An Kreisverkehren ohne umlaufenden Radweg sollen sich Radfahrer mittig auf der Fahrbahn einordnen. © Stephan Rape
Unfallgefahr auf dem Radweg

Video: An welchen Punkten Radfahrer in Ahaus besonders aufpassen müssen

Es gibt sie, die Gefahrenstellen für Radfahrer in Ahaus. Bis jede Eng- und Gefahrenstelle beseitigt ist, wird es noch Jahre dauern. Polizist Jan Tonke gibt einige Tipps für Radfahrer.

Auch wenn in Ahaus gerade unter Hochdruck am neuen Radverkehrskonzept gearbeitet wird, vorläufig müssen Radfahrerinnen und Radfahrer noch mit einer ganzen Anzahl von Eng- und Gefahrenstellen leben.

Mit Verkehrssicherheitsberater Jan Tonke von der Polizei in Ahaus war unsere Redaktion an besonders gefährlichen Stellen in der Stadt unterwegs:

Beispiel 1: die Königstraße. Vor allem der Radweg vom Kreisverkehr an der Wallstraße in Richtung Bahnhofstraße hat es in sich: Auf der linken Seite parken dicht am Bordstein Autos. Rechts erstrecken sich die langen Arkaden der Wohn- und Geschäftsgebäude.

Einer der kritischsten Radwege in Ahaus: Entlang der Königstraße gibt es durch parkende Autos und die Arkaden der Gebäude viele Gefahrenpunkte. Die Stadt arbeitet an einer Lösung. Bis dahin müssen Radfahrer besonders vorsichtig sein.
Einer der kritischsten Radwege in Ahaus: Entlang der Königstraße gibt es durch parkende Autos und die Arkaden der Gebäude viele Gefahrenpunkte. Die Stadt arbeitet an einer Lösung. Bis dahin müssen Radfahrer besonders vorsichtig sein. © Stephan Rape © Stephan Rape

Links öffnen sich plötzlich Autotüren, rechts treten Fußgänger unerwartet auf den Radweg – oder erkennen den Gehweg unter den Arkaden gar nicht erst als solchen und laufen mitten auf dem Radweg. Endgültig zur Slalomstrecke wird das Stück Radweg, wenn zur Müllabfuhr dort die Tonnen abgestellt werden oder Lieferfahrzeuge dort Pakete oder Wagen abstellen.

Jan Tonke kann nur wenig tun: „Ja, die Stelle ist sehr eng“, sagt er. Radfahrer sollen deswegen langsam fahren, bremsbereit bleiben und immer mit dem Fehlverhalten anderer rechnen.

Ampelzeichen gelten auch ohne Markierung

Beispiel 2: Ampeln ohne Markierung auf dem Radweg – wie beispielsweise die Fußgängerampel an der Bahnhofstraße. Etliche Radfahrer ignorieren diese Lichtsignale komplett und schlängeln sich bei Rot durch die kreuzenden Fußgänger oder umkurven die Ampel kurzerhand über den Fußweg.

Eine rote Ampel gilt auch für Radfahrer, wenn es keine Markierung auf dem Radweg gibt. Daran hält sich längst nicht jeder.
Eine rote Ampel gilt auch für Radfahrer, wenn es keine Markierung auf dem Radweg gibt. Daran hält sich längst nicht jeder. © Stephan Rape © Stephan Rape

Das geht natürlich nicht: „Auch ohne einen Strich auf dem Radweg gilt die rote Ampel“, sagt Jan Tonke. Einzig wenn es eine spezielle Fahrradampel gäbe, könne man als Radfahrer die Ampel für Autofahrer ignorieren.

Beispiel 3: Kreisverkehr ohne eigenen Radweg. Beispiele wären am Kreisverkehr Wallstraße, Schloßstraße oder in den Ortsteilen: Radfahrer sollen sich dort mittig einordnen, wie alle anderen Verkehrsteilnehmer auch. Fatal sei, sich rechts am Rand vorbei zu schlängeln. So gerate man schnell in einen toten Winkel und einen Unfall. Jan Tonke rät: „Mittig bis zur Sichtlinie am Kreisverkehr vorfahren, dann braucht man als Radfahrer nur nach links zu sehen. Ist dort alles frei, kann man fahren, sonst muss man natürlich den Fahrzeugen im Kreisverkehr Vorfahrt gewähren.“

Kreisverkehre mit und ohne eigenen Radweg

Beispiel 4: Kreisverkehr mit eigenem Radweg – zum Beispiel am Stadtpark, an der Heeker Straße, dem Adenauerring oder dem Hohen Weg/Raiffeisenstraße: „Als Radfahrer hab ich es an dieser Stelle in der Hand, ob es zum Unfall kommt“, sagt Jan Tonke. Radfahrer sollen an jeder Einmündung nach links und rechts schauen, um den Verkehr zu beobachten.

Vor allem der Kreisverkehr am Stadtpark ist nach mehreren schweren Unfällen vor Jahren aufwendig gekennzeichnet worden. Aber auch in Kreisverkehren mit Radwegen ohne so deutliche Markierungen gelten die gleichen Regeln. Handzeichen sieht Jan Tonke im Kreisverkehr übrigens kritisch. Er zieht eine andere Variante vor: „Beide Hände am Lenker behalten und auch da wieder immer mit dem Fehlverhalten der anderen rechnen“, fügt er hinzu. Nur so könne man als Radfahrer schnell und sicher bremsen.

Beispiel 5: Radweg wird auf die Straße überführt – zum Beispiel hinter der Kreuzung Wessumer Straße/Arnoldstraße in Richtung Innenstadt. „Schulterblick! Schulterblick! Schulterblick!“, macht Jan Tonke deutlich. Weil die große Gefahr vom rückwärtigen Verkehr ausgehe, solle man als Radfahrer im Zweifel lieber anhalten, bevor man einen Zusammenstoß riskiere.

Die Arbeiten am ersten Baustein des neuen Radverkehrskonzepts in Ahaus sollen noch in diesem Sommer beginnen: Der Radweg entlang der Umflut wird in mehreren Abschnitten zur ersten Veloroute der Stadt ausgebaut.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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