In den Mittagsstunden war die Innenstadt gut gefüllt. Vor nicht wenigen Geschäften bildeten sich Warteschlangen. © Till Goerke
Coronavirus

Vor hartem Lockdown: Disziplinierter „Ansturm“ auf Ahauser Innenstadt

Der harte Lockdown steht bevor. Shoppen im lokalen Einzelhandel hat sich dann erledigt. Doch drängen deswegen die Menschen zuvor noch mal in die Innenstadt? Wir haben uns das in Ahaus angeschaut.

Noch steht kein genaues Datum fest, doch es ist wohl nur noch eine Frage von Tagen, bis in NRW der harte Lockdown kommt. Vorbei ist es dann mit Weihnachtsshopping im lokalen Einzelhandel. Doch heißt das jetzt, dass noch mal alle in die Innenstädte drängen, um ihre Geschenkliste abzuarbeiten? Und wie steht es dann um das Einhalten der Corona-Regeln? Wir haben uns am Samstag (12. Dezember) das Treiben in der Ahauser Innenstadt angeschaut.

12 Uhr mitten in der Innenstadt. Schnell ist klar: Die Marktstraße ist voll. In Schüben sogar richtig voll. Die Menschen hetzen durch die Innenstadt. Tüten in der einen, Schirm in der anderen Hand. Das Wetter ist bescheiden. Ein leichter Nieselregen legt sich über die Ahauser Innenstadt.

Etwas Weihnachtsstimmung kommt auf

Und doch kommt so etwas wie Weihnachtsstimmung auf. Lichterketten, der großen Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz, die verwaisten Holz-Weihnachtshütten, die kleinen Tannen und der Duft gebrannter Mandeln lassen ganz kurz vergessen, dass das Coronavirus praktisch allgegenwärtig ist.

Ahaus ist an diesem Samstag übrigens jene Kommune, die mit 211 Personen aktuell die meisten Infizierten im Kreis hat. Nicht ohne Grund weisen Hinweisschilder an den Zugängen zur Markstraße daraufhin, eine Maske zu tragen. Bis auf ganz wenige Ausnahmen halten sich die Menschen an die Vorgabe.

Menschen verhalten sich diszipliniert

Ohnehin wirkt der „Ansturm“ sehr diszipliniert. Wann immer sich vor Geschäften Schlangen bilden – und das kommt nicht nur einmal vor – halten die Menschen ausreichend Abstand zueinander und warten geduldig auf Einlass. Nieselregen hin oder her. So bilden sich beispielsweise vor Thiemanns Basteln & Spielen zeitweilig Schlangen, die weit mehr als zehn Personen umfassen.

Bis auf ganz wenige Ausnahmen hielten sich die Menschen an die Corona-Regeln.
Bis auf ganz wenige Ausnahmen hielten sich die Menschen an die Corona-Regeln. © Till Goerke © Till Goerke

In den Geschäften selbst ist es moderat gefüllt. Wechselnder Einlass oder große Verkaufsflächen helfen den Einzelhändlern, den Ansturm in den Griff zu bekommen. Zweites trifft auf das Modegeschäft Steingrube zu. Geschäftsführerin Petra Steingrube-Rittmann, zugleich Vorsitzende des örtlichen Gewerbevereins, hebt zudem hervor: „Die Kunden verhalten sich wirklich alle sehr diszipliniert.“

Kein Gedränge oder Platzmangel

Von Gedränge oder Platzmangel ist bei Steingrube nun wirklich nichts zu sehen. Und doch haben die Mitarbeiterinnen jede Menge zu tun. „Gestern und heute war es schon richtig voll“, so die Inhaberin. „Es weiß ja keiner, wann Schluss ist, also kaufen wohl jetzt noch mal alle schnell ein.“

Den bevorstehen harten Lockdown hat sie pragmatisch aufgenommen. „Das ganze Jahr war ja nicht einfach. Wir sind ja Kummer gewöhnt.“ Schade sei allerdings, dass die getroffenen Entscheidungen so kurzfristig kämen.

Internet-Shopping ist nicht das Wahre

Auffällig: Mit uns reden will niemand von denen, die ihre Besorgungen in der Innenstadt machen. Zumindest nicht unter Preisgabe des Klarnamens. Angesprochen haben wir weit mehr als an zwei Händen abzählbar ist. Immerhin ein junges Pärchen aus Südlohn nimmt sich auf dem Marktplatz einen Moment Zeit und erklärt, warum sie gerade jetzt in Ahaus einkaufen sind. Anonym, versteht sich.

Das Wetter war bescheiden, doch das störte die Menschen beim Einkaufen wenig.
Das Wetter war bescheiden, doch das störte die Menschen beim Einkaufen wenig. © Till Goerke © Till Goerke

„Hier gibt es mehr Möglichkeiten als bei uns. Und immer nur im Internet bestellen, ist ja auch nicht das Wahre“, sagt sie. Und er ergänzt: „Wir nutzen es einfach aus, dass wir es noch dürfen. Wer weiß, wie lange das noch möglich ist.“ Geht es nach NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, soll der harte Lockdown schnellstmöglich kommen.

Menschen geben sich zurückhaltend

Und so wie die beiden Südlohner scheinen viele zu denken. Anders ist der Ansturm nicht zu erklären. Ein älterer Herr, mit dem wir ebenfalls auf dem Marktplatz ins Gespräch kommen, sagt: „Ich bin nur kurz hier, um ein paar Besorgungen zu machen und dann schnell wieder weg. Lange aufhalten möchte ich mich hier nicht. Auch nicht mit Maske.“ Ein Foto? „Lieber nicht“, sagt er.

Es wirkt paradox. Auf der einen Seite drängen die Menschen in die Innenstadt, auf der anderen Seite scheint es aber auch vielen nicht ganz geheuer zu sein. Zumindest möchte niemand mit Namen und Foto in der Zeitung stehen.

Voller als an „normalen“ Samstagen

So oder so – für die örtlichen Einzelhändler ist der Ansturm nochmal eine gute Gelegenheit, gegen die Internetkonkurrenz zu punkten. „Es ist samstags immer etwas voller, aber heute ist doch schon mehr als gewöhnlich“, umschreibt Jochen Schlesier von Moden Schlesier die Situation. Auch in seinem Geschäft gibt es kein Gedränge.

„Ich denke, die Leute haben Sorge, dass sie bald nicht mehr einkaufen dürfen und kommen deswegen heute in die Stadt.“ Und aus wirtschaftlicher Sicht? Was bedeutet so ein harter Lockdown für sein Geschäft? „Die zehn stärksten Tage vor Weihnachten liegen vor uns. Ich denke, mehr muss man dazu nicht sagen“, fällt seine Antwort unmissverständlich aus.

Übrigens gab es bei all der Disziplin der Menschen an diesem Samstag doch etwas, das nicht funktioniert hat. Und das war die Art und Weise, wie sich manche Warteschlangen vor den Geschäften gebildet haben. Einmal quer über die Straße ergibt wenig Sinn. So mussten sich die Menschen durch die Schlange quetschen, um vorbeizukommen. Einhalten des Mindestabstandes war so nicht mehr möglich.

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Ahaus, Heek und Legden am Abend

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