Vorchristliche Gerichtsstätte wird wieder „geöffnet“ und Verborgenes kommt zum Vorschein

mlzHeimatverein Wüllen

Lange lag ein historischer Ort in der Bauernschaft Ortwick praktisch im Verborgenen. Jetzt haben die Stadt Ahaus und der Heimatverein Wüllen die Stätte wieder „geöffnet“. Die Hintergründe.

Ahaus

, 22.02.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Noch bis vor wenigen Tagen wäre wohl den meisten während des Vorbeifahrens ein ganz besonderer Ort, 30 Meter südlich der Kreuzung Ottensteiner Weg - Raiffeisenstraße in der Bauerschaft Ortwick, verborgen geblieben. Denn die ehemals kleine Lichtung, auf der ein aus Beton bestehender „Gerichtstisch“, Betonsitze und ein Natursteinkreuz stehen, war von Eiben nur so zugewuchert. Und auch der Zugang war als solcher kaum mehr erkennbar. „Es musste also etwas passieren“, so Helmut Weihs, Vorsitzender des Heimatvereins Wüllen.

Dieses Ansinnen kommt nicht von ungefähr, schließlich ist es eine der Kernaufgabe eines Heimatvereines, die Traditionen der Ortschaft zu pflegen und zu bewahren. Und die Dinge, die auf besagter Lichtung stehen, nennen, obwohl es Nachbildungen sind, eine großes Stück Geschichte ihr eigen. „Das hier ist eine vorchristliche Gerichtsstätte, also asbach uralt“, erklärt Helmut Weihs im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Ort heißt darum auch: Das Gogericht ton Steenernen Crüce. Es ist also ein Wahrzeichen der historischen Gerichtsstätte. Das Originalkreuz hat seinen Platz im Landesmuseum in Münster gefunden.

Stadt „öffnet“ die Lichtung wieder

Doch obwohl das Kreuz eine Nachbildung ist, steht es unter Denkmalschutz. „Da gehen wir also nicht ran“, so Heimatverein-Geschäftsführerin Anne Weihs. Dass sie und ihre Mitstreiter überhaupt am Dienstagnachmittag ohne größere Mühen auf die Lichtung können, „liegt an der Stadt Ahaus und der gute Arbeit des Bauhofes“. Denn: Auf Bitte des Heimatvereins im Frühjahr 2018 kam die Stadt nun vergangene Woche dem Ansinnen nach und „öffnete“ die Lichtung. Die Eiben wurden zurückgeschnitten und der Zugang sowie der Platz mit Rindenmulch versehen.

Und an dieser Stelle kommt nun der weitere Einsatz des Heimatvereins ins Spiel. „Wir haben bei der Stadt auch angefragt, ob wir uns um die Pflege des Tisches und der Bänke kümmern dürfen“, berichtet Helmut Weihs. Etwas, das die Stadt bejaht habe, denn dies seien Dinge, die nicht unter Denkmalschutz stünden. Mehrmals im Jahr wollen die Heimatvereinmitglieder nun an diesem historischen Ort nach dem Rechten sehen. Am Dienstag geht es zunächst einmal darum, das Moos von den Objekten zu entfernen.

Einst Verborgenes wird wieder sichtbar

„Das sieht ja so nicht mehr schön aus“, so Helmut Raus, während er mit einem Handschrubber und viel Wasser immer und immer wieder über den „Gerichtstisch“ wienert. Hans-Georg Topp hat da schon einen etwas größeren Besen in der Hand. „Den habe ich schon viele Jahrzehnte. Der ist immer noch gut“, so der Beisitzer. Dass dem tatsächlich so ist, sieht man nur wenige Minuten später, denn nachdem etliche grüne Rinnsaale vom Tisch gelaufen sind, wird es Stück für Stück wieder sichtbar - das in den Stein eingravierte Schwert. „Vermutlich ein Gerichtsschwert“, merkt Helmut Weihs an.

Vorchristliche Gerichtsstätte wird wieder „geöffnet“ und Verborgenes kommt zum Vorschein

Nach einer intensiven Reinigung ist das Schwert in dem Betontisch wieder gut erkennbar. © Till Meyer

Einen Wunsch haben die Aktiven des Heimatvereins auch noch. Helmut Weihs sagt stellvertretend: „Wir würden uns wünschen, wenn die Menschen vorbeikämen und sich diesen historischen Ort ansehen würden. Er hat eine ganz besondere Atmosphäre.“ Dann würde sich der Putzeinsatz auch langfristig auszahlen.

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