Verfolgungsjagd mit Folgen

Haft für gefassten Einbrecher

Kein Spiel, sondern bitterer Ernst war die Verfolgungsjagd am Abend des 22. Januar in Ottenstein. Die Sache endete jetzt vor Gericht und mit einer Haftstrafe ohne Bewährung.

AHAUS

, 30.08.2017, 17:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Verfolger war ein 27-jähriger Ahauser, der zwei Männer barfuß über Stock und Stein, durch Gärten und über Zäune quer durch Ottenstein verfolgte, nachdem er sie beim Einbruch in ein Textilhaus in Ottenstein ertappt hatte. Die detaillierte Zeugenaussage des Verfolgers in der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht in Ahaus führte dazu, dass der einzige gefasste Einbrecher, ein 29-jähriger Mann aus Gronau, wegen gemeinschaftlichen Einbruchs, versuchten Diebstahls und dreifacher versuchter Körperverletzung zu einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt wurde.

Barfuß den Einbrecher verfolgt

Der Ahauser hatte in der Wohnung seiner Verwandten, die er gerade besuchte, den akustischen Alarm gehört, den die beiden Einbrecher durch das Öffnen der Schiebetür des Geschäfts ausgelöst hatten. Er schaute nach und entdeckte die beiden Einbrecher, die daraufhin zu Fuß flüchteten. Der Ahauser nahm sofort die Verfolgung auf, ausgerüstet mit einem schnell ergriffenen Regenschirm und seinem Smartphone. Beides verhinderte Schlimmeres. Am ersten Zaun scheiterte der gefasste Einbrecher im ersten Anlauf, während der zweite Einbrecher diesen sofort überwand und verschwunden blieb. Der Gronauer bedrohte seinen Verfolger mit einem Elektroschocker. Mit dem Schirm konnte der Verfolger die Attacken abwehren.

Im zweiten Anlauf gelang dem Gronauer der Sprung über den Zaun – immer noch verfolgt von dem Ahauser. Das wiederholte sich an zwei weiteren Stellen, an denen der Einbrecher den Verfolger wieder mit dem Elektroschocker bedrohte. Mittlerweile hatte der Ahauser über das Smartphone die Polizei benachrichtigt. Durch seine genauen Angaben konnte er den Verlauf der Verfolgungsstrecke angeben. In der Burgstraße griff die Polizei zu und verhaftete den Gronauer.

Detaillierte Zeugenaussage 

„So eine detaillierte Zeugenaussage hat man nicht alle Tage. Man konnte sich richtig in die Rolle des Verfolgers versetzen“, lobte der Richter nach der Aussage des Ahausers. Der Verfolger wurde durch den Einbrecher nicht direkt verletzt, dafür konnte er wochenlang nach dem Vorfall nicht schlafen. Er war deshalb insgesamt vier Wochen krankgeschrieben.

Der Angeklagte verschwieg auch im Gerichtssaal die Identität des geflüchteten Einbrechers. Der Elektroschocker wurde einen Tag nach der Festnahme von der Polizei gefunden. Der Angeklagte gab an, er habe nicht funktioniert. Das Gerät sei voll funktionsfähig gewesen, widerlegte einer der Polizisten im Zeugenstand diese Aussage. Außerdem sei das Gerät eine verbotene und gefährliche Waffe. Das Verschweigen des Mittäters, insgesamt elf Vorstrafen seit 2003 und die neue Straftat unter laufender Bewährung flossen in das Urteil ein. 

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