Verordnungen treiben Landwirte vor sich her

mlzWinterversammlung

Die hiesige Landwirtschaft steckt in der Zwickmühle. Dies wurde auf der Winterversammlung der Ammelner Landwirte am Donnerstagabend deutlich.

von Andreas Bäumer

10.03.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Ammelner Ortsgruppe des Bauernverbands traf sich am Donnerstagabend zur Winterversammlung. Mit 35 Mitgliedern ist sie die kleinste im Umkreis. Dennoch war der Saal im Restaurant „Zur Barriere“ bei der rund vierstündigen Veranstaltung mehr als gut gefüllt.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Mathilde Fischer freute sich über die gute Zusammenarbeit mit den Landwirten, so im Hochwasserschutz und beim Bauland. „Die Landwirtschaft hat Zukunft hier“, sagte sie.

„Ich tu es nicht mehr“

Bemerkenswert: Nur noch vier Vollerwerbslandwirte sind unter den Ammelner Bauern. Dies ist Teil eines Trends, so sank die Zahl der Sauenhalter in Deutschland in den letzten zehn Jahren um 70 Prozent. Bernhard Rickert, Vorsitzender der Ortsgruppe, und der Kreisvorsitzende Ludger Schulze-Beyering bedauerten den Rückgang der Betriebe.

Beide sind Schweinehalter und gehen mit vielen Regelungen um, die sich laufend ändern. „Wir kommen nicht so schnell hinterher. Viele sagen: Ich tu es nicht mehr“, sagte Schulze-Beyering.

Ein Beispiel ist die Düngeverordnung. Sie regelt die Gülleausbringung und soll die Nitrat-Belastung der Gewässer reduzieren. 2017 erschien die erste Verordnung. Ein Jahr später war klar, wie man sie auslegt. Nun erstellt die Europäische Kommission eine neue Verordnung, berichtete Ludger Rövekamp von der Landwirtschaftskammer Kreis Borken. Er war zufrieden, denn die Nitrat-Werte sinken. Schulze-Beyering hält die Reduktion der Düngemengen jedoch für den „Tod des Ackerbaus“. Wenn die Pflanzen wie vorgeschrieben unter Bedarf gedüngt würden, verliere der Boden jedes Jahr weiter Nährstoffe.

In der Zwickmühle

Er sieht die Landwirte hier in einer Zwickmühle. Sie arbeiteten ja nachhaltiger, doch die kleinen Strukturen zwängen zu intensiver Landwirtschaft. Nur so rentiere es sich. Die Entscheidungen darüber würden von anderen an der Supermarktkasse und durch den Handel getroffen.

Diesen Zwiespalt, die Zwänge, aber auch positive Gefühle, soll die Kampagne „Landwirtschaft schafft Leben“ unters Volk bringen. Jörg Sümpelmann, Kreisgeschäftsführer des Bauernverbands, animierte die Landwirte, sich freiwillig mit Geldbeiträgen zu beteiligen. Inzwischen wurde eine GmbH mit Beirat dafür gegründet. Die landwirtschaftliche Lebenswelt soll durch die Kampagne wieder in das Bewusstsein der Gesellschaft gelangen. Viele Blicke hinter die Mauern der Schweinställe also.

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