Todesfahrer erneut vor Gericht

Wiederholungstäter

Das war mehr als eine Fahrt auf einem frisierten Mofa, die sich ein junger Mann in der Ahauser Innenstadt geleistet hat. Darum wird dieser Fall nun das Landgericht in Münster beschäftigen. Denn er hat eine Vorgeschichte: notorische Raserei, die vor zweieinhalb Jahren mit dem tragischen Tod eines jungen Heekers in Wüllen ihren traurigen Höhepunkt fand.

AHAUS

, 26.04.2016, 17:57 Uhr / Lesedauer: 2 min
Am Wüllener Ortseingang erinnert dieses Kreuz an einen 18-jährigen Heeker, der im Dezember 2013 sein Leben verlor, als ein 22-jähriger Schöppinger mit überhöhtem Tempo ins Dorf fuhr und einen Unfall verursachte. Jetzt musste sich der Unfallfahrer erneut wegen eines Verkehrsvergehens vor Gericht verantworten.

Am Wüllener Ortseingang erinnert dieses Kreuz an einen 18-jährigen Heeker, der im Dezember 2013 sein Leben verlor, als ein 22-jähriger Schöppinger mit überhöhtem Tempo ins Dorf fuhr und einen Unfall verursachte. Jetzt musste sich der Unfallfahrer erneut wegen eines Verkehrsvergehens vor Gericht verantworten.

Es geht um D., einen heute 22 Jahre alten Schöppinger. Am 11. November 2015 wurde er von der Polizei in Ahaus gestoppt. Es stellte sich heraus, dass D. mit einem Mofa unterwegs war, das technisch so manipuliert war, dass es schneller als erlaubt fuhr. So schnell, dass D. für die Fahrt einen Führerschein gebraucht hätte.

Für Unfall mit tödlichem Ausgang verantwortlich

Den aber hatte ihm das Jugendschöffengericht schon vor zwei Jahren entzogen, nachdem D. in Wüllen mit stark überhöhter Geschwindigkeit einen schweren Unfall verursacht hatte, bei dem ein 18-jähriger Heeker sein Leben verlor. An diesen Unfall hatte die Kreispolizei erst in der vergangenen Woche im Rahmen ihres Blitzmarathons erinnert (wir berichteten).

Fast gleichzeitig musste sich D. jetzt wegen seiner Mofafahrt ohne Führerschein vor dem Amtsgericht in Ahaus verantworten. Das noch nicht rechtskräftige Urteil teilte Amtsgerichtsdirektor Benedikt Vieth gestern auf Anfrage der Münsterland Zeitung mit: D. soll 3000 Euro Geldstrafe bezahlen (60 Tagessätze à 50 Euro). Die Führerscheinsperre, die ohnehin noch bis ins Jahr 2017 reicht, wird um sechs Monate verlängert. Das frisierte Mofa wird eingezogen.

Freiheitsstrafe gefordert

Der Bewährungshelfer des Angeklagten hatte im Prozess entlastend die positive Entwicklung des 22-jährigen hervorgehoben. Er habe an einer Verkehrserziehung teilgenommen und stehe in einem festen Beschäftigungsverhältnis. Die Staatsanwaltschaft dagegen forderte ein strengeres Urteil: eine Freiheitsstrafe auf Bewährung. Gegen das Urteil des Amtsgerichts vom 18. April legt sie Rechtsmittel ein. Nun muss der Fall erneut vor dem Landgericht in Münster verhandelt werden.

Seit 2013 war der junge Schöppinger der Polizei immer wieder durch eklatante Tempoverstöße und Unfälle aufgefallen (siehe Infokasten). Nach dem tödlichen Unfall verurteilte ihn das Jugendgericht vor zwei Jahren zu einem Jahr Jugendstrafe auf Bewährung, Betreuung durch einen Bewährungshelfer, 1000 Euro Geldbuße und einem dreijährigen Führerscheinentzug wegen fahrlässiger Tötung. Über die Folgen des neuerlichen Verstoßes gegen die damaligen Bewährungsauflagen steht noch eine gesonderte richterliche Entscheidung noch aus.

Führerschein 2017 zurück?

Übrigens: Nach Ende der vom Gericht verhängten Führerscheinsperre im Jahr 2017 erhält der Schöppinger die Fahrerlaubnis nicht ohne weiteres zurück. Das Straßenverkehrsamt in Borken kann zuvor eine medizinisch-psychologische Untersuchung (abgekürzt: MPU) anordnen. Diese Prüfung könnte auch zu dem Ergebnis führen, dass der Schöppinger nicht geeignet ist, ein Fahrzeug zu führen.

Aus der Chronik eines Wiederholungstäters

  • Sommer 2013: D. fällt vielfach als rasender Pizzalieferant in Schöppingen auf. Anwohner beschweren sich bei der Polizei.
  • Spätsommer 2013: Der Bezirksbeamte in Schöppingen ermahnt D. wegen der Tempovergehen.
  • November 2013: D. wird innerorts in Coesfeld mit 91 km/h geblitzt.
  • 11. Dezember 2013: D. erhält aus Coesfeld einen Bußgeldbescheid über 200 Euro. Gleichzeitig wird eine vierwöchige Führerscheinsperre verhängt, die aber nicht sofort wirksam wird.
  • 15. Dezember 2013: D. hat einen Unfall nach waghalsigen Schleudermanövern (Driften) in der Heeker Bauerschaft Bült. Es bleibt beim Blechschaden.
  • 16. Dezember 2013: D. liefert sich ein Wettrennen auf der Landstraße 579 zwischen Heek und Schöppingen mit Spitzengeschwindigkeiten von 180 km/h. Es endet mit einem Unfall - und nur mit Glück ohne Tote und Schwerverletzte. Eine Mitfahrerin redet den Fahrern ins Gewissen: "Ihr müsst mit der Raserei aufhören. Sonst landet noch einer auf dem Friedhof."
  • 22. Dezember 2013: D. rast viel zu schnell in die Ortschaft Wüllen, verliert die Kontrolle über den Golf und rast in einen Vorgarten. Sein 18-jähriger Beifahrer stirbt einen Tag später an schwersten Kopfverletzungen.
  • 11. November 2015: Noch in seiner Bewährungszeit stoppt die Polizei D. in Ahaus ohne Führerschein auf einem frisierten Mofa. 
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