Wegen der Straßensanierung kämpfen Firmen an der Fuistingstraße mit Umsatzeinbußen

mlzSanierung der Fuistingstraße

Die Fuistingstraße wird bis September ausgebaut, der Verkehr fließt derzeit nur in eine Richtung. Die Einbahnstraßenregelung führt bei Firmen an der Straße zu deutlichen Umsatzeinbußen.

Ahaus

, 07.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Willkommen im Schilderwald: Eine ganze Batterie an „Verbot der Einfahrt“- und „Einbahnstraße“-Schildern ziert aktuell die Fuistingstraße. Mehrere Dutzend Absperr- und Sicherheitsbaken machen Autofahrern deutlich, wo es langgeht: vom Kreisverkehr am Stadtpark bis zur Ampelanlage am Kusenhook nur in eine Richtung; in Richtung Innenstadt. Seit Anfang der Woche wird die Fuistingstraße in einem zweiten Bauabschnitt ausgebaut, nachdem 2017 der Bereich zwischen Kusenhook und Hessenweg saniert worden war.

Schleichwege

Dort, wo sonst der Verkehr fließt, geht es am Mittwochvormittag deutlich langsamer vorwärts. Die Autos ruckeln über den abgefrästen Belag. Wer es eilig hat, um zum Beispiel von der Stadtmitte in Richtung Wessum oder Graes zu kommen, umfährt die Baustelle lieber über Schleichwege wie den Hessenweg und die Wessumer Straße und verzichtet darauf, den „Umleitung“-Schildern zu folgen.

Das hat der Getränkefachmarkt „Fresh + Cool“ an der Fuistingraße auch schon registriert. Die Kunden müssen wegen der Einbahnstraßenregelung Umwege fahren.

„Es ist nicht gerade toll, direkt an der Einfahrt eine Baustelle zu haben“, sagt Mitarbeiterin Jennifer Gevers. „Aber es nützt ja nichts. Wir müssen uns mit den Gegebenheiten bis September abfinden.“ So lange, das haben die Stadt Ahaus und der Kreis Borken angekündigt, werden die Straßenbauarbeiten voraussichtlich dauern.

„Wir müssen uns mit den Gegebenheiten bis September abfinden“, sagt Jennifer Gevers vom Getränkefachmarkt „Fresh + Cool“ an der Fuistingstraße.

„Wir müssen uns mit den Gegebenheiten bis September abfinden“, sagt Jennifer Gevers vom Getränkefachmarkt „Fresh + Cool“ an der Fuistingstraße. © Christian Bödding

„Den Einzelhandel im Bereich der Baustelle trifft das schon“, sagt Jennifer Gevers. Um die Kundschaft zu halten, gewährt der Markt beim Kauf von Getränken Rabatt. Rabatt? Mit solcherlei Vergünstigungen für tankende Kunden kann Stationsleiterin Silke Wachter von der Agravis-Tankstelle an der Fuistingstraße nicht aufwarten. „Wir haben aufgrund der Baustelle vor der Tür schon am zweiten Tag enorme Einbußen“, sagt sie. Für eine Tankstelle mit vorgegebenen Spritpreisen sei es schwierig, wegbrechende Einnahmen zu kompensieren.

Infos von Stadt und Kreis

Silke Wachter hat vor allem überrascht, mit welcher Geschwindigkeit die Baustelle eingerichtet wurde. „Das ging alles ziemlich schnell. Am vergangenen Freitag wurden die Schilder aufgestellt und der Bauleiter kam und sagte: Am Montag geht es los.“ Die Kommunikation sei auf jeden Fall ausbaufähig, sagt die Stationsleiterin im Nachgang. Bei der Stadt Ahaus macht man sich keine Vorwürfe. „Der Kreis Borken hat persönlich in der Woche vor Baubeginn die Gewerbetreibenden über den Start der Arbeiten informiert“, erklärt Stadtsprecherin Anna Reehuis am Mittwoch auf Anfrage unserer Redaktion. Die Stadt selbst habe eine Pressemitteilung verschickt (am Mittwoch, 30. Januar). Infos gab es auf der Stadt-Homepage, zudem seien auch auf der Facebookseite des Kreises Informationen veröffentlicht worden.

Direkt an der Agravis-Tankstelle wird tonnenweise Sand gelagert. Stationsleiterin Silke Wachter bermerkt schon am zweiten Tag aufgrund der Einbahnstraßenregelung deutliche Umsatzeinbußen.

Direkt an der Agravis-Tankstelle wird tonnenweise Sand gelagert. Stationsleiterin Silke Wachter bermerkt schon am zweiten Tag aufgrund der Einbahnstraßenregelung deutliche Umsatzeinbußen. © Christian Bödding

„Wir müssen das so hinnehmen“, sagt Silke Wachter. Noch können Fahrzeuge über die linke Spur stadteinwärts auf das Gelände der Tankstelle fahren. „Aber was machen wir, wenn diese Spur gesperrt wird und die Autos stadteinwärts auf der rechten Spur fahren? Dann kommt hier gar keiner mehr aufs Gelände.“ Die Tankstelle lebe ja nicht nur von Ortskundigen, sondern auch von Kunden „auf der Durchreise“. Silke Wachter: „Ich kann mir kaum vorstellen, dass sie über die Graeser Straße und dann über den Parkplatz des Aldi-Marktes zu unserer Tankstelle fahren.“

„Chaos hoch zehn“

Klar sei, dass die Straße saniert werden müsse, sagt Silke Wachter. „Aber uns trifft das nun mal besonders. Das war auch schon vor zwei Jahren so, als der erste Teil der Fuistingstraße ausgebaut wurde. Wir konnten uns ein Jahr berappeln und jetzt kommt der nächste Schlag.“ Dabei kann Silke Wachter als Stationsleiterin noch ein wenig über die Dauer der Bauarbeiten bis September lächeln. „Wenn ich Tankstellenpächter wäre, würde ich das nicht mehr.“ Alles in allem sei vor der Tankstelle an der Fuistingstraße „Chaos hoch zehn“, hat Silke Wachter festgestellt. „Aktuell wird ja nicht nur die Straße saniert, die Arbeiten am neuen Feuerwehrgerätehaus Nord direkt gegenüber laufen ja auch noch.“

Ausbau der Straße

Laufend erledigt auch Jochen Löffers vom Ingenieurbüro Flick aus Ibbenbüren seine Arbeit am Mittwochvormittag. Der Vermessungsingenieur vom Ibbenbürener Fachbüro Flick ermittelt abschnittsweise die Flächen für das Pflaster und den Straßenbelag. Die Breite der Fahrbahn wird von derzeit acht Meter auf 6,50 Meter reduziert. Im Gegenzug werden die Geh- und Radwege verbreitert. Die Gesamtkosten der Baumaßnahme belaufen sich auf 1,1 Millionen Euro, teilt Anna Reehuis mit. Die Stadt Ahaus übernimmt davon 733.000 Euro. In dieser Summe sind 288.000 Euro für Kanalbauarbeiten enthalten. Der Kreis Borken saniert die Fahrbahn und die Radwege und trägt die restlichen Kosten in Höhe von 367.000 Euro.

Ausschreibung

Ausführende Firma ist das Unternehmen „F&P Straßen und Tiefbau“ aus Uelsen. Ursprünglich sollten die Bauarbeiten im Sommer 2018 durchgeführt werden. Geschätzter Auftragswert damals: 950.000 Euro. Doch weil seinerzeit kein Straßenbauunternehmen ein Angebot abgab – wobei acht Firmen Ausschreibungsunterlagen angefordert hatten – mussten die Arbeiten im Herbst erneut ausgeschrieben werden.

Schlagworte: