Teile der historischen Ahauser Landwehr in Ammeln nachgewiesen

Heimatforschung

Heimatforscher Wilhelm Wilming war zufällig vor Ort, als in Ammeln Erdarbeiten stattfanden. Zwei dunkle Streifen im Boden konnte er direkt als eine historische Wehranlage identifizieren.

Ahaus

von Wilhelm Wilming

, 15.07.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bei Planierungsarbeiten in Ammeln sind Spuren eines Graben-Wall-Systems der historischen Ahauser Landwehr sichtbar geworden.

Bei Planierungsarbeiten in Ammeln sind Spuren eines Graben-Wall-Systems der historischen Ahauser Landwehr sichtbar geworden. In der Mitte ist deutlich der Untergrund des hellsandigen Walls zu sehen, flankiert von dunkel gefärbten Gräben. Im hinteren Bereich des Fotos befanden sich die Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Familie Kaiser. © Wilhelm Wilming

So sieht ein beispielloser Zufall aus: Bei der Planierung des Areals der aufgegebenen Hofstelle Kaiser in Ammeln trat zutage, was Luftaufnahmenschon vermuten ließen: Wo die Hofgebäude standen, verlief die Ahauser Landwehr. Die laufenden Erdarbeiten boten dem zufällig vorbeiradelnden Ahauser Wilhelm Wilming, der diese Zeilen als Gastautor geschrieben hat, die Gelegenheit, die Spuren dieser historischen Wehranlage als solche zu bestätigen und in einem Foto festzuhalten.

Eine Landwehr bestand in der Regel sowohl aus breiten Wassergräben als auch aus Wall-Graben-Systemen, entweder mit einem Wall und zwei Gräben oder auch mit zwei Wällen und einem oder drei Gräben. Die Wälle waren meistens nicht nur mit Bäumen, sondern auch mit dichten Dornenhecken bepflanzt, sodass sie von Vieh und Mensch nur schwer zu überwinden waren. Nachdem zu Beginn des 19. Jahrhunderts die noch vorhandenen Wälle zum Teil abgetragen und die Gräben verfüllt worden waren, geriet die Landwehr weitgehend in Vergessenheit.

Dunkle Streifen deuten auf Landwehr hin

Es lassen sich aber auch heute noch einige Reste auffinden. Sie verraten sich in Luftaufnahmen manchmal durch zwei parallel verlaufende dunkle Streifen, den wiederverfüllten Landwehrgräben, die sich vom helleren Untergrund abheben. Solche Spuren konnten dort entstehen, wo die wiederverfüllten Gräben mit ihrer Feuchtigkeit an der Oberfläche einen besseren Pflanzenwuchs verursachen.

Manchmal lässt sich der Verlauf der Landwehr auch mithilfe von Flur- und Familiennamen rekonstruieren, die im Flurnamenbuch der Stadt Ahaus in großer Zahl zu finden sind. Zu suchen wäre dann zum Beispiel nach Niengrawen, Lanwer oder Ruddenboem sowie bei den Familiennamen nach Böhmer, Lanfermann, Hagemann und anderen.

Landwehren zur Erzwingung von Wegegeld

Der Heimatforscher Tenhagen, ein Vredener Kaplan aus Alstätte, hält es für sicher, dass der ursprüngliche und eigentliche Zweck die Erzwingung von Wegezollabgaben war. Seine These speist sich unter anderem aus der Tatsache, dass an den Stellen, wo Hauptwege die Ahauser Landwehr durchbrachen, Hebestellen eingerichtet waren, um Wegezoll zu erheben.

Reste einer mittlerweile witterungsbedingt verflachten Landwehr in einem Wald in der Nähe von Enning Barriere.

Reste einer mittlerweile witterungsbedingt verflachten Landwehr in einem Wald in der Nähe von Enning Barriere, ehemals bestehend aus einem Wall und zwei Gräben. © Laurenz Reichenberg

Sie verraten sich noch heute durch ihre Namen, zum Beispiel Enning Barriere an der Straße nach Legden, Heck-Jänsken (heute Wigger) an der Straße nach Schöppingen, der Ahlschke Porreer (Ahler Barriere, ehemals Gaststätte Hörst) an der Straße nach Heek oder Niengrawen in Graes an der Poststraße nach Enschede. Alle Durchlässe, auch die ohne Hebestelle, waren mit verschließbaren Schlagbäumen versehen und wurden bewacht.

Spuren der historischen Ahauser Landwehr in Ammeln

Ein erster deutlich erkennbarer Landwehrrest aus einem Wall und zwei Gräben beginnt etwa 330 Meter nordöstlich von Enning Barriere, in einem Wald rechts der Straße. Der Wall läuft in nordöstliche Richtung und endet nach etwa 200 Metern. Links des Waldes, auf der gegenüberliegenden Straßenseite, ist ein Doppelwall zu finden, der nach etwa 50 Metern eine Kreuzung überquert, in einem weiteren Wald etwa 200 Meter weit parallel zu einem rechts angrenzenden befestigten Weg verläuft und am Waldrand vor einem Acker endet.

Die Landwehr wendet sich links am Brennelemente-Zwischenlager vorbei in nordwestliche Richtung. Nach etwa 700 Metern stößt sie auf ein rotgedecktes Hofgebäude. Auch wenn auf den Google-Luftaufnahmen hinter dem Hofgebäude in Richtung Nordwesten keine Spuren von Gräben mehr auszumachen sind, durfte man doch annehmen, dass die Landwehr hier in nordwestliche Richtung weiterlief.

Und so war es auch, wie das Foto von Wilhelm Wilming nun zeigt: Nach dem Abriss der Hofgebäude sowie nach Planierungsarbeiten trat im Boden deutlich ein heller, etwa fünf Meter breiter Untergrund zutage, flankiert von zwei schmalen dunkel gefärbten Zonen mit einer Breite von jeweils etwa zwei Metern. Das Ganze lasse sich zweifelsohne als Teil der alten Ahauser Landwehr verifizieren, so der Heimatforscher.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt