Eine Brücke für den Schlossgarten – die Diskussion darüber zieht sich seit Jahren hin. Tobias Groten, Gründer und CEO der Tobit.Labs, dauert das zu lange. Er wirbt für mutige Entscheidungen und möchte die mit Technologie beschleunigen. © Stephan Rape
Pushcon-Auftakt

Technik soll helfen: Tobias Groten fordert mehr Tempo für Entscheidungen

Mehr Tempo mit mehr Technik – ein oft wiederholter Wunsch von Tobias Groten. Auch bei dieser Pushcon. Dieses Mal steht eine Brücke für die Schlossgräfte im Fokus.

Auftakt der Pushcon, Tobias Groten erzählt seine digitale Gute-Nacht-Geschichte vor vollem Haus. Im Publikum: Geschäftsleute aus Ahaus und Umgebung, Vertreter der Verwaltung, Kunden und Mitarbeiter der Tobit.Labs.

In etwas weniger als einer Stunde präsentiert der Gründer und CEO der Tobit.Labs ihnen seine Gedanken. Gedanken zu technischem Wandel, zu anstehenden Umwälzungen und ganz konkret zum Tempo bei Projekten in Ahaus. „Die müssten nicht immer alle richtig sein und kommen manchem auch quer vor“, räumt er ein. „Aber wir müssen irgendwie aus den Socken kommen“, sagt er.

Jahrzehntelanges Gezerre um eine Brücke über die Gräfte

Das ganz lokale Beispiel kommt dieses Mal erst ganz zum Schluss des Vortrags: die angedachte Brücke vom Schloss in den Schlossgarten. „Eine Diskussion über nichts“, wie er es nannte. Tatsächlich zieht sich das Ringen um eine neue dauerhafte Brücke über die Schlossgräfte schon seit Jahrzehnten durch verschiedene politische Gremien und Verwaltungen.

„Einfach, weil die Eier fehlen, eine Entscheidung zu treffen“, polterte er von der Bühne im Atrium auf dem Tobit.Campus. Irgendwann müsse aber mal jemand entscheiden, „denn wir kommen nicht weiter, wenn wir sitzen bleiben, abwarten und diskutieren“, sagte er. Dabei sei ihm letztlich egal, ob eine Brücke gebaut werde oder nicht. Es gehe um den Weg zu einer Entscheidung.

Technologie soll bei Entscheidungen helfen

Und den wolle er vereinfachen: durch Technologie. In diesem Fall „Augmented Reality“: die Simulation einer Brücke durch die Kamera eines Smartphones. „Für eine Entscheidung braucht man die Meinung der Menschen“, so Tobias Groten. Durch Technik könnten sich die Menschen selbst ein Bild machen – und dann „ihren Senf dazu geben.“ Daran zeige sich, ob so eine Brücke überhaupt gewollt sei oder nicht. In Kürze soll vor Ort ein QR-Code aufgestellt werden, über den sich die Brücke per Smartphone simulieren lässt.

Und wieder im etwas größeren als dem Ahauser Rahmen: Aktuelle Probleme ließen sich nicht durch Abwarten lösen: „Wir brauchen Technologie, um auch in Zukunft Dinge zu nutzen, wie wir sie heute kennen“, sagte er. Sei es in der Gastronomie, beim Fachkräftemangel, bei Logistik und Autoverkehr oder der Energieversorgung. Das liege auch daran, dass sich die Gesellschaft längst gewandelt habe. „Wir haben von allem eigentlich zu viel“, sagte er. Gerade junge Menschen hätten ganz andere Ziele als seine eigene konsumgetriebene Generation.

Abwarten hilft nicht weiter

„Es bringt nichts darauf zu warten, dass jetzige oder künftige Studenten demnächst Lkw fahren wollen oder kellnern gehen“, so Tobias Groten weiter. Anderes Beispiel: Es gehe nicht darum, beim nächsten Auto einen kleineren Verbrennungsmotor zu kaufen, sondern den mutigen Schritt zu machen und auf das E-Auto zu setzen. Am Ende langer Applaus für Tobias Groten, bevor das Publikum im Atrium weiter feiert.

Stadtrat hat schon Druck gemacht, um Schlosspark zu entwickeln

Abseits von Pushcon, Technologie und möglichen Brücken-Plänen ging es zuletzt auch der Ahauser Politik mit der Entwicklung des Schlossgartens viel zu langsam: „Wir doktern schon sehr lange am Schlossgarten herum“, hatte Dr. Michael Räckers (CDU) in der jüngsten Ratssitzung erklärt. Andreas Dönnebrink (SPD) pflichtete ihm bei: An vielen Punkten in der Stadt werde über Gesamtkonzepte gesprochen. Auch im Schlossgarten. „Wir haben viele Anfänge“, erklärte er. Doch noch sei von Ergebnissen nichts zu sehen. Bürgermeisterin Karola Voß machte deutlich, dass die Verwaltung diese Vorstöße unterstütze. „Wir benötigen aber auch die Ressourcen“, sagte sie. Das werde noch ein paar Monate dauern.

Gemeinsam hatten alle Ratsfraktionen außer der FDP beantragt und beschlossen, eine Stelle für einen Landschaftsplaner oder eine -planerin zu schaffen, die das Konzept für den Schlossgarten voranbringen soll. Diese Stelle wird geschaffen, ist allerdings bis 2023 befristet.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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