„Geschmacksverstärker sind doch normal“ - Warum der Döner in Ahaus weiter Döner heißt

mlzDöner in Ahaus

Der Döner ist für viele zum Leibgericht geworden. In manchen Regionen Deutschlands darf er aber nicht mehr Döner genannt werden. So gehen Döner-Verkäufer in Ahaus mit der Frage um.

Ahaus

, 05.11.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Ereignisse von Weimar haben auch schon in Ahaus die Runde gemacht. „Sicher habe ich davon gehört. So etwas macht ja schnell die Runde“, sagt Michael Ceylan. Was der Inhaber des Imbisslokals Alanya an der Bahnhofstraße in Ahaus meint: In der thüringischen Stadt darf der Döner seit kurzem nicht mehr Döner genannt werden.

Die neue Bezeichnung lautet „Drehspieß im Fladenbrot“. Der Grund: Das Weimarer Lebensmittelüberwachungsamt hat ganz genau in die Vorschriften des Deutschen Lebensmittelbuches geschaut.

In den Leitsätzen für Fleisch und Fleischerzeugnisse ist in Paragraph 2.511.7 genau beschrieben, was in einen Döner – unabhängig von den Versionen Kebap, Hähnchen oder Puten – hinein darf. Schaf, Geflügel oder Rind, dazu Hack, abgeschmeckt mit Salz, Eiern, Gewürzen, Öl, Zwiebeln, Milch und Joghurt.

Auch in NRW gab es Kontrollen

Der Vorwurf des Amtes: Wenn das Dönerfleisch über einen Großhändler bezogen wird, dann werden dort Geschmacksverstärker hinzugefügt und damit handelt es sich nicht mehr um einen Döner. „Das ist doch ganz normal, dass Geschmacksverstärker hinzugefügt werden. Das wird doch bei jedem Gericht gemacht“, meint Ziya Bayval, der die Istanbul Pizzeria in Ahaus betreibt.

Wie die Deutsche Presse-Agentur mit Berufung auf das Landesamt für Umwelt und Verbraucherschutz berichtet, wurden kürzlich auch in Nordrhein-Westfalen Kontrollen der örtlichen Verbraucherschutzbehörden durchgeführt. Das Ergebnis: In einem Drittel aller kontrollierten Imbiss-Betriebe ist die Bezeichnung „Döner“ falsch, da die Leitsätze der Produktion nicht umgesetzt worden sind.

Transparenz der Bestandteile wichtiger

„Auch wenn Geschmacksverstärker drin sind, an die Bezeichnung hat sich doch jeder gewöhnt – die ist seit den 1980ern hier etabliert“, findet Ziya Bayval. Genauso sieht das auch Michael Ceylan. „Bei uns heißt es noch Döner und wir belassen es so lange dabei, bis wir vom Land dazu aufgefordert werden, das zu ändern.“

„Geschmacksverstärker sind doch normal“ - Warum der Döner in Ahaus weiter Döner heißt

Bei Samerosos können Kunden genau sehen, woraus der Drehspieß besteht. © Maximilian Konrad

Viel wichtiger ist dem Betreiber des Imbissbetriebs, dass die genauen Bestandteile des Fleischspießes aufgelistet und damit transparent gemacht werden. „Dann erfahren die Kunden, was drin ist.“ Diese gewünschte Transparenz setzt Soma Alkomi bereits um.

„Döner bleibt Döner“

Der Betreiber des Samerosos an der Wüllener Straße macht auf einem Aushang klar kenntlich, woraus sich sein Drehspieß zusammensetzt und welche Fleischsorten enthalten sind. 85 Prozent Putenfleisch ist dabei der größte Bestandteil – auch Geschmacksverstärker tauchen auf der Liste auf. „Döner bleibt Döner“, sagt Soma Alkomi, der das Fleisch von einem Großhändler aus der Nähe von Ahaus bezieht.

Mehmet Bulut von der Dönerstation am Bahnhof in Ahaus hat dagegen noch nichts von den Vorkommnissen in Weimar gehört. „Wir werden es hier weiterhin Döner nennen. An der Rezeptur hat sich ja seit langem nichts geändert“, berichtet der Betreiber, der sein Fleisch aus Bochum bekommt.

Umweltaspekte beachten

Michael Ceylan hofft im Zuge dieses Themas auf keine großen Veränderungen, wie es sie im Gegensatz bei einer anderen Bezeichnung vor einigen Jahren bereits gab. Damals musste der Schafskäse in Weichkäse umbenannt werden. „Der Käse kommt ja nicht vom Schaf, sondern von der Kuh. Daher mussten wir das ändern.“

Wenn in NRW in der Zukunft die Betreiber doch zu Änderungen gezwungen werden, müssen alle Inhaber die Bezeichnungen auf sämtlichen Flyern und anderen Werbematerialien ändern, „und das kann ja in Zeiten von Greta Thunberg und der aktuellen Klimadebatte nicht das vorwiegende Ziel sein“, macht Michael Ceylan deutlich. Damit meint der Inhaber die Neuproduktion von Flyern und den damit verbundenen unnötigen Verbrauch von Papier.

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