Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: Nach Aussage gegen Aussage gab es Freispruch

mlzAmtsgericht Ahaus

Der Vorwurf wog schwer: Ein Mann (39) musste sich vor dem Amtsgericht verantworten, weil er eine Auszubildende (19) des Ahauser Unternehmens in einer Lagerhalle sexuell belästigt haben soll.

Ahaus

, 06.12.2019, 03:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Immer wieder schüttelt der wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz angeklagte Mann (39) seinen Kopf, als sein vermeintliches Opfer, eine 19-jährige Auszubildende, Details über den 7. Juni dieses Jahres dem Richter schildert. Nach gut 90 Minuten Verhandlung kann der Mann erleichtert aufatmen. Das Urteil ist zu seinen Gunsten ausgefallen. Freispruch.

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Und dass obwohl die 19-Jährige unter Tränen jenen Szenen schilderte, die sich am 7. Juni in einer Lagerhalle eines großen Ahauser Unternehmens ereignet haben sollen. In einer nicht einsehbaren Ecke einer großen Maschine soll der Angeklagte die Frau von hinten an der Brust und im Genitalbereich berührt haben. „Ich sollte da die Maschine reinigen und habe ihn (den Angeklagten - d. Red.) gefragt, ob er weiß, wie man diese abschaltet“, sagte die 19-Jährige aus.

Ungereimtheit in den Aussagen der vermeintlich Geschädigten

„Auf einmal stand er dann hinter mir und hat mich angefasst“, fuhr die 19-Jährige fort. „Hat er Sie denn auch geküsst?“, fragte der Richter. „Nein“, lautete die Antwort. Problematisch: Genau diesen Umstand hatte die Frau bei der Strafanzeige jedoch zu Protokoll gegeben. Nicht die einzige Ungereimtheit in ihren Aussagen.

Erschwerend kam für das Gericht hinzu, dass keiner der vier geladenen Zeugen Angaben zum konkreten Tathergang machen konnte. Alle seien zwar bei der Arbeit vor Ort gewesen, aber eben keiner in der Ecke der besagten Halle. Dafür machten die Zeugen aber eine andere interessante, übereinstimmende Angabe.

Hat die Auszubildene den Angeklagten „angemacht“?

So soll die vermeintlich Geschädigte dem Angeklagten im Vorfeld eindeutige Avancen gemacht haben. „Sie hat ständig den Kontakt gesucht. Ich musste sie des Öfteren ermahnen und wieder an die Arbeit schicken“, sagte einer der Zeugen aus. Ein anderer sagte: „Sie hat sogar gesagt `Ich liebe Dich`. Das habe ich eindeutig gehört.“

„Die Frau hat mich die ganze Zeit angemacht. Ich hatte viel Arbeit, ich will nichts von ihr und habe auch nichts gemacht. Das ist alles eine Lüge“, stellte der Angeklagte klar. Handelt es sich bei der Anzeige wegen sexueller Belästigung also um eine Racheaktion wegen der Ablehnung? Das konnte während der Verhandlung nicht geklärt werden.

Es bleibt bis zum Ende bei Aussage gegen Aussage

Die 19-Jährige blieb bei ihren Ausführungen. Der Angeklagte bei den seinigen. Ein klassischer Fall von Aussage gegen Aussage ohne Zeugen. „Ich bin nicht in der Lage festzustellen, ob Ihre Angaben stimmen und/oder die des Angeklagten falsch sind“, adressierte der Richter die 19-Jährige.

Eine Verurteilung ist aber nur möglich, wenn das Gericht keinerlei Zweifel an der Schuld des/der Angeklagten hat. Dies war in dieser Verhandlung nicht der Fall. Wenngleich die Staatsanwältin dennoch eine Verurteilung mit dem Strafmaß einer Geldstrafe in Höhe von 1200 Euro forderte. „Im Zweifel für den Angeklagten“, so der Richter.

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