Was „Festo“, „Helau“ und „De un Da“ bedeuten

mlzKarnevalsrufe

Ein „Hallo“ hört man in den örtlichen Karnevalshochburgen zurzeit selten. Stattdessen grüßt man sich mit „Festo“, „Helau“ und „De un Da“. Was bedeuten diese Rufe und wer hat sie erfunden?

Ahaus, Stadtlohn

, 17.02.2020, 14:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die fünfte Jahreszeit ist in vollem Gange: In der Feste Ottenstein grüßen sich die Menschen mit „Festo“, in „Klein-Köln“ Wüllen sagen sie „Helau“, und in Stadtlohn ersetzt „De un Da“ das „Hallo“. Auswärtigen stellt sich da die Frage, was diese Rufe bedeuten. Und auch den Einheimischen ist der Ursprung der Ausdrücke nicht immer geläufig. Ein besonders großes Fragezeichen: Wer hat die Karnevalsgrüße zum ersten Mal genutzt?

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Diese Frage ist in Ottenstein nicht eindeutig zu beantworten. Carsten Berthues, Präsident der Karnevalsgesellschaft „Die Burggeister“, erzählt, dass das Wort „Festo“ von den Worten „Festung Ottenstein“ abgeleitet wird. Denn in Ottenstein stand eine Burg, die im 14. Jahrhundert zur Festung wurde, nachdem sie monatelang belagert worden war. „Seit der Vereinsgründung am 11.11.1948 sagen wir Festo. Ob es das Wort auch schon vorher gab, kann ich nicht genau sagen“, so Berthues.

Karneval mit Schwertertänzen

Vielleicht haben die Gründungsmitglieder rund um Willi Fischer den Karnevalsruf erfunden. Es sei aber auch möglich, dass der Ausdruck schon bei früheren Karnevalsfeiern genutzt wurde. Zum Beispiel, als um die Wende zum 20. Jahrhundert herum traditionelle Schwertertänze in Ottenstein stattfanden. Dabei tanzten die Junggesellen des Dorfes mit Schwertern, wenn ein Zuschauer ihnen Wurst, Alkohol oder Geld gab – eine Tradition, die noch aus Zeiten der Burg stammte.

Ähnlich unsicher darüber, wer sich ihren Karnevalsruf ausgedacht hat, ist sich die Stadtlohner Karnevalsgesellschaft „Üm Bütt un Pütt“. Präsident Andy Rotherm erklärt, dass die Stadtlohner Karnevalisten bei der Wiedergründung des Karnevalsvereins im Jahr 1970 „auf der Suche nach einer Alternative zu den bekannten Karnevalsrufen“ waren. Dabei stießen sie auf den Karnevalsgruß „De un Da“, der schon zu Nachkriegszeiten genutzt worden war. „De un Da“ steht für „De unwiesen Daage“, und heißt auf Hochdeutsch „Die verrückten Tage“.

Ausgelassenheit in Stadtlohn

„Was bedeuten schon Helau oder Alaaf?“, fragt Andy Rotherm und ergänzt: „Zu De un Da hat man wirklich Bezug.“ Wie der Ausdruck verrate, seien zu Karneval schließlich alle mal ausgelassen. Doch, wenn der Karnevalsruf schon vor der Wiedergründung der KG im Jahr 1970 bekannt war, wer hat ihn dann erfunden?

„Der Karnevalsgruß wurde schon 1939 geprägt. Aber wer ihn vorgeschlagen hat, kann man heute nicht mehr sagen“, erklärt Bernhard Uepping, der kurz nach der Wiedergründung vor 50 Jahren in die Stadtlohner Karnevalsgesellschaft eingetreten ist und dort direkt eine Vorstandsfunktion übernommen hat.

Schreinergeselle brachte den Karneval nach Wüllen

Wer den Karneval und damit auch das „Helau“ nach Wüllen gebracht hat, ist dem Karnevalsverein „Klein-Köln“ bekannt. Thorsten Uschok, Pressesprecher des Wüllener Karnevalsvereins, erzählt, dass der Schreinergeselle Heinrich Vöcking von 1844 bis 1849 auf der Walz war. „Da hat er den Kölner Karneval erlebt und es hat im sehr gut gefallen. Aber mit ‚Alaaf‘ konnte er einfach nichts anfangen.“ Auf dem Rückweg nach Wüllen, sei der Schreinergeselle an Düsseldorf vorbei gekommen, wo „Helau“ gerufen wird. „Das hat ihm besser gefallen. Das war wahrscheinlich einfach persönlicher Geschmack“, so Thorsten Uschok.

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Mit einem Schmunzeln gibt er zu: „Es ist wohl etwas ungewöhnlich, dass wir uns Klein-Köln nennen, aber ‚Helau‘ sagen.“ Das hätten einige Wüllener Karnevalisten dem Kölner Dreigestirn auch bei einem Treffen vor zwei Wochen erzählt. „Da hat die Jungfrau nur gemeint: ‚Ja, dat is euer Pesch.‘“

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