USA-Auswanderin fiebert mit deutscher WM-Elf

Ahauserin auf Heimatbesuch

Jutta Christman lebt seit vielen Jahren im US-Bundesstaat Georgia. Als Jutta Buß ist sie in Ahaus aufgewachsen. Zurzeit ist die 46-Jährige auf Heimatbesuch - und lebt in diesen Tagen zwischen zwei Fußballwelten.

AHAUS/ALPHARETTA

, 24.06.2014, 16:39 Uhr / Lesedauer: 2 min
Stippvisite an der »alten« Schule: Jutta Christman mit ihren beiden Töchtern Amber (l.) und Jade (r.); im Hintergrund ihre »alten« Lehrer Burkhard Helling, Karl-Heinz Garthaus und Maria Kuhn.

Stippvisite an der »alten« Schule: Jutta Christman mit ihren beiden Töchtern Amber (l.) und Jade (r.); im Hintergrund ihre »alten« Lehrer Burkhard Helling, Karl-Heinz Garthaus und Maria Kuhn.

Kurze Wege prägten ihre Kindheit und Jugend. Das sollte sich gründlich ändern. „Weg von Ahaus wollte ich eigentlich gar nicht“, sagt sie. Aber in der Zeitung las sie von einem Au-Pair-Jahr in den USA und bewarb sich. Das war 1989. „Ich hätte aber nie gedacht, dass die mich nehmen.“ Taten sie aber doch. Jutta Christman kann sich gut erinnern, wie der Flieger von Amsterdam in Richtung Atlanta abhob und sie dachte: „Auf was habe ich mich da bloß eingelassen.“ Zur Erinnerung: 1989 waren Auslandsjahre noch die Ausnahme. Und es gab noch kein Internet, das die Jugendlichen heute überall ein wenig zuhause sein lässt. In Atlanta warte mehrere Kulturschocks auf sie. Die Weite des Landes. Die Autokultur. Das subtropische Klima. „Unerträglich“, dachte sie damals. Heute ist es ihr Klima: „Wenn ich Ahaus besuche, nehme ich meine Wintersachen mit. Immer. Auch im Sommer.“

Nach ihrem Au-Pair Jahr kehrte sie für kurze Zeit nach Ahaus zurück. Dann besuchte sie aber noch einmal ihre Gastfamilie. Und spontan fasste damals den Entschluss: „Ich bleibe.“ Sie machte in Atlanta ihr Abitur. Sie lernte ihren heutigen Mann kennen. Sie arbeitete in der Verwaltung einer Schule. Sie bekam zwei Töchter. Und zog zuletzt mit ihrer Familie nach Alpharetta, nördlich von Atlanta. Jetzt ist Jutta zusammen mit Amber und Jade zu Besuch in Ahaus. Bei ihren Eltern und Cousinen. Und die Töchter genießen Deutschland. Besonders das leckere Brot, sagen sie. Und sie staunen, dass Jugendliche selbstständig mit dem Fahrrad irgendwo hin fahren. Sie selbst sitzen in Georgia morgens und nachmittags jeweils eine Stunde im Schulbus. Und für den Weg zu Freunden oder in die Shopping-Mall bleibt nur eines: Mom muss sie mit dem Auto fahren. Noch mehr als das deutsche Brot aber lassen die Namen Mats Hummels und Thomas Müller die Augen der Teenager strahlen.

Damit sind wir beim deutsch-amerikanischen Thema dieser Tage: das WM-Spiel Deutschland - USA. Wird in Alpharetta Fußball gespielt? Ja, auch in der Schule. Aber Baseball und American Football sind die Favoriten. Die Christmans aber können sich für „Soccer“ begeistern. Jedenfalls die Frauen in der Familie. Jade will unbedingt in der Schulmannschaft mitspielen. Und Jutta und ihre Töchter schauen sich alle Deutschlandspiele an, mit Begeisterung, und „mit Trikot und Tröte“, lacht Jutta Christman. Und schlägt das Herz am Donnerstagabend für Klinsis oder für Jogis Elf? „Wir sind alle für Deutschland!“, strahlt Jutta Christman. Ihr Tipp: 2:1. Sie hat nur eine Sorge: Der Rückflug steht am Donnerstag bevor und sie fragt sich, ob sie rechtzeitig zur Übertragung des Spiels wieder zuhause sein wird. Läuft Fußball im Fernsehen? „Nicht immer“, sagt Jutta Christman. „Aber wir können auf mexikanischen Sender ausweichen. Da gibt es alle Spiele.“ Und vielleicht kommt ja das schöne Ahauserische Wörtchen „binnendurch“ am Donnerstagabend in Alpharetta noch mal zu Ehren, wenn Hummels „binnendör“ auf Müller flankt, und der zum entscheidenden 2:1 trifft.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt