Touristen auf Shopping-Tour bei Ter Huurne und Moto – trotz Einreiseverbot in den Niederlanden

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In die Niederlande darf man zwar einreisen, aber dort muss man unverzüglich in Quarantäne. Halten sich die Deutschen daran? Unsere Autorin war bei Ter Huurne und Moto Markt und hat nachgesehen.

Ahaus

, 22.11.2020, 11:42 Uhr / Lesedauer: 3 min

Den Namen Ter Huurne hatte ich schon mal gehört. Moto Markt war mir unbekannt, aber offenbar stürmen vor allem Ruhrgebietler gerne die Einkaufsläden kurz hinter der niederländischen Grenze, um sich dort mit Getränken und Kaffee einzudecken. Das zumindest wurde mir erzählt. Ich habe mich am Samstag in mein Auto gesetzt und wollte mal schauen wie es im Moment dort aussieht, während Corona.

Ich habe mir im Vorfeld viele Gedanken gemacht. Darf ich überhaupt rüber? Muss ich dann in Quarantäne? Aus deutscher Sicht ist das offenbar kein Problem mehr, denn das Oberverwaltungsgericht Münster hat die in der Corona-Einreiseverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen geregelte Quarantänepflicht für Auslandsrückkehrer aus Risikogebieten gekippt.

Allerdings sehen die Niederländer das nicht ganz so locker. Wer in die Niederlande einreist, selbst für einen Tagesausflug oder zum Einkaufen, der muss sich in unverzüglich dort Quarantäne begeben.

Auf der Homepage des Auswärtigen Amtes steht klar: „Die Niederlande haben Deutschland zum Risikogebiet erklärt. Reisende aus Deutschland müssen sich in den Niederlanden für 10 Tage in Hausquarantäne (auch Ferienunterkünfte) begeben.“ Es gibt allerdings Ausnahmen. Dazu zählen auch journalistische Tätigkeiten.

Fast nichts los

Also nichts wie hin am Samstag. Ich fahre gemütlich los und als ich in der Nähe von Ahaus angelangt war, dachte ich schon „Autoströme in Richtung Grenze kann ich bisher nicht erkennen.“ Ich fuhr weiter durch Alstätte und über die deutsch-niederländische Grenze, schon war ich da: Ich stand auf dem Parkplatz des Ter Huurne Holland Markts.

Und was hab ich da gesehen? Fast nichts. Auf dem gesamten Parkplatz – und der ist ja nicht gerade klein – standen grob geschätzt 25 Autos. Die Hälfte von ihnen war allerdings aus Deutschland.

Einkaufswagen-Kontrolle am Eingang

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, nicht hineinzugehen, wegen Corona und den vielen Menschen, die immer dort hinfahren. Kurzentschlossen habe ich es mir anders überlegt. Bei der erfreulicherweise recht überschaubaren Anzahl an Kunden, hatte ich keine Scheu mehr und schnappte mir einen Einkaufswagen.

Eigentlich ist es bei TerHuurne und dem MotoMorkt kurz hinter der niederländischen Grenze immer sehr voll. Während Corona sieht das anders aus.

Menschenmassen sind bei den beliebten niederländischen Supermärkten auch am Samstag nicht zu finden. © Laura Schulz-Gahmen

Ich trug eine Maske, so wie in Deutschland auch, denn ohne kommt man schließlich nicht hinein. Im Eingang stand ein freundlicher junger Mann, der kontrollierte, dass auch wirklich jeder Kunde einen Einkaufswagen vor sich her schob – jeder, keine Ausnahmen. Das Paar vor mir wollte erst nicht so recht verstehen, was der junge Mann von ihnen wollte, aber sie gaben nach und griffen nach einem zweiten Wagen.

In der Woche ist noch weniger los

Ich ging eine Runde durch das Geschäft, dann steuerte ich die Information an.

Dort fragte ich eine Mitarbeiterin, ob es während Corona jeden Tag so ruhig im Geschäft sei. Sie antwortete: „So wie heute ist es während Corona normal, leider. In der Woche ist sogar noch weniger los.“

Auf dem Parkplatz habe ich mir die Kennzeichen der parkenden Autos angesehen. Vom Ruhrgebiet war keine Spur. Naja, vielleicht ein wenig, denn ich entdeckte einen Pick-up mit Unnaer Kennzeichen. Ich ging zu den vier Personen, die sich um den Wagen scharrten und Paletten an Getränken auf die Ladefläche schoben.

„Wir sind einfach spontan hergefahren“

Ich sprach sie an, fragte was sie hier machen und ob sie Corona so gar nicht davon abhalte, herzukommen. Der ältere von ihnen antwortete: „Nein, wir haben uns keine Gedanken darüber gemacht. Wir sind einfach spontan hergefahren.“

Ich fragte sie, warum sie gerade hier her gefahren sind. Wieder antwortet der älteste von Ihnen: „Na, weil wir Hunger und Durst haben“, und lacht. Vom Einreiseverbot und der Quarantäne haben die Shopping-Touristen offenbar nichts gewusst.

Ich verabschiedete mich und schaute mir noch einmal den relativ leeren Parkplatz an. Ein paar deutsche Kennzeichen habe ich gesehen: Ein Wagen kam aus dem Sauerland, ein anderer aus dem Kreis Borken, ein Ahauser Kennzeichen war dabei und ein Wagen aus dem Kreis Steinfurt. Einerseits bin ich erfreut, dass entgegen meiner Befürchtung die Leute würden trotz der gesetzlichen Bestimmungen herkommen, nur so wenige zum Einkaufen rüber gefahren sind.

Andererseits frage ich mich, wie lange Geschäfte solche Durststrecken durchhalten können und ich habe Mitgefühl mit den Händlern. Ich saß also wieder im Auto und rollte gemütlich vom Parkplatz. Ich fragte mich: „War das wohl eine Ausnahme oder ist woanders auch so wenig los?“ Naja, gefragt, getestet.

Doch Respekt vor Corona?

Ich fuhr also weiter durch Vreden an Stadtlohn vorbei nach Winterswijk. Da gibt es den Moto Markt. Auch den kannte ich bisher nicht, aber auch hier soll ja immer mächtig viel los sein. Die Baustelle auf dem Weg dorthin hatte mein Navi nicht mit eingeplant, ich fuhr also einen riesen Umweg, über Feldwege, Wiesen und Wald. „Es gibt Schlimmeres“, dachte ich und genoss den kleinen Sonderausflug durch die niederländische Natur. Zwischendurch kamen mir Spaziergänger entgegen, sie nickten und lächelten mir zu.

Auch in Winterswijk ist auf dem Parkplatz des Moto Markts nicht viel los.

Auch in Winterswijk ist auf dem Parkplatz des Moto Markts nicht viel los. © Laura Schulz-Gahmen

Am Moto Markt angekommen bot sich mir ein ziemlich ähnliches Bild wie bereits eine gute Stunde zuvor. Auch hier war so gut wie nichts los. An der Imbiss-Bude standen zwei Personen und warteten. Der Parkplatz war höchsten zu einem Drittel gefüllt und auch im Moto Markt waren außer mir nur zwei weitere Kunden.

Ich kaufte ein Brot und ging wieder zu meinem Auto. Ruhrgebietler habe ich auch hier keine gesehen. Auch hier war eine Hand voll Deutscher da – doch immerhin keine Massen. Wie es scheint, haben die Menschen doch Respekt vor dem Coronavirus und dem Einreiseverbot.

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