Tote Karpfen in der Schlossgräfte – Stress als Todesursache?

mlzFischsterben

In der Schlossgräfte trieben vor Kurzem tote Karpfen. Die ersten Untersuchungsergebnisse zur Todesursache sind da und könnten Konsequenzen für das Ruderboot-Projekt haben.

Ahaus

, 19.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit einigen Wochen wurden in Ufernähe der Ahauser Schlossgräfte vermehrt tote Fische aufgefunden. Bei den Fischen, die an der Wasseroberfläche trieben, handelte es sich um ausgewachsene Karpfen. Die ersten Untersuchungsergebnisse geben nun Aufschluss über die mögliche Todesursache.

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Dass in der Laichzeit Fische sterben, sei nicht ungewöhnlich, erklärte Marek Wycisk, Vorsitzender des Angelsportvereins „Sportfischer Ahaus“. Zwei bis drei Fische pro Tag seien jedoch mehr als sonst. Aus diesem Grund schickten die Ahauser Angler die toten Fische an den Fischgesundheitsdienst des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen in Albaum.

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Zwar sind bisher nur Karpfen verendet, doch konnte nicht ausgeschlossen werden, ob auch andere Fischarten betroffen sind. In einer aufwändigen Fangaktion wurden daher zusätzlich lebende Karpfen, Rotaugen und Barsche vom Angelverein gefangen und zur Sektion nach Albaum gebracht.

Karpfen weisen hochgradigen Parasitenbefall auf

Die ersten Ergebnisse sind nun da. Während Rotaugen und Barsche keine Auffälligkeiten zeigen, weisen die Karpfen einen hochgradigen Parasitenbefall auf. Nach Einschätzung der Fachleute sehe es aktuell aber nicht nach einer Tierseuche aus. „Grund dafür könnte etwa sein, dass die Fische sehr gestresst waren“, heißt es in einer Stellungnahme des Kreis Borken, der für das Gewässer zuständig ist.

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Tod durch zuviel Stress? Die Ursachen hierfür können vielfältig sein. „Das kann insbesondere daran liegen, dass sie wegen des milden Winters keine richtige Winterruhe gehalten haben und weiter aktiv waren“, so der Kreis Borken.

Die Ahauser Schlossgräfte sei ohnehin kein optimaler Lebensraum für Karpfen: zu geringer Pflanzenbewuchs, wenig Ruhe- und Rückzugsmöglichkeiten, eine zu hohe Besatzdichte, nicht ausreichendes Futterangebot, Verfütterung von Brot durch Besucher und nicht zuletzt Stress durch Ruderboote.

Konsequenzen für das Ruderboot-Projekt

„Allerdings hat es in den vergangenen zwei Jahren, in denen es das Ruderboot-Projekt auf der Schlossgräfte gibt, keine derartigen Probleme gegeben“, sagt Ellen Bulten vom Kreis Borken. Das bestätigt auch Claudia Platte, Geschäftsführerin von Ahaus Marketing und Touristik: „Das Ruderboot-Angebot war in dieser Form nie ausgelastet, Probleme gab es bisher nie.“

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Dennoch will der Kreis Borken empfehlen, eine übermäßige Stressbelastung der Fische zu reduzieren, indem die Besatzdichte verringert wird und Ruhezonen geschaffen werden. Also abgesperrte Bereiche auf der Schlossgräfte, an die Ruderer zukünftig nicht gelangen können – jedenfalls solange nicht deutlich mehr Karpfen verenden.

Kreis behält sich weitere Maßnahmen vor

„Das ist der aktuelle Stand der Dinge“, sagt Ellen Bulten. Denn: Die Untersuchungen sind noch nicht ganz abgeschlossen. Die Ergebnisse der Virologie stehen noch aus. Sollten noch deutlich mehr Fische verenden und die ausstehenden Untersuchungen andere Hinweise auf die Todesursache hervorbringen, behält sich der Kreis vor, weitere Maßnahmen zu ergreifen.

Die Ahauser Angler wollen noch keine Empfehlung abgeben: „Wir werden die endgültigen Ergebnisse abwarten“, so Marek Wycisk. Mit dem Kreis Borken stehe der Verein weiter in engem Kontakt.

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