Volker Aertker und sein „Corocap“: Umbiegen, einhängen, fertig

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Der gebürtige Ahauser Volker Aertker hat ein Gesichtsschild aus gebogenem Kunststoff entwickelt. Sein „Corocap“ als Mund-Nasen-Augenschutz lässt sich in ein Cap einhängen.

Ahaus

, 20.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Umbiegen, einhängen, fertig: Der gebürtige Ahauser Volker Aertker hat ein Schutzvisier aus durchsichtigem Kunststoff für Caps entwickelt. Es kann derzeit in NRW einen Mund-Nasen-Schutz nicht ersetzen, der 46-Jährige sieht sein Corona-Cap aber als sinnvolle Ergänzung, zum Beispiel als Spuckschutz.

Seit Anfang März ist Volker Aertker, angestellt im Event- und Reisebereich, in Kurzarbeit. „Die Idee einer Schutzmaske entstand, weil ich viel Zeit mit meinen Kindern zu Haus verbringe.“

Der drei- und sechsjährige Nachwuchs hatte allerdings keine große Lust, zum Beispiel beim Sport eine Maske zu tragen. Volker Aertker sah in seinem Wohnort Münster sogenannte Faceshields (Visiere) in unterschiedlichen Varianten. „Die meisten verursachen Druckschmerzen an der Stirn.“

Volker Aertker mit der Schablone für das Visier.

Volker Aertker mit der Schablone für das Visier. © corocap.de

Der 46-Jährige machte sich auf die Suche nach passendem Material und ließ sich von verschiedenen Firmen Muster zusenden. Dabei stieß er auf eine Firma, die Material von einem großen Leverkusener Unternehmen bezieht. Volker Aertker fing an zu basteln. „Meine Kinder tragen gerne Caps als Sonnenschutz. Da kam mir die Idee, ein Cap mit dem Visier zu verbinden.“ Aus einer „Schnibbelei“ entstand bei einem Bastelnachmittag mit den Kindern eine Schablone.

„Visier und Cap bilden eine Einheit“

Die Frage war: Wie bekommt man die Schablone ans Cap? „Ich wollte keine zusätzlichen Sachen wie Klammern. Je mehr am Visier ist, desto weniger möchte man es tragen.“ Aertkers Idee: Visier und Cap bilden eine Einheit. Der Tüftler knickte den Kunststoff an drei Kanten – so lässt sich das Material ins Cap einhaken. „Es schützt das Gesicht zum Beispiel vor den Härchen des Eichenprozessionsspinners und vor Wind. Viele benutzen es auch als Zusatzbaustein gegen Corona.“

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Volker Aertker geht davon aus, dass die Corona-Bestimmungen zum Tragen eines Mundschutzes in nächster Zeit gelockert werden. Als Nutzer seines Visiers hat er zum Beispiel Verkäufer im Blick, die den ganzen Tag einen Behelfsschutz tragen müssen. „Ich hoffe, dass die Faceshields bald in allen Bereichen zum Eigenschutz zugelassen sind.“

„Das ist aber leicht nachzumachen.“ Diesen Spruch hörte Volker Aertker des Öfteren, als er seine Erfindung anderen zeigte. Auch er wusste: „Wenn die Kleinen etwas entwickeln, machen die Großen es schnell nach.“

Gebrauchsmusterschutz

Der 46-Jährige informierte sich im Internet über den Gebrauchsmusterschutz und nahm Kontakt zu einem Patentanwalt auf. Der ließ sich alle erforderlichen Unterlagen zuschicken. „Es dauerte vier Wochen, aber daraus sind dann 20 DIN-A4-Seiten für die Anmeldung zum Gebrauchsmuster geworden.“ Professionelle Hilfe sei in diesem Bereich enorm wichtig.

Die Kunststoffvisiere lassen sich mit wenigen Handgriffen an Caps befestigen.

Die Kunststoffvisiere lassen sich mit wenigen Handgriffen an Caps befestigen. © corocap.de

Von einer Firma in Hessen ließ sich Volker Aertker 1500 Visiere aus dem Kunststoff stanzen. „Eine geringere Stückzahl ging nicht“, habe ihm die Firma gesagt, die normalerweise ab 100.000 Stück aufwärts arbeitet – doch für den 46-Jährigen eine Ausnahme machte. Volker Aertker investierte ein bisschen Erspartes und meldete ein Nebengewerbe an.

Suche nach Vertriebskanälen

Aktuell ist er auf der Suche nach unterschiedlichen Vertriebskanälen. Dabei hilft ihm Christian Schley, der auch einen Online-Shop aufbaute. Auf www.corocaps.de sind die Visiere zum Einzelpreis von 12,95 Euro erhältlich. Bei größeren Bestellungen gibt es Mengenrabatt.

Volker Aertker ist schon dabei, die Gesichtsmaske weiterzuentwickeln. Als Muster gibt es eine Variante mit verschiebbarem Visier. „Es schützt zum Beispiel bei Sägearbeiten oder beim Heckenschnitt.“ Es muss ja nicht immer mit Corona zu tun haben.

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