noch über Wasser halten kann. © Stephan Rape (A)
Taxis in Ahaus

Taxifahrer in Corona-Zeiten: „Ich kann nicht nur von Krankenfahrten leben“

Mit Krankenfahrten können sich die Taxiunternehmen im Corona-Lockdown gerade so über Wasser halten. Die Frage nach dem „Wie lange noch?“, besorgt die Taxifahrer in Ahaus am meisten.

Keine Feste, keine Veranstaltungen – keine Kunden fürs Taxi. Auch der umsatzstarke Dezember mit Weihnachten und Silvester wurde durch den Corona-Lockdown ausgebremst. Die Taxiunternehmen in Ahaus müssen schwere Einbußen verkraften.

Seit mehr als 25 Jahren im Dienst – aber wie lange noch?

Stefan Bratz fehlen mit seinem gleichnamigen Taxiunternehmen 2020 bis zu 80 Prozent der Einnahmen im Vergleich zu den Jahren davor. „Seit März habe ich die Hälfte meiner Autos abgemeldet“, sagt der Inhaber von Taxi Bratz. Normalerweise war das Taxiunternehmen an Wochenenden mit allen vier Taxis unterwegs. Heute reicht für die Kundennachfrage eins.

1993 hat sich Stefan Bratz mit seinem Taxiunternehmen selbstständig gemacht. Doch wie lange er unter Corona-Bedingungen noch weitermachen kann, weiß er nicht. „Das, was man sich jahrelang aufgebaut hat, das möchte man nicht einfach so aufgeben“, sagt der Inhaber. „Aber man hat das Gefühl, dass es langsam zunichte geht.“ Noch hält sich Stefan Bratz mit Krankenfahrten über Wasser. „Aber ich kann nicht nur von Krankenfahrten leben. Ich brauche auch das Tagesgeschäft.“

Am meisten plagt Stefan Bratz die Frage, wann der Corona-Lockdown beendet wird und die Gastronomie wieder öffnen darf. Denn sobald die Leute wieder in die Kneipen, Restaurants und Clubs strömen, brauchen sie für den Nachhauseweg ein Taxi. „Es ist eine Kette. Ist die Gastro zu, fahren auch keine Taxen“, sagt der Taxifahrer. „Das Gefühl ist nicht schön, nicht zu wissen, wann es weitergeht.“

Bis zu 70 Prozent der Einnahmen fehlen Taxifahrern in Ahaus

Ein ähnliches Bild bei Taxi Solmaz in Ahaus. „Es ist gar nichts los“, sagt der Inhaber. „Wir stehen nur rum.“ Auch hier sind die Umsätze um 70 Prozent eingebrochen. „Normalerweise fahren wir am Wochenende mit mehreren Autos, jetzt nur mit einem. Weihnachten und Silvester war gar nichts. Früher wurden wir an den Feiertagen mit Fahrten bombardiert.“

Taxi Solmaz hält sich, wie die anderen Ahauser Taxiunternehmen, lediglich mit einigen Krankenfahrten weiterhin über Wasser.

Kreis Borken kümmere sich nicht um die Ahauser Taxiunternehmen

Das Taxiunternehmen Brema aus Ahaus verzeichnet im Corona-Jahr 2020 ebenfalls einen Umsatzrückgang von 70 bis 80 Prozent. Von den zehn Fahrzeugen ist die Hälfte abgemeldet. „Eine Taxe kostet auch richtig Geld“, sagt Geschäftsführer Dirk Eveld. Allein die Versicherung für ein Taxi kostet etwa 700 Euro – und das alle drei Monate.

Die wenigen Fahrten, die das Taxiunternehmen Brema noch fährt, sind Krankenfahrten. „Abends hat keine Kneipe, keine Gastro geöffnet, alles ist zu. Wer will da noch mit der Taxe fahren?“, fragt Dirk Eveld. „Auch das Hauptgeschäft zwischen Weihnachten und Neujahr ist komplett weggefallen.“

Der Taxifahrer fühlt sich vom Kreis Borken allein gelassen. Für alle Taxiunternehmen mit Betriebssitz im Kreis Borken steht der Kreis für Beratungsgespräche zur Verfügung, erteilt die Genehmigungen und übt auch die Aufsicht aus. „Der Kreis Borken hat sich bis heute nicht gekümmert“, sagt er. „Da fragt auch keiner nach, wie es einem geht. Traurige Sache.“

Dirk Eveld hofft, dass das öffentliche Leben nach dem Corona-Lockdown wieder seinen geregelten Weg einnimmt. „Wenn man neun oder zehn Monate ausgebremst wird, was das Ausgehen angeht, dann gewöhnt man sich daran“, sagt er. „Zu Hause feiern ist billiger als loszugehen.“ Denn sollten die Leuten nicht ausgehen wollen, obwohl sie dürfen, schreiben die Taxiunternehmen weiter rote statt schwarze Zahlen.

Über die Autorin
Volontärin
In der Grafschaft Bentheim aufgewachsen, während des Journalismus-Studiums in NRW verliebt. Danach über 2 Jahre in Kanada gelebt und jetzt wieder zurück im Lieblingsbundesland. Seit 2020 Volontärin bei Lensing Media
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Anne Schiebener

Ahaus, Heek und Legden am Abend

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