Trockenheit: 128 Bäume werden in Ahaus und Vreden gefällt

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Die Trockenheit hat Bäume irreparabel geschädigt. In Ahaus werden deshalb 70 Bäume gefällt. In Vreden sind es 58. Manche sind 100 Jahre alt. Bei diesen Baumfällungen wird es nicht bleiben.

Ahaus, Stadtlohn, Vreden

, 17.07.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eichen, Buchen, Kastanien, Birken – sie alle fallen der Säge zum Opfer. Allein 70 Bäume werden ab Montag, 22. Juli, in Ahaus gefällt. Schuld ist nicht nur dieser trockene Sommer.

Fünf Buchen, zwei Eichen, drei Ahorne, eine Birke im Schlossgarten, elf Buchen, eine Birke, eine Lärche im Waldstück Am Schulzenbusch, fünf Buchen und drei Eichen auf dem Fahrradstellplatz des Alexander-Hegius-Gymnasiums – die Liste ist beeindruckend und lang. Und viele der Bäume haben schon einen beeindruckenden Umfang, sind viele Jahrzehnte, teilweise 100 Jahre alt.

  • Eine vollständige Übersicht über die Baumpflege- und Fällarbeiten sind auf der Website der Stadt Ahaus zu finden.
  • Während der Arbeiten, so die Stadtverwaltung, kann es zu Verkehrsbehinderungen kommen.
  • Die Stadt begrüßt, wenn Anwohner in Trockenperioden die Straßenbäume vor der Haustür wässern. Einmal in der Woche 50 Liter, und nicht einmal täglich 10 Liter, so der Tipp des Baubetriebshofs. So kann das Wasser besser eindringen und verdunstet nicht.

„Wir starten an den Schulen“, sagt Bernd Sundermann, Leiter des Baubetriebshofs. Am Montag wird die beauftragte Firma zum Start am Alexander-Hegius-Gymnasium aktiv.

Folgen des Sommers 2018

Nicht das trockene Frühjahr ist der Grund dafür, dass jetzt viele Bäume gefällt und viele weitere beschnitten werden müssen. Die trockenen Äste, das welke Laub – das sind Folgen des trockenen Sommers 2018. Dass auch der Winter nicht nass wurde, hat das Problem verschärft. „Es fehlen 1000 Liter Wasser pro Quadratmeter“, sagt Bernd Sundermann.

Trockenheit: 128 Bäume werden in Ahaus und Vreden gefällt

Von Weitem ist zu sehen, dass die Buche am Adenauerring, Ecke Vredener Dyk, nicht mehr mit Wasser versorgt wird. Sie wird gefällt. © Ronny von Wangenheim

„Wir müssen wegen der Verkehrssicherheit reagieren“, betont Beigeordneter Werner Leuker beim Ortstermin am Adenauerring, Ecke Vredener Dyk. Es ist viel Verkehr. Permanent biegen Radfahrer auf den kleinen Weg zwischen den Bäumen ab. Damit hier nichts passiert, werden bald eine Buche und zwei Eichen gefällt.

Zu sehen ist die Buche schon von Weitem am braunen Laub. Das hatte sie auch schon im vergangenen Jahr. Doch dann ist sie im Frühjahr wieder ausgetrieben. Die Trockenheit der vergangenen Monate hat ihr jetzt doch die Lebensader entzogen.

Baumpflege für 300 Bäume

Eine kleine Marke mit einer Zahl am Baum weist darauf hin, dass hier Handlungsbedarf ist. Dafür ist ständig ein Baumkontrolleur für die Stadt Ahaus unterwegs. Markierungen stecken nicht nur an den 70 Bäumen, die gefällt werden, sondern überall im Stadtgebiet auch an mehr als 300 Bäumen, bei denen Kronenpflege angesagt ist.

Trockenheit: 128 Bäume werden in Ahaus und Vreden gefällt

Jede Markierung an einem Baum zeigt, dass der Baum geschädigt ist und demnächst gefällt oder gepflegt wird. © Ronny von Wangenheim

Meistens zeigt bereits der Blick in die Kronen, welche Bäume geschädigt sind. Jürgen Homölle, stellvertretender Baubetriebshof-Leiter, zeigt ein Beispiel im Schlossgarten. Als der Baumkontrolleur vor Wochen unterwegs war, hatte er Baumpflege notiert. Das hätte bedeutet, dass etwa 30 Prozent der Krone entnommen werden. Jetzt aber, so Homölle, ist klar, dass hier sogar eine Kronenkappung notwendig ist.

Im Schlossgarten mit seinem uralten Baumbestand zeigt sich auch, dass der Blick hinunter zum Fuß des Baumes genauso wichtig ist wie der hinauf in die Kronen. An einem der dicksten Bäume im Schlossgarten hat sich am Fuß ein Pilz angesiedelt, der den Baum über die Jahre immer weiter schädigen wird. Trockene Jahre sorgen für Stress und machen die Bäume anfällig für Pilze, Krankheiten oder Schädlinge.

Trockenheit: 128 Bäume werden in Ahaus und Vreden gefällt

Dieser uralte Baum im Schlossgarten kämpft mit einem Pilz an seinem Fuß. Er muss allerdings nicht gefällt werden. © Ronny von Wamgenheim

Auch eine Eiche am Rande des Schlossgartens wird gefällt werden, auch wenn das Laub für den Laien noch gut aussieht. Sundermann und Homölle gehen um den Stamm herum, zeigen auf die Rinde, die sich mit bloßen Händen ablösen lässt. Hier wurde bereits ein Pilz entfernt. Für den Baum wurde ein Gutachten erstellt. „Wir nehmen immer externe Gutachter“, sagt Bernd Sundermann wohl wissend, dass der Baubetriebshof oft auf Kritik stößt.

Im Herbst wird nachgepflanzt

Der Schlossgarten ist aber auch ein gutes Beispiel dafür, dass immer wieder nachgepflanzt wird. Nachpflanzen ist auch im Herbst wieder angesagt, wenn alle betroffenen Bäume gefällt sind.

Trockenheit: 128 Bäume werden in Ahaus und Vreden gefällt

Ein Blick in die Kronen zeigt, dass die Bäume stark geschädigt sind. © Ronny von Wangenheim

Es werden nicht immer die gleichen Bäume sein. In Wohngebieten werden Bäume gewählt, die eine kleine Krone haben. Wenn es weniger Verdunstungsfläche gibt, brauchen die Bäume nicht so viele Nährstoffe. Das ist gerade in Wohngebieten wichtig, wo es meist etwas wärmer ist und Baumscheiben den Lebensraum des Baumes beschränken. Säulenbuchen, schlanke Ulmen, schmal wachsende Amberbäume oder Sumpfeichen nennt Bernd Sundermann als Beispiele.

Eine letzte Frage: Wie sieht es mit Wässern aus? In den letzten Jahren hat der städtische Baubetriebshof die Anstrengungen zur Bewässerung deutlich verstärkt, so die Stadt Ahaus. So werden Bäume und Sommerblumen im Stadtgebiet im Zwei-Wochen-Takt bewässert, Priorität haben hier junge Bäume. Das Wasser für diese Bewässerungen kommt vom Zentralklärwerk der Stadt Ahaus.

Öffentliche Rasenflächen werden nicht bewässert, eine Ausnahme war hier der Rasen im Schlossgarten, der durch Festivitäten stark beansprucht war. Sportplätze werden außerdem bewässert, hier kommt das Wasser aus eigenen Brunnenanlagen.

58 Fällungen in Vreden

Auch in Vreden ist das Problem akut. Nach Angaben von Bauhofleiter Martin Terbrack stehen dort 58 Fällungen an. Ob in allen Fällen die Trockenheit der Grund ist, kann er nicht sagen. „Bei vielen ist es jedoch naheliegend“, meint er. „Viele Bäume haben sich mit der Trockenheit im vergangenen Sommer schwer getan. Die Auswirkungen zeigen sich jetzt.“ Eine Buche im Stadtpark zum Beispiel habe nach dem Winter in diesem Frühjahr schlichtweg keine Blätter mehr bekommen.

Zu den 58 bekannten Fällen, kommen vermutlich weitere hinzu, die noch nicht entdeckt wurden. Denn die betroffenen Bäume stehen laut Martin Terbrack nicht flächendeckend an einer Stelle, sondern über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Dabei gehe es jeweils um einzelne Bäume, zum Beispiel auch am Gymnasium oder am Wanderweg an der Ölbachstraße.

In Stadtlohn wird der Herbst abgewartet

Etwas anders sieht die Situation in Stadtlohn aus. Zwar haben die Bäume auch dort unter der Trockenheit zu leiden, gefällt wird aber noch nicht. „Viele Buchen sind abgestorben, sie sind aber nicht umsturzgefährdet. Sie sind ja gerade erst aus dem Saft“, erklärt der Erste Beigeordnete Günter Wewers. Die Stadt geht deswegen davon aus, dass keine unmittelbare Gefahr besteht.

Konkrete Zahlen, um viele Fälle es geht, kann er nicht nennen. Der städtische Bauhof wird sich im Herbst die Bäume anschauen und dann über das weitere Vorgehen entscheiden. „Im Moment haben wir andere Prioritäten, zum Beispiel den Eichenprozessionsspinner“, so Günter Wewers.

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