Bei der VHS hat sich durch die Coronakrise in Sachen Digitalisierung viel bewegt. Dr. Nikolaus Schneider (l.) hier mit Adelheid Boer von der VHS in einem Deutschkurs mit Dozent Reinhold Lensing – machte aber deutlich, dass die digitalen Angebote den Präsenzunterricht nicht ersetzen können. © Stephan Rape (Archiv)
Coronavirus

VHS setzt vermehrt auf digitale Kanäle und sieht sich in neuen Rollen

Die Pandemie hat die VHS zur Digitalisierung gezwungen. Die neuen Kanäle sollen auch weiter genutzt werden, weil sie Chancen bieten, sagt Dr. Nikolaus Schneider. Der VHS-Leiter ist optimistisch.

Die Pandemie hat das aktuelle Forum Volkshochschule hart getroffen, keine Frage. Doch ihr Leiter sieht die Lage dennoch optimistisch: „Keine Frage, wir haben Federn lassen müssen“, sagte Dr. Nikolaus Schneider den Politikern im Kulturausschuss. Schon ein Blick in die blanke Statistik verrate das: Entgegen der Planung wurden 2020 nur 826 Kurse und Veranstaltungen durchgeführt, nicht wie geplant 1223.

Die Unterrichtsstunden sanken im Vergleich zum Vorjahr (24003) auf 17732. Und auch die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sank von 3754 auf 2882. Natürlich immer gerechnet auf den gesamten VHS-Bereich: Dazu gehören neben Ahaus auch Stadtlohn, Vreden, Heek, Legden, Schöppingen und Südlohn.

Dennoch betrachte er das Glas als halbvoll. Ein Beispiel sei das erste Quartal 2021: Auch da war an Präsenzunterricht nicht zu denken. Trotzdem wurden 150 Kurse und Veranstaltungen online durchgeführt. Zugegeben, nur ein knappes Drittel des regulären Programms, dennoch ein sehr positives Zeichen.

Abseits von den eigentlichen Zahlen des Geschäftsberichtes gab der VHS-Leiter aber auch einen Ausblick auf eine VHS, die einige der zwangsweise erlernten Anpassungen an die neuen Umstände für die Zukunft beibehalten will.

Digitalisierung hat Volkshochschule stark beeinflusst

Stichwort Digitalisierung: Die Kursleiterinnen und Kursleiter der VHS hätten sich mit großem Engagement in digitale Abläufe und Online-Unterricht eingearbeitet. „Für Sprachkurse ist das kein so großes Problem gewesen“, erklärte Dr. Nikolaus Schneider. Aber selbst Proben des Euregio-Symphonieorchesters wurden auf digitale Kanäle übertragen. Der Dirigent des Orchesters, Michael Hein, habe etwa umfangreiche Video-Tutorials online gestellt, nach denen die Musiker üben konnten.

Mit neuen digitalen Möglichkeiten und Angeboten verschwimmen auch die Grenzen: „Die VHS ist nicht mehr nur kommunal“, erklärte Nikolaus Schneider den Politikern. Beispielsweise bietet er einen 30-minütigen Lyrikkurs an. Ein kurzes Angebot, in dem verschiedene Gedichte besprochen werden. Nur im eigentlichen Gebiet der VHS wäre dieser Kurs nicht zustande gekommen. Mit Teilnehmern aus Köln, Neuss, Mainz und Dormagen sei es aber ein sehr schönes Angebot.

Das eigne sich aber längst nicht für alle Kurse: Auf Dauer brauche auch ein Sprachkurs mehr als nur eine Videokonferenz. „Die Kursleitenden müssen ja auch die einzelnen Teilnehmenden eingehen“, so Nikolaus Schneider weiter.

Für digitalen Unterricht gibt es aber auch klare Grenzen

Und die Digitalisierung im Unterricht hat für noch mehr klare Grenzen: „Für die Integrationskurse brauchen wir die Präsenz“, erklärte er. Gerade auch als Raum für den sozialen Austausch der Teilnehmer untereinander. Das funktioniere über die kleinen Endgeräte – in der Regel Smartphones – einfach nicht. Auch dazu konnte er Zahlen liefern: Die Teilnehmer seien so nur auf eine statt auf fünf Stunden Teilnahme gekommen.

Auch bei der Ausstattung gebe es für die VHS noch viel Luft nach oben: In Ahaus funktioniere die Technik gut. In den VHS-Häusern in Stadtlohn und Vreden aber scheitere es zum Teil schon an einer stabilen W-Lan-Verbindung. Auch würde er sich Klassensätze von Tablets für einzelne Kurse wünschen. „Bisher ist daran aber nicht zu denken“, machte er im Ausschuss klar.

VHS als Projektkoordinator für Bürgerbeteiligung

Und ganz weit ab von Unterricht, Kursen und Digitalisierung hat die VHS auch eine komplett neue Aufgabe für sich entdeckt: Als Projektkoordinator und Agentur für Bürgerbeteiligung. Ein Beispiel sei der runde Tisch Nachhaltigkeit. Unter der Leitfrage „Wie möchte ich 2027 in Ahaus leben?“ haben sich im Oktober sieben Arbeitsgruppen gebildet: Sie bearbeiten die Themen „Neues Wohnen – Gemeinschaft leben“, „Grünes Ahaus“, „Durch Bildung alle erreichen“, „Mobilität“, „Atom-Müll“, „Ernährung“ und „Konsumverhalten“.

Und sie haben auch während der Corona-Pandemie an ihren Themen weitergearbeitet. Die Fäden laufen dabei allerdings in der VHS zusammen. Mitmachen sei ausdrücklich auch jetzt noch erwünscht, erklärte Nikolaus Schneider.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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