Claire Krotofil, die bei den Tobit.Labs die Konzepte für Showcases erarbeitet, im umgebauten TKWY. In den kommenden Tagen will das Unternehmen dort einen kleinen Supermarkt eröffnen, der an sieben Tagen die Woche 24 Stunden täglich geöffnet ist. © Stephan Rape
24-Stunden-Supermarkt

Tobit.Labs rüsten Schnellrestaurant auf Supermarkt-Betrieb um

Die Tobit.Labs bieten jetzt auch einen kleinen Supermarkt an: Er soll an sieben Tagen in der Woche 24 Stunden am Tag geöffnet sein – und fast komplett ohne Personal auskommen.

Regale statt Stehtischen und Hockern, Lebensmittel und Kühltruhen statt Tresen, Einkaufen statt schneller Küche: Die Tobit.Labs haben mal wieder eines ihrer Ladenlokale in Ahaus komplett umgebaut: Das TKWY (für Take-Away, englisch: Restaurant, in dem Speisen und Getränke zum Mitnehmen angeboten werden, Anm. d. Redaktion) an der Wallstraße präsentiert sich seit einigen Tagen als kleiner Supermarkt.

Die Handhabung soll für jeden mit der Chayns-App auf dem Smartphone denkbar simpel sein: An der Tür wird ein QR-Code angebracht. Den müssen Kunden mit ihrem Smartphone scannen, um Zugang zum Geschäft zu bekommen. Dann sollen sie die Codes scannen, die zu jedem Artikel gehören. Die Bezahlung erfolgt digital ebenfalls über die App. Personal gibt es im Laden nicht. Die Software soll alles erledigen – bis auf das Auffüllen der Regale.

Diebstahl oder Vandalismus sollen kein Thema sein

Sorgen vor Diebstahl oder Vandalismus mache sich das Unternehmen erst einmal nicht. Einerseits, weil zunächst nur Stammkunden Zugang zum Markt bekommen. Andererseits, weil das Modell an anderer Stelle schon erfolgreich getestet wurde. Etwa bei den Spieleschränken im Schlossgarten: „Da hat am Ende nicht ein Ball gefehlt“, sagt Claire Krotofil. Sie erarbeitet bei den Tobit.Labs die Konzepte für die einzelnen Restaurants und Lokale – Showcases genannt. Ähnlich laufe es hoffentlich im neuen Markt. Auch das sei aber Teil der Erprobung.

Neben der Gastronomie, der Hotellerie und dem Verleih von Elektrofahrrädern sowie Carsharing will sich das Software-Unternehmen aus Ahaus damit ein neues Test- und Geschäftsfeld erschließen: „Waren- und Einzelhandel ist ja in diesem Maßstab komplett neu für uns“, sagt Claire Krotofil.

Wie auch die anderen Anwendungen und Showcases von Tobit lässt sich auch der neue Supermarkt im TKWY an der Wallstraße zentral per Smartphone steuern. Das Angebot steht über die Seite des TKWY zur Verfügung und soll nach und nach freigeschaltet werden. www.tkwy.de

Dabei gehe es dem Unternehmen nicht darum, Konkurrenz zu den bestehenden Supermärkten aufzubauen. Viel mehr sollen wieder einmal Systeme und Abläufe getestet werden. „Wir wollen im Kleinen zeigen, wie es funktionieren kann“, sagt sie. Gerade in kleinen Gemeinden, in Ortsteilen oder Wohngebieten sieht sie eine Zukunft für kleine Märkte ohne viel Personal: „Wenn dort der letzte Supermarkt schließt, wäre so ein Geschäft als zentraler Versorgungspunkt ein idealer Ersatz“, sagt sie. So könne auch in der Zukunft die Nahversorgung gesichert werden.

Versorgung mit Dingen des täglichen Bedarfs

Das Angebot drehe sich nicht um den großen Wocheneinkauf, sondern um die Versorgung mit Dingen des täglichen Bedarfs. Wie genau das Sortiment sich entwickle, welche Produkte dazukommen oder aussortiert werden, soll die Zukunft zeigen. Aktuell gibt es beispielsweise eine kleine Auswahl von Frühstücksprodukten, haltbaren Lebensmitteln, Getränken oder Haushaltsbedarf. „Alles, was zum Beispiel fehlt, wenn plötzlich Gäste vor der Tür stehen“, sagt Claire Krotofil. Möglich sei, dass zukünftig auch frisches Obst oder Gemüse dazukommen. „Praktisch ein erweitertes Angebot, wie es auch in Tankstellen erhältlich ist, allerdings zu normalen Preisen“, erklärt sie.

Gleichzeitig soll der Markt als Station in den digitalen Stadtrundgängen dienen: Die bieten die Tobit.Labs zusammen mit AMT und der Stadt Ahaus an. Dabei präsentieren sie unterschiedliche Anwendungsbeispiele für Software sowie die Digitalisierung und Vernetzung in der Stadt.

Küche des TKWY läuft hinter den Kulissen weiter

Und was ist mit der Küche des TKWY? Die besteht weiter – hinter den Kulissen. „Der Gastraum hier passte ja nie so richtig“, erklärt Claire Krotofil. Schließlich gehe es in einem Take-away darum, sich das Speisen oder Getränke abzuholen. Nicht vor Ort zu essen. Die Abholung ist weiterhin möglich: Über die Terminals an der Schlossstraße. Lediglich der Gastraum und der offene Tresen wurden abgebaut. Aber die könnten wegen der Corona-Pandemie im Moment ja ohnehin nicht genutzt werden.

Der kleine Markt soll am Wochenende für die ersten Kunden geöffnet werden. Ein Kreis von rund 500 Nutzern. Dieser soll dann nach und nach erweitert werden.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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