„Unnötige Tradition“: Ehepaar soll bei Hochzeit in Ahaus mehrere Schüsse abgefeuert haben

mlzAmtsgericht Ahaus

Bei einer Hochzeit in Ahaus wurden mehrere Schüsse abgefeuert. Daran bestand auch eineinhalb Jahre später vor dem Amtsgericht kein Zweifel. Die Frage, die sich stellte: Wer hatte geschossen?

Ahaus

, 17.03.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Hochzeit in Ahaus: Viele Gäste, ein verliebtes Ehepaar, eine ausgelassene Stimmung - und mehrere Schüsse. Wer diese Schüsse am 13. Oktober 2018 jedoch abgefeuert hatte, wurde nun versucht, vor dem Amtsgericht Ahaus zu klären. Die Meinungen gingen auseinander. Besonders eine Zeugenaussage wirkte abstrus.

Angeklagt waren ein 26-jähriger Mann und seine gleichaltrige Ehefrau. Die beiden, so die Anklage, sollen gemeinschaftlich eine Schreckschusswaffe geführt haben und mit dieser während eines Autokonvois mehrmals in die Luft geschossen haben. „Aus unserem Auto wurde nicht geschossen“, sagte der Angeklagte. „Wir haben selbst nur Schüsse gehört.“

Kleiner BMW statt großer Daimler

Dass bei Hochzeiten oft in die Luft geschossen werde, bezeichnete seine Frau als „unnötige Tradition“, die sie selbst alles andere als gut finde. „Ich verabscheue so etwas“, wurde sie deutlich. Umso schockierter sei sie gewesen, als sie per Post darüber informiert wurde, dass sie wegen Waffenbesitzes angeklagt werde.

In einem ersten Polizeibericht hieß es, die Schüsse seien aus einem weißen Daimler abgefeuert worden. „Ich wünsche, es wäre meiner“, sagte die 26-Jährige scherzend und verwies auf ihren deutlich kleineren BMW. Später hieß es dann, es sei aus einem dunklen BMW geschossen worden. Das bestätigten auch noch weitere Zeugen der Polizei.

Einer der geladenen Zeugen, ein 24-jähriger Ahauser, hatte die junge Frau damals beschuldigt, die Schützin gewesen zu sein. Seine Argumentation sorgte allerdings nicht für Klarheit, sondern für Verwirrung. Er sagte aus, die Angeklagte schon zuvor mit einer Waffe in die Luft schießend gesehen zu haben. „Sicher, dass es die Dame war?“, fragte ihn der Richter. Die kurze Antwort des Zeugen: „Hundertprozentig.“

Konnte der Zeuge überhaupt sehen, wer geschossen hat?

Warum genau er sich so sicher war, konnte er allerdings nicht schlüssig erklären. Immer wieder betonte er, dass er die Frau, die später auch aus dem fahrenden Auto geschossen haben soll, an ihrem Kopftuch wiedererkannt habe. „Aber es gab doch bestimmt noch andere mit einem Kopftuch, oder?“, fragte der Richter mit wachsendem Misstrauen.

„Sie wissen nur, dass die Frau, die im Auto geschossen hat, vorher schon geschossen hat“, stellte der Richter fest. Ob es sich um die Angeklagte handelte, konnte der Zeuge nicht erklären. Ob es wirklich schon vor dem Konvoi Schüsse gab, konnte ebenfalls nicht geklärt werden. Ein weiterer Zeuge konnte auch kein Licht ins Dunkel bringen.

Die Staatsanwaltschaft äußerte zudem Zweifel daran, dass der erste Zeuge die Schüsse aus dem Auto überhaupt hätte sehen können. Laut dem Polizeibericht hatte der Zeuge ausgesagt, selbst auf dem Beifahrersitz eines Autos vor dem BMW gesessen zu haben. Geschossen sei wiederum auf der Fahrerseite. „Wie haben Sie das dann konkret gesehen?“, fragte der Staatsanwalt. Vielleicht sei es auch die Beifahrerseite gewesen, entgegnete der Zeuge. „Das müssen sie wissen, wenn sie es gesehen haben“, erklärte ihm der Staatsanwalt.

„Ich bin überzeugt, dass aus dem Fahrzeug geschossen wurde“

Letztendlich konnte nicht geklärt werden, wer die Schüsse abgefeuert hatte. Daher plädierte der Staatsanwalt auch auf Freispruch. Der Vorwurf sei von Anfang an schwierig gewesen, da dem Ehepaar ein gemeinschaftliches Führen einer Waffe vorgeworfen wurde. „Ich bin überzeugt, dass aus dem Fahrzeug geschossen wurde“, sagte er.

Doch es könne nicht festgestellt werden, wer die Waffe benutzt hatte. Sicher sei er sich nur, dass die Angeklagte nicht geschossen hat. „Wir haben mehrere Personen, die infrage kommen, aber die Person die am wenigsten dafür geeignet ist, ist die Fahrerin.“ Auch der Richter schloss sich der Begründung an und sprach die beiden erleichterten Angeklagten frei.

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