In der Villa van Delden wurde ein Gespräch zwischen Ansgar Skiba (links) und Kunsthistorikerin Dr. Annette Georgi auf Video aufgezeichnet. Stefan Hilbring, Pressesprecher der Stadt, kontrolliert die Kameraeinstellungen. © Bastian Becker
Ausstellung

Video als Vernissage-Ersatz: Neue Ausstellung in der Villa van Delden

In der Ahauser Villa van Delden wird ab Sonntag wieder ausgestellt. Einiges ist aber anders als vor der Corona-Zwangspause. Zum Beispiel findet keine Vernissage in der üblichen Form statt.

Eine ganz besondere Ausstellung beginnt am Sonntag, 30. August, in der Villa van Delden, Bahnhofstraße 91. Es ist die erste nach der Zwangspause durch Corona, doch noch ist längst nicht alles wieder wie vorher. Auch der Auftakt gestaltet sich aufgrund der beengten Verhältnisse nicht wie gewohnt: „Wir dürfen keine Vernissage machen, weil keine Menschenmengen in die Villa passen“, erklärt Karen Jungkamp, Sachgebietsleiterin Kultur der Stadt Ahaus. Sie organisiert die Ausstellung „Mit dem Auge erwandert“ des Düsseldorfer Künstlers Ansgar Skiba.

Die Einschränkungen durch die Hygienevorgaben sieht sie aber auch als Chance. „Wir können jetzt experimentieren und wollen die Ausstellung digital zugänglicher machen“, erläutert Karen Jungkamp die Pläne der Stadt. Trotz des Wegfalls der Eröffnungsveranstaltung will die Stadt dem Künstler die Möglichkeit geben, seine Ansichten mitzuteilen.

Video als digitaler Vernissage-Ersatz

Dazu wurde ein Video mit einem Gespräch von Ansgar Skiba mit der Kunsthistorikerin Dr. Annette Georgi zu Inhalten und Hintergründen seiner Bilder aufgezeichnet, das auf der Homepage und den Social-Media-Kanälen der Stadt veröffentlicht wird. Auch im Wartebereich in der Villa läuft der Film in Dauerschleife.

„Wir müssen solche zusätzlichen Angebote im Moment ausprobieren, aber sie werden uns mit Sicherheit in Zukunft erhalten bleiben“, glaubt Karen Jungkamp. Die Themen der Ausstellung, Natur und Einsamkeit, seien gerade heute sehr aktuell und nahe am Zeitgeschehen.

Unterschiede je nach Standpunkt

„Sie können meine Bilder und die Struktur mit dem Auge abtasten. In unserer Gesellschaft ist in vielerlei Hinsicht alles auf die glatte Oberfläche ausgelegt, aber die Natur ist nicht so. Es gibt immer Strukturen, darauf will ich aufmerksam machen“, beschreibt Ansgar Skiba den Grundgedanken seiner pastosen Malerei.

Zu den bekanntesten Werken von Künstler Ansgar Skiba zählen die Wellenbilder, die ab Sonntag in der Villa van Delden ausgestellt werden.
Zu den bekanntesten Werken von Künstler Ansgar Skiba zählen die Wellenbilder, die ab Sonntag in der Villa van Delden ausgestellt werden. © Bastian Becker © Bastian Becker

Wenn man ganz nah vor den Bildern steht, türmen sich die Farben reliefartig auf, es entsteht ein abstrakter Gesamteindruck. Wenn man dagegen ein paar Schritte zurücktritt, wird das ganze Bild eben und konkret, es entsteht zum Beispiel eine große Flutwelle. „Diese Effekte kann natürlich kein Foto abbilden“, weiß Karen Jungkamp, dass hier das Digitale nur Ergänzung, nicht Ersatz sein kann.

Malereien und Zeichnungen

Neben den Malereien mit Ölfarbe, darunter viele Gartenbilder, stellt Ansgar Skiba in Ahaus auch Zeichnungen aus. Dazu zählen die im Flur befindlichen sogenannten Nachtstücke, Werke mit tiefblauem Grundton, auf die teilweise bis zu 30 Schichten aufgetragen werden. In einem Raum hängen Naturzeichnungen, die Ansgar Skiba mit Silberstift oder Goldstift, die Stifte sind wirklich aus dem jeweiligen Metall, anfertigt.

„Alle Bilder sind authentisch, ich habe sie in der Natur angefertigt“, betont der Düsseldorfer, der in Dresden geboren wurde. Zu den Seerosenbildern inspirierten ihn etwa die Pflanzen im Düsseldorfer Südpark. „Normalerweise mache ich 12 bis 15 Ausstellungen pro Jahr, in diesem Jahr sind es vier, das ist die erste. Wenn mich das als jungen Künstler erwischt hätte, wäre es ganz schwierig geworden“, verdeutlicht Ansgar Skiba das Besondere der aktuellen Lage für seine Branche.

Kostenlose Führungen

Nun können immerhin kleine Gruppen vor Ort die Bilder von allen möglichen Standpunkten und mit dem gebotenen Abstand untereinander betrachten, am 6. und 13. September werden kostenlose Führungen angeboten. Die letzte Ausstellung in der Villa Delden 2020 soll die erste einer digitaleren Zeit sein.

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Bastian Becker
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