Neuer Bußgeldkatalog: Wo es auch in Ahaus ab sofort teurer werden kann

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Seit Dienstag gilt der neue Bußgeldkatalog, bei Verstößen kann es für Autofahrer deutlich teurer werden. Geschützt werden sollen vor allem Radfahrer. Und von diesen gibt es viele in Ahaus.

Ahaus

, 30.04.2020, 12:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Gerade für Autofahrer kann es seit Dienstag deutlich teurer werden, die Stadtkasse hingegen könnte davon profitieren – auch in Ahaus: Der neue Bußgeldkatalog bringt neue Regeln, darunter härtere Strafen für Falschparker und Temposünder.

Verstöße werden „einfacher“, Fahrverbote drohen schneller. Ein wesentliches Ziel: Fußgänger und Radfahrer sollen besser geschützt werden. Ebenso soll das Carsharing gefördert werden. Die Novelle in der Straßenverkehrsordnung stößt nicht nur auf Gegenliebe, sowohl der ADAC als auch die FDP hielten sich mit Kritik nicht zurück. Beiden fehle es an „Maß und Differenzierung“ – gerade bei Tempoverstößen.

Insbesondere Radfahrer sollen durch die neuen Verordnungen geschützt werden. Ab sofort ist es nicht einmal mehr gestattet, auf den Schutzstreifen für Radfahrer zu halten. So wie hier am Ahauser Friedhof auf der Straße Zum Rotering.

Insbesondere Radfahrer sollen durch die neuen Verordnungen geschützt werden. Ab sofort ist es nicht einmal mehr gestattet, auf den Schutzstreifen für Radfahrer zu halten. So wie hier am Ahauser Friedhof auf der Straße Zum Rotering. © Michael Schley

Beim Thema Parken gibt es teils drastische Verschärfungen für die Ahndung von Fehlverhalten. Nach der neuen Bußgeld-Verordnung darf etwa auf Schutzstreifen für Radfahrer am Straßenrand nicht einmal mehr gehalten werden. Wer das dennoch tut, dem drohen bis zu 100 Euro Strafe und sogar ein Punkt in Flensburg. Bisher war Halten dort bis zu drei Minuten lang erlaubt – so zum Beispiel auch am Ahauser Friedhof auf der Straße Zum Rotering.

Unerlaubtes Parken wird deutlich teurer

Auch die unerlaubte Nutzung von Gehwegen, linksseitig angelegten Radwegen und Seitenstreifen wird – statt bisher mit bis zu 25 Euro – nun mit bis zu 100 Euro Geldbuße geahndet. Ein weiteres Beispiel, das gerade in Innenstädten für ein Umdenken sorgen könnte: Parken in zweiter Reihe wurde bisher mit 20 Euro geahndet, jetzt wurde die Strafe mehr als verdoppelt: 55 Euro werden fällig. Wer dabei auch noch andere behindert oder gefährdet, riskiert sogar ein noch höheres Bußgeld und muss bis zu 110 Euro zahlen.

Großzügig ausscheren: Konkretisiert wurde mit der Novelle der Sicherheitsabstand, mit dem Radfahrer inner- wie außerorts mindestens überholt werden müssen.

Großzügig ausscheren: Konkretisiert wurde mit der Novelle der Sicherheitsabstand, mit dem Radfahrer inner- wie außerorts mindestens überholt werden müssen. © Michael Schley

Seitens des Ordnungsamtes der Stadt Ahaus erhofft man sich durch die Erhöhung der Bußgelder vor allem eine „abschreckende Wirkung“, wie Stefan Hilbring von der Pressestelle mitteilt – in Ahaus stoße man erfahrungsgemäß aber auf „große Vernunft“ bei den Autofahrern: „Echte neuralgische Punkte, an denen immer wieder verkehrswidrig geparkt wird, kennen wir in Ahaus nicht.“

Höhere Bußgelder könnten „abschrecken"

Auch warte auf die Mitarbeiter des Ordnungsamtes „nicht mehr Arbeit“. Am Rathaus selbst gilt es übrigens ebenso künftig Vorsicht walten zu lassen: Wer auf dem Schwerbehinderten-Parkplatz oder auf dem für E-Carsharing-Fahrzeuge vorgesehenen Parkplatz widerrechtlich parkt, muss 55 Euro zahlen.

Das E-Carsharing ist auch in Ahaus aktuell: Wer einen solchen Parkplatz wie am Rathaus widerrechtlich blockiert, der ist mit 55 Euro Strafe dabei.

Das E-Carsharing ist auch in Ahaus aktuell: Wer einen solchen Parkplatz wie am Rathaus widerrechtlich blockiert, der ist mit 55 Euro Strafe dabei. © Michael Schley

Ebenso die Sicherheit von Radfahrern stärken soll die Erhöhung des Sicherheitsabstandes beim Überholvorgang: Wer Fahrräder überholt, muss im Ort künftig mindestens 1,5 Meter Abstand halten, außerorts gar zwei Meter. Damit wurde das Maß konkretisiert, bisher war lediglich ein „ausreichender Seitenabstand" vorgeschrieben.

Sicherheitsabstand beim Überholvorgang

Lkw dürfen innerorts nur noch in Schrittgeschwindigkeit abbiegen – Stichwort „Toter Winkel“. Auch in Ahaus gab es schon häufiger schwere Unfälle mit Radfahrern, vor allem an Kreisverkehren. „Dass gerade Radfahrer mehr geschützt werden sollen, ist eine gute Sache. Zum Beispiel auch auf den Sonderwegen“, erklärt dazu Fahrlehrer Guido Franke. Fahrradfahrer dürfen jetzt sogar offiziell nebeneinander fahren, sofern sie den Verkehr nicht behindern.

Lkw über 3,5 Tonnen müssen ab sofort innerorts in Schrittgeschwindigkeit abbiegen. So wird gerade Gefahrenpotenzial für Radfahrer gemindert.

Lkw über 3,5 Tonnen müssen ab sofort innerorts in Schrittgeschwindigkeit abbiegen. So wird gerade Gefahrenpotenzial für Radfahrer gemindert. © Michael Schley

Richtig teuer werden kann es für Temposünder: In Ortschaften reichen von nun an 21 Stundenkilometer mehr als erlaubt, um 80 Euro Strafe, einen Punkt und einen Monat Fahrverbot zu kassieren (bisher 31 km/h). Außerorts liegt die Grenze bei 26 km/h. Wichtig: Anders als bisher kann schon beim ersten Mal der Führerschein für einen Monat weg sein.

Bußgelder verdoppeln sich

Außerdem: Wer bis zu 20 Stundenkilometer zu schnell fährt, muss innerorts wie außerorts künftig auch mit doppelt so hohen Bußgeldern rechnen wie bisher. Und das passiert auf gut ausgebauten Straßen wie der Parallelstraße „im Gedanken" durchaus einmal. „Insgesamt erhöht das sicher die Verkehrssicherheit, man ist aber deutlich schneller im Fahrverbot“, so Guido Franke.

Von Autofahrern wird noch mehr ein vorausschauendes Fahren eingefordert: Erhöhte Vorsicht gilt zum Beispiel auch, wenn Radfahrer vom Radweg auf die Fahrbahn wechseln – so wie auf dem Hessenweg.

Von Autofahrern wird noch mehr ein vorausschauendes Fahren eingefordert: Erhöhte Vorsicht gilt zum Beispiel auch, wenn Radfahrer vom Radweg auf die Fahrbahn wechseln – so wie auf dem Hessenweg. © Michael Schley

Achtung: Das Nutzen einer Blitzer-App während der Fahrt kostet ab sofort 75 Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg, wer seinen Motor gerne einmal aufheulen lässt oder unnötig hin- und herfährt, der ist mit bis zu 100 Euro dabei. Eine schnelle Unachtsamkeit kann folglich schnell teuer zu stehen kommen.

Wer Rettungsmaßnahmen behindert, der muss kräftig zahlen

Eine Regel-Verschärfung könnte die Autofahrer zudem treffen, die an der Anschlussstelle Ahaus/Legden auf die A31 fahren. Wer nämlich im Stau unerlaubt durch eine Rettungsgasse für Einsatzfahrzeuge fährt, kann mit bis zu 320 Euro, einem Monat Fahrverbot und zwei Punkten im Strafenregister bestraft werden. Diese Regelung ist vollkommen neu: Bislang drohte eine derartige Strafe nur, wenn Autofahrer keinen Platz für eine Rettungsgasse bildeten. Übrigens gilt generell: Wer Einsatz- oder Rettungsfahrzeuge behindert, muss mit 100 Euro Strafe und einem Punkt rechnen.

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