Unattraktive Orte: Beim Marienplatz sehen die Ahauser rot

mlzInnenstadt Ahaus

Bei der Zukunftswerkstatt zur Gestaltung der Innenstadt wurden die Ahauser nach unattraktiven Orten gefragt. Ganz klarer Sieger: der Marienplatz. Ein Lieblingsort ist der Oldenkottplatz.

Ahaus

, 05.03.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Für eingefleischte Ahauser gibt es keine schönere Stadt als Ahaus – wenn nur der Marienplatz nicht wäre. Kein anderer Ort wurde am Dienstagabend in der Zukunftswerkstatt „Innenstadt Ahaus“ dermaßen kritisiert wie die zwischen Bahnhofstraße, Domhof und Van-Delden-Straße gelegene Fläche.

Deutlich wurde das, als die Teilnehmer der Werkstatt im Foyer der Stadthalle mit roten Klebepunkten auf einem Luftbild Orte bekleben sollten, die sie meiden oder unattraktiv finden. Der Marienplatz war übersät mit Markierungen.

Kritik am Zustand des Marienplatzes

„Ein unwirtlicher Ort“, sagte Stadtplaner Alfred Körbel vom Büro plan-lokal in Dortmund, der die Veranstaltung moderierte. Zuvor hatte Bürgermeisterin Karola Voß erklärt, warum die Stadt die Bürger zu ihrer Meinung über die Gestaltung der Innenstadt befrage. „Wir wollen nicht am Bürgerwillen vorbei planen.“ Der Technische Beigeordnete Thomas Hammwöhner verdeutlichte: „Planung ist dann gut, wenn sie von vielen getragen wird.“

An mehreren Stellwänden wurden die Workshop-Teilnehmer zu ihrer Meinung über die Innenstadt befragt.

An mehreren Stellwänden wurden die Workshop-Teilnehmer zu ihrer Meinung über die Innenstadt befragt. © Christian Bödding

In Gesprächsrunden und auf Haftzetteln an Stellwänden teilten die rund 70 Werkstatt-Mitwirkenden mit, was in der Ahauser Innenstadt im Argen liegt, wo ihre Lieblingsorte sind und welche Ziele und Projekte es für die nächsten Jahre in Sachen Innenstadtentwicklung geben könnte.

An ihm arbeiteten sich die Workshop-Teilnehmer längere Zeit ab: Der Marienplatz sollte umgestaltet werden, war man sich größtenteils einig.

An ihm arbeiteten sich die Workshop-Teilnehmer längere Zeit ab: Der Marienplatz sollte umgestaltet werden, war man sich größtenteils einig. © Christian Bödding

Zum Marienplatz hieß es beispielsweise, dass der nicht funktionierende Brunnen entweder wieder in Betrieb genommen werden soll oder man ihn abbaut.

Kritisiert wurde zudem die Pflasterung des Platzes, die an vielen Stellen mit Bitumen geflickt worden sei. Insgesamt biete die Fläche viel zu wenig Aufenthaltsqualität. Ähnlich äußerte sich ein Teil der Anwesenden zum Bereich um die Marienkirche. Dort fehle es an Begrünung. Das sahen aber nicht alle so.

Gefahrenpunkt Königstraße

Die Königstraße sahen etliche Bürger als Gefahrenpunkt an, vor allem für Radfahrer. Sie wiesen auch auf fehlende Schilder und Markierungen hin. Alfred Körbel hatte sich bei einem Stadtrundgang selbst ein Bild vom Verkehrsfluss in der City gemacht. „Auf der Wallstraße fuhren nach Schulschluss Schüler zu sechst auf ihren Rädern nebeneinander.“ Mit Blick auf die Zukunft und die zunehmende Bedeutung des Radverkehrs sagte Körbel: „Vielleicht ist das ein Vorgeschmack auf die Normalität in zehn Jahren.“

Auf Haftzetteln notierten die Bürger Wünsche und Anregungen für die künftige Gestaltung der Innenstadt.

Auf Haftzetteln notierten die Bürger Wünsche und Anregungen für die künftige Gestaltung der Innenstadt. © Christian Bödding

Am Dienstagabend sollte aber nicht nur Kritik an der Innenstadt geäußert werden, es war auch viel Raum für Lob und Positives. Bei den Lieblingsorten in der Innenstadt – sie konnten auf einem Luftbild mit grünen Klebepunkten versehen werden – stachen gleich mehrere Standorte heraus.

Viele grüne Punkte gab es für den Oldenkottplatz mitsamt der umliegenden Gastronomie, für den Rathausplatz, den Marktplatz, das Schloss und den Schlossgarten sowie das Kulturquadrat.

Jetzt lesen

Stadtplaner Walter Fleige äußerte sich zur künftigen Nutzung des Schlosses und des Umfeldes. „Ein Schulbetrieb im Schloss, wie es ihn früher einmal gab, könnte dort für Frequenz sorgen und vielleicht auch den Betrieb eines Cafés tragen.“

Schlossnutzung: „Riesenherausforderung“

Gleichwohl sei es ein schwieriger Prozess, das Gebäue mit Leben zu füllen. „Die Schlossnutzung bleibt eine Riesenherausforderung“, sagte Walter Fleige. Das Gebäude werde öffentlich kaum genutzt „und für Fremde ist es nicht gerade einfach, in der Innenstadt das Schloss zu finden.“

Sümmermannplatz aufhübschen

Alfred Körbel griff Ideen der Workshop-Teilnehmer auf, den Sümmermannplatz aufzuhübschen. „Wenn wir dort die Aufenthaltsqualität erhöhen wollen, müssen wir Veranstaltungen an anderen Orten stattfinden lassen“, erklärte der Stadtplaner aus Dortmund.

Sollten auf dem Sümmermannplatz Blumenbeete angelegt und Bänke aufgestellt werden, dann vertrage sich das nur schlecht mit Veranstaltungen wie einem Sasha-Konzert beim Stadtfest oder einem Oldtimertreff.

Ein Wort zum Ahauser Schloss

Ein Wort zum Ahauser Schloss © Christian Bödding

Über den Schlossgarten sagte Alfred Körbel, dass noch nicht klar sei, in welche Richtung dessen künftige Nutzung gehen soll. „Ist dort Ruhe gewünscht oder etwas anderes?“ Auch in diesem Fall müsse man schauen, „wie wir das zusammenbekommen“. Leichte Kritik gab es von Alfred Körbel am aktuellen Allgemeinzustand des Schlossgartens: „Dort ist lange nicht mehr investiert worden.“

Jetzt lesen

Nach etwas mehr als zweieinhalb Stunden Information rollten Alfred Körbel und seine Mitarbeiter die Plakate ein. Bis zum Sommer soll das bestehende Entwicklungskonzept „Innenstadt Ahaus“ aus dem Jahr 2010 unter anderem um städtebauliche Maßnahmen erweitert werden.

Jetzt lesen

Bis dahin steht noch ein Politikworkshop, die Abstimmung mit Fördermittelgebern und die Abstimmung in den politischen Gremien an, skizzierte Alfred Körbel den zeitlichen Ablauf. Vermutlich nach der Sommerpause wird es ein öffentliches Abschlussforum geben.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt