Vorsichtsmaßnahme gegen das Coronavirus: Franzosen sagen Austausch mit Ahauser Schülern ab

mlzKeine Schüleraustausche

Fahrten ins Ausland gehören für viele Kinder zu den Höhepunkten ihrer Schulzeit. Zwei geplante Frankreich-Reisen sowie eine nach Griechenland von Ahauser Schülern wurden nun aber abgesagt.

Ahaus

, 06.03.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schon bevor am Donnerstagmorgen, 5. März, im Kreis Borken die erste Coronavirus-Infektion vom Kreis bestätigt wurde, sind drei Fahrten von Ahauser Schulen ins Ausland abgesagt worden. Nicht immer wurde die Entscheidung im Ausland getroffen. Eine Schule entschied sich selbst dazu, ihre Schüler nicht ins Ausland zu schicken.

Zehn Tage sollten einige Schüler der Canisiusschule in Frankreich verbringen. Eigentlich wären die Schülerinnen und Schüler bereits am Mittwoch, 4. März, nach Argentré in der Bretagne aufgebrochen. Doch der Austausch wurde im Vorfeld abgesagt. „Nicht von uns“, sagt Niels Hakenes, Leiter der Canisiusschule.

„Hier in Ahaus haben wir extrem kulante Reiseunternehmen“

Auch die französische Partnerschule selbst hat den Austausch nicht abgesagt. Vielmehr gibt es von der französischen Regierung die allgemeine Anordnung, keine Klassenfahrten in andere Länder zu machen und auch den Besuch ausländischer Schulklassen abzusagen. Jedes Land, jede Region und auch jede Schule bewerte Situationen eben unterschiedlich, so Hakenes. Für Frankreich gibt es derzeit vom Auswärtigen Amt noch keine Reisewarnung.

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In Deutschland ist es bislang noch so geregelt, dass Schulen selbst entscheiden müssen, ob eine Klassenfahrt oder ein Schüleraustausch stattfindet oder nicht, teilt das Schulministerium mit. „Wenn die Schulfahrt von der Schule abgesagt wird, ist es ihre Aufgabe, sich im Auftrag des Schulträgers um die Rückerstattung der geleisteten Zahlungen zu kümmern.“ Dies gilt allerdings nur, wenn die Schule die Reise absagt und nicht in Fällen wie dem der Canisiusschule.

Die Kosten für die Reise würden grundsätzlich erst mal weiterhin die Eltern der Schüler tragen, erklärt auch Niels Hakenes zum Fall seiner Schule. Bei einer Absage wie im jetzigen Fall hänge es dann auch davon ab, wie kulant das beauftragte Reiseunternehmen ist. In diesem Fall hat der Schulleiter eine gute Nachricht zu verkünden: „Hier in Ahaus haben wir extrem kulante Reiseunternehmen.“

England-Klassenfahrt soll wie geplant stattfinden

„Wir versuchen immer, mit hiesigen Reiseunternehmen zu arbeiten“, sagt er. Das zahle sich auf Dauer aus, da so eine gute Zusammenarbeit entstehen könne. Schon lange arbeite die Schule nun mit dem gleichen Unternehmen, mit dem sich die Schulleitung aktuell noch in Gesprächen befindet.

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Eine Klassenfahrt der Jahrgangsstufe sieben nach England startet aber am Freitag, 6. März, wie geplant. Die Eltern der Schüler seien im Vorfeld allerdings noch mal darauf hingewiesen worden, den Gesundheitszustandes ihres Kindes genau im Auge zu behalten und zu überlegen, ob eine Reise sinnvoll ist oder nicht.

„Das ist aber ganz normal“, erklärt Niels Hakenes. Einen solchen Hinweis würden auch alle Eltern bekommen, wenn es das Coronavirus nicht geben würde. Es liege durchaus im Bereich des Möglichen, dass bei der Ankunft auf britischem Boden die Temperatur aller Einreisenden gemessen werde.

Schülern mit Fieber könnte die Einreise verwehrt werden

Eine erhöhte Temperatur könne dann womöglich dazu führen, dass ein Schüler „vielleicht nicht reingelassen wird“ und von der britischen Küste wieder abgeholt werden müsste. „Eltern, deren Kinder Symptome zeigen, sollen es sich bitte dreimal überlegen“, sagt der Schulleiter.

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„Wenn Eltern aus Sorge um ihr Kind die Teilnahme absagen, tragen sie (oder ihre Reiserücktrittsversicherung, Anm. d. Red.) den möglichen Schaden selbst“, heißt es vonseiten des Schulministeriums. Dasselbe gelte auch für den Fall, dass ein Schüler oder eine Schülerin krankheitsbedingt kurzfristig nicht an der Reise teilnehmen kann.

Nicht nur Schüler der Canisiusschule wollten nach Frankreich reisen. Auch einige Schüler des Alexander-Hegius-Gymnasiums sollten bald dorthin fahren. Doch auch diese Fahrt, die am 26. März gestartet wäre, wurde von französischer Seite aus abgesagt. Schon kurz davor hatte Schulleiter Michael Hilbk allerdings den Entschluss gefasst, die Reise ohnehin nicht anzutreten.

„Ich kann dafür die Verantwortung nicht übernehmen“

Das sei den Eltern, die Verständnis für die Entscheidung gezeigt hätten, auch so schon mitgeteilt worden. Die Entscheidung sei aber „nicht aus hysterischen Gründen“ gefallen, sondern weil die Situation in Frankreich – insbesondere in den dortigen Kliniken – nicht ausreichend von hier aus einschätzbar sei. „Ich kann dafür die Verantwortung nicht übernehmen“, begründet Hilbk die Entscheidung, die ihm am Ende ohnehin von der französischen Regierung abgenommen wurde.

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Während die nächsten Auslandsreisen von Schülern der Irena-Sendler-Gesamtschule erst im Mai stattfinden und somit noch nicht über eine Absage diskutiert wurde, hat sich auch die Anne-Frank-Realschule entschieden, eine Erasmus-Reise nicht anzutreten.

Geplant war eine Fahrt nach Griechenland, an der auch Schulen aus Litauen, Bulgarien und Portugal teilgenommen hätten, erzählt Schulleiterin Bärbel Fleer. Die Abfahrt wäre am 13. März gewesen. Auch die Schulen aus den anderen Ländern hätten Bedenken, sagt sie. Sie hoffe aber noch, dass das Programm nicht gänzlich abgesagt werden muss, sondern verschoben werden kann.

Info-Telefon für schulspezifische Fragen zum Coronavirus

  • Die Bezirksregierung Münster hat extra ein Info-Telefon zur Beantwortung schulspezifischer Fragen im Zusammenhang mit dem Coronavirus eingerichtet.
  • Die Telefonnummer lautet 0251 4114198 und ist montags bis freitags zwischen 8 Uhr und 16 Uhr erreichbar.
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