In Ahaus darf zwar auch in diesem Jahr Feuerwerk gezündet werden. Das bundesweite Verkaufsverbot gilt allerdings auch hier. Einige Händler stellt das vor Probleme. © Stefan Grothues (A)
Silvester

Volles Lager, leere Kasse: „Euregio Feuerwerk“ trifft Verkaufsverbot hart

Das Verkaufsverbot von Feuerwerkskörpern trifft auch Unternehmen in Ahaus. Während „Bettings Mühle“ vor allem an seine Lieferanten denkt, weiß man bei „Euregio Feuerwerk“ nicht mehr weiter.

Verwirrung gab es in den vergangenen Tagen beim Blick in die Prospekte der Lebensmittel-Discounter: „Kaufland“ wirbt auf vier Doppelseiten für Feuerwerkskörper und „Aldi Nord“ legt ein komplettes Heft mit Werbung für Raketen und Böller bei.

All das, obwohl der Verkauf von Feuerwerk laut Beschluss der Bundesregierung vom 13. Dezember verboten ist. Auf den jeweiligen Websites der Unternehmen ist diese Werbung nicht mehr zu finden. Bei Kaufland heißt es, dass man die Prospekte „aus ressourcenschonenden Gründen“ nicht noch einmal ohne Feuerwerks-Werbung drucken wollte.

Aldi Nord argumentiert genauso. Die Entscheidung der Bundesregierung sei zu kurzfristig gekommen. Während die Discounter jetzt auf Raclette-Käse, Berliner und Alkohol setzen, oder sogar Glücksklee, Gesellschaftsspiele und Discolichter für den perfekten Silvesterabend verkaufen, brechen den Fachhandeln für Feuerwerksartikel die Einnahmen komplett weg.

Fachhandel bangt um Existenz

So auch bei „Euregio Feuerwerk“ in Alstätte. Normalerweise herrscht in dem Geschäft zu dieser Zeit Hochbetrieb. Auf der Internetseite des Fachhandels heißt es zwar noch, dass Feuerwerkskörper online bestellt und im Geschäft abgeholt werden können, doch das sei nicht mehr aktuell.

Für das Geschäft „Euregio Feuerwerk“ an der Enscheder Straße in Alstätte sieht es momentan nicht gut aus. Normalerweise kaufen hier zur Hauptsaison viele Kunden Feuerwerkskörper für den Silvester-Abend. © Gerick © Gerick

Geschäftsführerin Cornelia Geertrudia op de Weegh weiß nicht mehr weiter. Das Verkaufsverbot sei „ein harter Schlag für alle, die Feuerwerk verkaufen“, sagt sie am Telefon im Gespräch mit der Redaktion. Schon das ganze Jahr über habe sie kaum Feuerwerkskörper verkaufen können. „Es gab ja nirgendwo Festivals und Events.“ Und jetzt, zur Haupteinnahmezeit, bleibt sie auf den Waren sitzen. „Ich habe das ganze Lager voll, aber kein Geld.“ Die aktuelle Lage bereite ihr schlaflose Nächte.

„Unfälle an Silvester passierten wegen Alkoholkonsum“

Cornelia Geertrudia op de Weegh versteht, dass etwas gegen das Virus getan werden muss, aber ein komplettes Feuerwerk-Verkaufsverbot sei nicht verhältnismäßig. Die Begründung, dass dadurch weniger Unfälle passieren und die Krankenhäuser nicht belastet würden, empfindet sie als „maßlos übertrieben.“

„Natürlich können Unfälle durch Feuerwerk passieren und jeder Unfall ist definitiv einer zu viel“, so Cornelia Geertrudia op de Weegh. Meistens passierten Unfälle an Silvester aber aufgrund von übermäßigem Alkoholkonsum, nicht wegen ein bisschen Feuerwerksspaß für die Familie. Doch ihre Meinung ändert nichts: Der Geschäftsführerin bleibt jetzt allein die Hoffnung auf finanzielle Hilfe. „Sonst ist Schluss“, sagt sie.

Feuerwerkskörper müssen bis zum nächsten Jahr eingelagert werden

Das Familienunternehmen Bettings Mühle in Ahaus muss sich hingegen nicht so viele Sorgen machen. Zwar ist der Feuerwerksverkauf dort mittlerweile Tradition, aber eben nur nebensächlich. Die Haupteinnahmen kommen durch den Verkauf von Haushalts- und Gartengeräten.

„Wir leiden eher mit den Lieferanten mit. Das sind schließlich unsere langjährigen Geschäftspartner“, erklärt Christoph Betting. Trotzdem sei das Verkaufsverbot sehr ärgerlich. „Wir haben die ganze Ware bestellt und müssen sie jetzt einlagern lassen.“ Wie viele Feuerwerkskörper wo gelagert werden dürfen, ist dabei strikt geregelt. Das Ganze sei sehr aufwendig. Christoph Betting findet das Verkaufverbot aber nachvollziehbar, „damit die Leute nicht auf die Straße gehen und sich dort treffen.“

Zünden von Feuerwerk ist in Ahaus nicht verboten

Feuerwerkskörper auf der Straße zünden, dürfen die Bürger in Ahaus aber – sofern sie noch Raketen und Böller aus dem letzten Jahr besitzen. Die Stadt Ahaus rät davon in diesem Jahr trotzdem ab und appelliert an die Vernunft der Bürger.

Silvesterliebhabern bleiben Alternativen wie Tischfeuerwerk und Wunderkerzen. Auch auf andere Traditionen wie das Zinn- oder Wachsgießen kann zurück gegriffen werden.

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Das Praktikum bei der Münsterland Zeitung hat mich für den Journalismus begeistert. Also ging es nach Dortmund, um Journalistik zu studieren. Wenn ich wieder in der Heimat bin, liebe ich es über Themen zu berichten, die die Menschen hier bewegen.
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Madlen Gerick

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