Unter dem Titel „Mit 80 Jahren um die Welt“ unternehmen sechs ältere Menschen, von Kameras begleitet, fürs ZDF die Reise ihres Lebens. Mit dabei: Theo Hassels aus Alstätte.

Ahaus

, 25.07.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Es ist nie zu spät für ein großes Abenteuer: Theo Hassels aus Alstätte hat mit 79 Jahren die Reise seines Lebens unternommen. Gemeinsam mit fünf anderen Senioren ging es einen Monat lang auf Tour für die ZDF-Reihe „Mit 80 Jahren um die Welt“.

Mitte Januar bekommt Theo Hassels einen Anruf von seiner Tochter Silvia. Ihre Frage: „Hast du Lust, eine Weltreise zu machen? Es wird dich gleich jemand anrufen, Alex aus Berlin.“ Theo Hassels hat Lust. Und so beantwortet er geduldig die Fragen des Mitarbeiters der Berliner Produktionsgesellschaft Talpa. Kurz darauf erhält er per Post einen Fragenkatalog, den er per Handy-Video beantworten soll. „Zusätzlich habe ich vor der Kamera noch ein Stück auf meiner Tuba gespielt“, erzählt der Alstätter.

Einen Tag lang Casting

Ein paar Tage später ruft die Produktionsfirma erneut an. Ob sie mal mit einer Kamera vorbeikommen könnten, sie würden ihn gerne näher kennenlernen. „Wir haben einen Termin ausgemacht und sie waren dann einen ganzen Tag fürs Casting hier.“ Gedreht wird nicht nur in der Wohnung in der Straße An’t Schwesternbüschken, sondern auch am Grab seiner vor einem Jahr verstorbenen Frau Maria.

Mehrere Male muss Theo Hassels beim Gang aus dem Haus die Haustür zuziehen. „Nochmal, und nochmal. Die wollten sehen, wie man drauf ist, ob man fit ist.“ Eine Stunde lang muss der 79-Jährige in die Kamera sprechen. „Ich habe gar nicht gewusst, dass das so schwer ist. Du darfst nicht in die Kamera schauen, sondern immer nur zu der Person, die die Fragen stellt.“

Theo, du kannst die Koffer packen“

Ein weiterer Drehtermin in Alstätte folgt, Anfang März meldet sich Talpa erneut. Er stehe an vierter Stelle bei den Männern, wird Theo mitgeteilt. Doch nur drei Männer können mit den drei Frauen auf Weltreise gehen. Er solle das nicht so eng sehen, in den meisten Fällen falle noch jemand aus. „So ist es auch gekommen. Ein paar Tage später kam noch ein Anruf: Theo, du kannst die Koffer packen. Du bist dabei.“

Abermals ist Talpa mit der Kamera in Alstätte. Nun müssen Kinder, Enkelkinder, Verwandte, Freunde und Nachbarn erzählen. „Ob der Opa sich freut, zum Beispiel“, erinnert sich Theo Hassels an eine Frage, die den Enkelkindern gestellt wird.

Genaue Anweisungen

Der 79-Jährige erhält von der Produktionsfirma genaue Anweisungen: welche Impfungen er benötigt, wie viel Gepäck er mitnehmen darf, was er über die Weltreise anderen erzählen darf (nichts) und vieles mehr. Dann geht es endlich los. Am 1. April dieses Jahres reist Theo Hassels nach Frankfurt. Dort trifft er das erste Mal auf die anderen fünf Weltreisenden; auf Ernst, Ruth, Marianne, Wolfgang und Gisela. Sie alle kommen aus den unterschiedlichsten Orten Deutschlands, doch eines eint sie: alle, auch Theo, haben einen Schicksalsschlag erlebt.

Am 2. April trifft die Gruppe am Flughafen Frankfurt auf den Moderator und „Reiseleiter“ Steven Gätjen. Er verrät das erste Ziel der Weltreise: Kuba. „Business-Klasse. Alles vom Feinsten“, fasst Theo Hassels den Flug zusammen. „Ich hatte Glück und einen Fensterplatz.“

ZDF erfüllt Herzenswunsch

Jedem der sechs Reisenden erfüllt das ZDF an einem der sechs Reiseorte einen Herzenswunsch. Theos Wunsch geht gleich auf Kuba in Erfüllung. Steven Gätjen bereitet dem ehemaligen Lastwagenfahrer und leidenschaftlichen Rettungsschwimmer eine Überraschung am traumhaften Karibikstrand. Zu sehen ist das in der 1. Folge, die am Dienstag, 13. August, um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt wird.

Am 7. April geht es zum zweiten Reiseziel. Die Truppe erlebt das südamerikanische Peru. Theo Hassels wird beim Motorschirmfliegen an der Steilküste sportlich herausgefordert. Dafür gibt es zur Belohnung Lima aus der Vogelperspektive.

Theo Hassels (79) aus Alstätte reiste fürs ZDF einen Monat um die Welt

Theo Hassels (2.v.r.) mit seinen fünf Mitreisenden sowie dem Moderator und „Reiseleiter“ Steven Gätjen (2.v.l.) in Japans Hauptstadt Tokio. © Privat

Am 12. April folgt das nächste Reiseziel: Kanada. Für Theo Hassels ist es an der Zeit, seine warme Kleidung auszupacken, um die Schönheit der Wildnis Kanadas zu erleben. Mit den anderen Senioren – und immer begleitet von der Kamera – geht es auf einen Roadtrip durch Ontario. Beim Holzhacken und am Lagerfeuer kommen nicht nur bei Theo Hassels, sondern auch bei den anderen Senioren Erinnerungen und Emotionen hoch. „Davon werden sicher Ausschnitte erscheinen.“

Japan, „der reinste Wahnsinn“

Am 17. April geht es zum vierten Reiseziel: Japan. „Der reinste Wahnsinn“, sagt Theo Hassels über die japanische Hauptstadt Tokio, mit über 37 Millionen Einwohnern die größte Metropolregion der Welt. Die gelebte Pflege uralter Traditionen lernt der Alstätter bei einer klassischen Teezeremonie kennen.

Am 22. April heißt es Koffer packen für das fünfte Etappenziel: Kambodscha. Die sechs abenteuerlustigen Senioren besichtigen bei 39 Grad Celsius und mit nassen Tüchern auf dem Kopf den Tempelkomplex Angkor Wat. Zusammen mit Steven Gätjen hat Theo Hassels die Möglichkeit, gegrillten Skorpion und frittierte Maden zu verspeisen.

Am 26. April fliegt die Gruppe zur letzten Station ihrer Weltreise: Thailand. Auf einem landestypischen Longtail-Boot entdeckt Weltenbummler Theo Hassels Bangkok und geht auf Tuchfühlung mit einem Dickhäuter in einer Elefanten-Auffangstation. „Da hatte ich mich auch schon an die Kamerateams gewöhnt und auch an das Schminken vor jedem Interview.“

Ein Koffer voller Eindrücke

Mit einem Koffer voller Eindrücke aus sechs Ländern geht es schließlich zurück nach Deutschland. Am 1. Mai landet der Flieger morgens um 6 Uhr in Frankfurt, am Nachmittag ist Theo Hassels wieder in Alstätte. Der Alltag hat ihn wieder.

Dabei hat der 79-Jährige auch heute, fast drei Monate nach Ende der Reise, noch längst nicht alle Eindrücke verarbeitet. Dazu zählt ein höchst emotionaler Moment auf Kuba, wo er gemeinsam mit Steven Gätjen am Strand saß und ein langes Gespräch mit dem Moderator führte. „Ich habe so mit ihm zusammen geheult“, äußert Gätjen in einem Interview auf der ZDF-Homepage. Theo Hassels berichtete dem Moderator von der tragischen Wende in seinem Leben. 2007 stürzte seine Frau Maria schwer und war nicht mehr ansprechbar. Die Diagnose: Maria hatte einen Schlaganfall und Hirnblutungen.

Schicksalsschlag

Theo Hassels musste das Leben neu ordnen. Zuerst nahm er noch Pflegehilfe zu Hause in Anspruch, später machte er alles allein. Der frühere Lkw-Fahrer verkaufte das gemeinsame Haus, zog mit seiner Ehefrau in ein betreutes Wohnheim, um sich zu entlasten. Maria Hassels verstarb 2018.

Theo Hassels (79) aus Alstätte reiste fürs ZDF einen Monat um die Welt

Theo Hassels auf einem Elefanten in Thailand. © Privat

Kraft in all den Jahren, in denen er sich um seine kranke Frau kümmerte, gaben Theo Hassels die Familie und seine Leidenschaft fürs Musizieren. Als der 79-jährige in Alstätte von der Weltreise erzählen durfte, „da war da kein Neid, keine Missgunst. Alle haben mir gesagt: Endlich einer, der es verdient hat. Darüber habe ich mich so gefreut.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt