Prominenter Gast der Volkshochschule im Coronajahr 2020 war Christine Westermann, die im Juni Buchtipps im Fürstensaal des Schlosses in Ahaus gab. © Christin Lesker
Geschäftsbericht 2020

VHS-Zweckverband hat ersten Corona-Stresstest bestanden

Corona hat auch beim VHS-Zweckverband Spuren hinterlassen. Dennoch spricht Direktor Dr. Nikolaus Schneider im Geschäftsbericht 2020 davon, dass das Glas halbvoll und nicht halbleer sei.

Laut Dr. Nikolaus Schneider, Direktor des VHS-Zweckverbands (aktuelles Forum), zu dem neben Ahaus auch Stadtlohn, Vreden, Heek, Legden, Schöppingen und Südlohn gehören, war das Pandemie-Jahr 2020 auch so etwas wie ein Stresstest. Seine Bilanz: Jetzt wisse man genau, „dass die Volkshochschule anpassungsfähig und krisensicher ist“.

Welche Argumente liegen dieser Einschätzung zugrunde? Trotz Corona habe es 826 Kurse und Veranstaltungen mit 17.732 Unterrichtsstunden gegeben. Außerdem verweist Dr. Schneider auch auf die „Sommerakademie“, die während der kurzzeitigen Öffnung möglich war. 50 Kurse und Veranstaltungen gehörten zum Angebot der Sommerakademie.

Online-Angebote als kreative Lösungen

Seine These von der Anpassungsfähigkeit der VHS untermauert der Direktor auch damit: Bereits im ersten Lockdown im März des vergangenen Jahres hätten sich viele Kursleitende auf den Weg des digitalen Unterrichtens gemacht. Das Ergebnis: etliche Kurse und Veranstaltungen im Online-Format bereits 2020 und allein 100 im ersten Vierteljahr 2021.

Als einen Grund für die anhaltende „Treue“ der Teilnehmenden zur VHS sieht Nikolaus Schneider auch, dass die Zweckverbands-Gemeinden früh auch für kleine Lerngruppen Grünes Licht gegeben hätten, ohne Anhebung der Gebühren.

Zwar habe man, so Schneider, in einem „außergewöhnlichen Jahr“ auf vieles Gewohnte und Bewährte verzichten müssen, gleichzeitig habe man aber auch viel Unterstützung und Wertschätzung erfahren. Entlang der zehn Corona-Monate im Jahr 2020 mit immer neuen Schutzverordnungen und Lockdowns werden im Geschäftsbericht auch die damit verbundenen harten Einschränkungen für die Handlungsfelder der VHS dokumentiert. Einige Auszüge:

Einschränkungen in einem außergewöhnlichen Jahr

Im März ist für die Hauptamtlichen der VHS Homeoffice bereits das Gebot. Die allerdings hätten sich sofort auf die Suche nach kreativen Lösungen begeben. Heißt: Kontaktpflege durch Anrufe und ein Integrationskurs komplett im Online-Modus. Die Umsetzung der neuen Hygiene- und Abstandsregeln ermöglichen es im Mai Deutsch- und Integrationskurse durchzuführen. Buchtipps von Christine Westermann können im Juni rund 60 Besucher im Ahauser Schloss mit nach Hause nehmen. Die erste Einzelveranstaltung seit Beginn der Pandemie.

Juli/August: Phase der Lockerung. Die Sommerakademie lädt ein, Gesundheitskurse werden Open Air durchgeführt, und auch Bildungsangebote (zum Beispiel Schreibwerkstatt, Lesung, Literaturkonzert) sind wieder möglich. Ende August beginnt das zweite Semester mit einem bunten Angebot, allerdings auf kleine Gruppen beschränkt. Unter strengen Corona-Auflagen können zwei große Veranstaltungen in der Stadthalle realisiert werden. Ein Schlossgespräch mit Heribert Prantl und die Erste Konferenz Nachhaltigkeit.

Oktober: Die Teilnehmenden an den VHS-Angeboten werden aufgefordert, durchgängig Masken zu tragen. Im November kann die VHS nur noch ein reduziertes Angebot machen. Nur noch Deutsch-/Integrations-, Alphabetisierungskurse oder berufsbezogene Lehrgänge sind erlaubt. Etliche Sprachkurse finden online statt. Seit dem harten Lockdown ab Mitte Dezember ist das auch für andere Kurse und Veranstaltungen die Regel.

Keine Deckungslücken bei den Finanzen

Auch die Zahlen zu den Ergebnisplänen 2020 und 2021 sowie zu der Ergebnisrechnung 2019 lassen sich so deuten, dass dem VHS-Zweckverband trotz der schwierigen Rahmenbedingungen während der Pandemie kein finanzielles Loch droht. Die „ordentlichen Erträge aus laufender Verwaltungstätigkeit“ werden im Geschäftsbericht für 2020 mit rund 1,6 Millionen Euro, für 2021 mit rund 1,47 Millionen Euro eingestellt. Die Ergebnisrechnung ergab für 2019 rund 1,55 Millionen Euro. Dem stehen jeweils Aufwendungen in etwa gleicher Höhe gegenüber, sodass Einnahmen und Ausgaben sich die Waage halten.

Die berechneten Teilnehmer-Entgelte fallen allerdings für 2021 mit 184.500 Euro deutlich niedriger aus als in den Vorjahren. Zum Vergleich: 2020: 326.000 Euro und 2019: 314.790,47 Euro. Aufgefangen wird das laut Geschäftsbericht durch die Ausgaben für nebenberufliche Mitarbeiter. Die liegen 2021 bei 430.800 Euro und damit deutlich niedriger als 2020 (568.250 Euro und 2019 576.406,46 Euro).

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