Andreas Dawo von der Schuldnerberatungsstelle der Caritas Ahaus-Vreden erwartet vor allem ab dem 1. Oktober viel Arbeit. © Bastian Becker
Schuldnerberatung

Viel Arbeit für Schuldnerberatung: Flut an Insolvenzen wird prognostiziert

Auch vor Corona vermeldete die Schuldnerberatungsstelle der Caritas Ahaus-Vreden Besucherrekorde. Nun gibt es besonders viel Arbeit. Ab dem 1. Oktober trägt dazu eine Gesetzesänderung bei.

„Die Zahl der Privatpersonen, die unsere Beratung in Anspruch nimmt, ist wahnsinnig hoch“, stellt Andreas Dawo, Leiter der Schuldnerberatungsstelle bei der Caritas Ahaus-Vreden, fest. Das galt allerdings schon, bevor das Coronavirus die wirtschaftlichen Sorgen der Menschen auch in der Region verschärfte.

„2017, 2018 und 2019 haben wir jeweils Allzeitrekorde verzeichnet. Im vergangenen Jahr sind alleine 2000 Leute zu uns gekommen“, berichtet Andreas Dawo. Seine Prognose: Die Entwicklung wird sich in Pandemie-Zeiten nahtlos fortsetzen.

„Durch die Soforthilfen, Darlehensraten oder das Kurzarbeitergeld können viele die Probleme noch verschieben“, beobachtet der Betriebswirt. Durch die Hilfsmaßnahmen entstehe daher nicht unmittelbar das totale Chaos. „Kleine Jobs auf 450-Euro-Basis fallen aber durch das Raster“, betont Andreas Dawo.

Er erwartet zudem eine Zunahme der Anträge auf Wohngeld und Kinderzuschlag. „Das Stellen von Anträgen überfordert manche, andere wissen gar nichts davon. Die formale Hürde ist relativ hoch, da wird viel Geld verschenkt“, so Andreas Dawo.

1. Oktober als entscheidendes Datum

„Der Oktober wird ein entscheidender Monat“, blickt der Leiter der Schuldnerberatungsstelle voraus. Denn zum 1. Oktober soll in Deutschland ein Beschluss des Europäischen Rates umgesetzt werden. Dieser sieht vor, dass Insolvenzverfahren künftig drei statt bislang sechs Jahre dauern.

„Das wird drastische Folgen vor allem für die Gläubiger haben“, ist sich Andreas Dawo sicher. „Wir glauben, dass das zu einer deutlich stärkeren Nachfrage bei uns führt. Viele werden sich Beratung einholen.“ Im Moment schickt die Schuldnerberatungsstelle somit nur in absoluten Ausnahmefällen Insolvenzanträge an das Insolvenzgericht in Münster.

Entschuldung schon nach drei Jahren möglich

„Wir werden am 1. Oktober mindestens 50, 60 Anträge auf Privatinsolvenz gesammelt in Münster vorbeibringen“, berichtet Andreas Dawo. Ab dem 1. Oktober werde die Zahl der Insolvenzverfahren daher sicherlich dramatisch steigen. Denn diejenigen, die Insolvenz beantragen, sind dann bereits nach drei Jahren von der vorhandenen Restschuld befreit.

Voraussetzungen dafür sind die Übernahme der Kosten für das Insolvenzverfahren (1500 Euro), regelmäßige Kommunikation mit dem Insolvenzverwalter und das Bemühen, eine Arbeitsstelle zu finden. „Wir bemühen uns in unserer Beratung zunächst darum, die Insolvenz zu vermeiden, was in der Hälfte aller Fälle auch gelingt. Wenn Insolvenz beantragt werden muss, stellen wir Insolvenzanträge und begleiten den Weg“, erläutert Andreas Dawo die Arbeit der Schuldnerberatung mit neun Mitarbeitern.

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Bastian Becker

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